The Nevers: Jetzt neu bei Sky - X-Men im viktorianischen London?

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Er brachte mit The Avengers den wegweisenden MCU-Superheldenfilm zum Fliegen, erschuf die Agents of SHIELD und hob schon in den 90ern die bahnbrechende Fantasy-Serie Buffy im Bann der Dämonen aus der Taufe. vom Kult um Firefly mal gar nicht zu reden: Joss Whedon gehört ohne Frage zu den größten kreativen Köpfen in Hollywood. Zwar hat er sich, vielleicht auch wegen massiver Anschuldigungen von Schauspielern über Whedons Benehmen am Set früherer Arbeiten, weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und auch The Nevers mittlerweile verlassen, seine Handschrift ist aber bei dieser Serie unverkennbar. Warum Whedon hier massiv bei den X-Men wildert, klären wir in der Kritik.

The Nevers @HBO

Amalia True kann in die Zukunft sehen und hilft anderen Berührten.

Die Handlung

London 1896. Die Ankündigung eines Sturms lässt viele Einwohner in ihrem Tun innhalten und den Blick gen Himmel richten. Und für manche wird nach diesem Ereignis das Leben und die Welt nie wieder so sein wir davor. Zeitsprung – drei Jahre später: Die junge Witwe Amalia True (Laure Donnelly, Outlander) fährt mit ihrer Kollegin Penance Adair (Ann Skelly) zu einem kleinen Haus, in dem ein vom Teufel besessenes Mädchen leben soll. Schnell klärt sich auf, dass Myrtle gar nicht mit Teufelszungen spricht, sondern ein wildes Kauderwelsch aus vielen Sprachen, die sie eigentlich alle gar nicht kennt. Für Amalia ist klar: Myrtle ist eine Berührte, eine junge Frau mit besonderen Fähigkeiten.

Doch bevor Amalia und Penance die Eltern überzeugen können, ihre Tochter in die Obhut der beiden zu geben, versucht eine Bande maskierter Männer, Myrtle zu entführen, was Amalia nur unter Aufbietung all ihrer Kampferfahrung unterbinden kann. Jemand macht offenbar Jagd auf Menschen, die durch das Ereignis drei Jahr zuvor verändert wurden. Amalia kann seitdem manchmal ein paar Sekunden, Minuten oder Stunden in die Zukunft sehen, Penance wurde zum Technik-Genie und erfindet am laufenden Band nützliche Gadgets. Aber kann das reichen, um sich gegen die offenbar zahlreichen Gegner durchzusetzen, die hinter ihnen und ihren Talenten her sind?

The Nevers @HBO

Penance Adair entwickelte als Berührte ein unglaubliches Verständnis für Energie – und baut nun tolle Geräte.

Die Liga der außergewöhnlichen Ladys

Das filmische Werk von Joss Whedon kennen viele Fans, die sein Werk seit Jahrzehnten lieben und konsumieren. Dass der inzwischen 56-jährige Autor und Regisseur aber auch als Comic-Autor tätig war, das weiß nicht jeder. Neben vielen Plots für die Comicfortsetzung von Buffy nach Staffel sieben schrieb Whedon auch vier Jahre lang eine X-Men-Serie für Marvel und bekam dafür sogar ein eigenes Heft – die Astonishing X-Men. Wer als Comic-Kenner nun einen Blick auf The Nevers wirft, wird von den vielen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Teams förmlich erschlagen. Mit dieser Serie schuf Whedon eine viktorianische Variante des beliebten Mutanten-Teams. 

Die Gönnerin der Nevers, eine reiche Matrone namens Lavinia Bidlow (Olivia Williams, The Sixth Sense), besitzt nicht nur das Waisenhaus, in dem die Team-Mitglieder leben (das Pendant zur X-Mansion), sie sitzt auch im Rollstuhl (wie Professor X). In der Bevölkerung sind die Berührten unbeliebt, viele fürchten sie vor ihnen oder hassen sie ganz offen (wie es den Marvel-Mutanten in Comics und Filmen ergeht) und das Ereignis brachte nicht nur nette Berührte hervor, sondern auch Psychopathen wie Maladie (Amy Manson), die (wie Magneto) ein eigenes Team aus Menschen mit Fähigkeiten zusammenstellt, die mit den Nevers aneinandergeraten. So viele Parallelen lassen sich kaum wegdiskutieren.

The Nevers @HBO

Maladie war gerade auf dem Weg ins Irrenhaus, als das Ereignis ihr Kräfte gab.

Nur sechs Folgen

Große Teile der Grund-Story werden Comic-Fans also mit Sicherheit bekannt vorkommen. Und wirklich originell oder neu ist es tatsächlich nicht, was Whedon seinen Zuschauern hier präsentiert. Deswegen ist es aber noch lange nicht schlecht. Denn viele der Faktoren, für die Whedon einen derart guten Ruf besitzt, finden sich auch in The Nevers. Interessante Heldinnen, witzige und geschliffene Dialoge und stark inszenierte Actionsequenzen dominieren die erste Folge der Serie, deren erste Staffel insgesamt 10 Episoden haben soll, nach sechs Folgern aber erst einmal eine Pause einlegt. Zudem reißt Whedon im Auftakt auch einige Storylines an, die viel Spannung versprechen.

Und dieser Auftakt ist tatsächlich auch Whedon pur, denn er hat nicht nur produziert und das Drehbuch geschrieben, sondern auch Regie geführt - mehr geht also nicht. Ganz im Gegensatz zu sonstigen Whedon-Arbeiten sind allerdings die Schauspieler keine alten Bekannten – in The Nevers gibt es bislang weder Nathan Fillion, noch Amy Acker und auch keine weiteren Stars aus früheren Whedon-Serien zu sehen. Bekannte Gesichter wie Dennis O'Hare (American Horror Story) oder Nick Frost (Shaun of the Dead) sind schon dabei, aber die typischen Whedon-Buddies fehlen (noch).

The Nevers @HBO

Einige der Veränderungen der Berührten sind nicht zu übersehen.

Die erste Folge ist für Whedon-Verhältnisse stark, denn einige seiner Projekte hatten nicht unbedingt großartige Pilotfolgen, dennoch bleibt Luft nach oben. in seinem Bemühen, möglichst viel Weltenaufbau in die ohnehin schon üppige Handlung zu packen, bleiben manche Charaktere ein wenig auf der Strecke und sind wenig ansprechend oder spannend. Aber das kann ja noch werden, für Buffy brauchte Whedon bis zum Hit fast eine ganze Staffel Anlauf. Und in The Nevers hat er mit Laura Donnelly und Anne Skelly gleich zwei charismatische Heldinnen am Start, deren Rollen viel Potenzial aufweisen.

Fazit:

Für seine neue HBO-Serie The Nevers ließ sich Joss Whedon unübersehbar deutlich von den X-Men-Comics inspirieren, deren Plot er ins London des späten 19. Jahrhunderts verlegte. Damit ist die Serie eher eine kluge Variation eines bekannten Stoffes als eine wirklich neue Idee. Trotzdem: Whedon-Fans werden ziemlich sicher hier genau die Dinge finden, für die sie den Autoren und Regisseur so schätzen. Starke Frauenfiguren, großartige Dialoge und ein cooles Action-Paket, hier mit deutlichen Einflüssen des Steampunk. Auch wenn die erste Folge etwas überfrachtet ist: Weiterschauen!

The Nevers startet am 12. April bei Sky (wöchentlich eine neue Folge).

The Nevers @HBO

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