The Prom: Stargespicktes Musical neu bei Netflix

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Er landete etliche Hits und ist in Hollywood eine der unbestrittenen Größen: Ryan Murphy. Obwohl er bereits in vielen Genres unterwegs war, lassen sich doch zwei Lieblinge darunter ausmachen, zu denen Murphy in schöner Regelmäßigkeit zurückkehrt: Horror und Musicals. Seiner Liebe zum Grauen widmet er sich in der Serie American Horror Story, die in die zehnte Staffel geht, die Liebe zur Musik fand unter anderem in seinem Hit Glee Ausdruck, der immerhin sechs Staffeln lang lief, auch wenn die Frage berechtigt ist, ob das nicht zu lange war. Sein neuer Ausflug ins Musical-Fach heißt The Prom und passt perfekt zum bisherigen Schaffen Murphys. Warum, klärt die Kritik.

The Prom Dee Dee

Die Handlung

Erst das Zittern, dann die Gewissheit: Das neue Musical "Eleanor" über die Gattin des Präsidenten Franklin D. Roosevelt mit den Stars Dee Dee Allen (Meryl Streep) und Barry Glickman (James Corden) floppt gnadenlos, die Kritiker zerreißen das Stück in der Luft. Die Schuld tragen laut den Berichten Dee Dee und Barry, die einfach nicht liebenswert seien, sondern furchtbare Egozentriker und Narzissten. Eine Image-Politur muss her - und die findet Freundin und Kollegin Angie (Nicole Kidman) durch Zufall im Internet. In einer Kleinstadt in Indiana soll der Abschlussball der Oberschüler (engl. Prom) ausfallen, weil die Schülerin Emma (Jo Ellen Pellman) sich als lesbisch geoutet hat und mit ihrer Freundin kommen will.

Das will der Elternrat unter der Leitung von Ms. Greene (Kerry Washington) unbedingt verhindern und verfügt daher, dass der Ball für alle ausfallen soll. Wenn das nicht der Auftritt für die LGBTO-Szene schlechthin für Dee Dee und Barry ist, um ihr angekratztes Ego wieder auf Vordermann zu bringen! Also fahren die beiden mit Angie und dem netten Kollegen Trent (Andrew Rannells) nach Indiana, um dafür zu sorgen, dass The Prom doch stattfindet - mit Emma! Zuerst läuft alles nach Plan, Ms Greene ist geschockt, der Schuldirektor Tom (Keegan-Michael Key) ganz angetan von der unerwarteten Hilfe. Doch die homophobe Gemeinde hat noch ein paar fiese Tricks auf Lager ...

The Prom Direktor

Knallbunter Spaß

Wäre Farbe ein kostbares Gut, Netflix könnte wohl im kommenden Jahr nur Schwarz-Weiß-Filme herausbringen, weil The Prom den Jahresvorrat verbraucht hat. Denn wie gewohnt macht Ryan Murphy bei seiner Adaption des gleichnamigen Musicals keine halben Sachen. Was vor allem die Kostümabteilung hier an Kleidern und Anzügen aus dem Hut zaubert, ist mit dem Wort extravagant noch milde umschrieben. Und auch das Set-Design geht regelmäßig dahin, wo es dem Durchschnittsgeschmack schon wehtut, so bunt und schrill sind einige der Kulissen, sowie das Licht im gesamten Film. Knallig, bunt und laut, das passt zu einem echten Prom-Ball in den USA - und das sieht man auch im Film.

Doch täte man The Prom Unrecht, ihn nur auf seine schrillen Szenen zu reduzieren, denn die Story ist zwar Fiktion, aber durchaus rührig und emotional, wenn es hier auch Musical-typisch keine großen Überraschungen gibt. Der Plot bleibt simpel, was den Schauspielern viel Raum gibt, ihre meist witzigen Rollen völlig auszuleben. Die unfassbare Meryl Streep zeigt dabei einmal mehr, dass sie eigentlich alles spielen kann. Ihre divenhafte und nur um sich selbst kreisende Dee Dee ist nicht nur eine hinreißende Parodie auf das Klischee des großen Stars, sondern auch so nuanciert gespielt, dass der einsame Mensch unter der Fassade immer wieder durchscheint.

The Prom Nicole Kidman

Sehr musiklastig

Und James Corden hat nach seinem Missgriff als Katze in Cats mit dieser Rolle ein besseres Händchen bewiesen. Als schwuler Star, der mit seinem Elternhaus nie ins Reine gekommen ist und schwer an dieser Last trägt, ist der extrem liebenswerte Corden perfekt für die Rolle - mit entsprechender Lust an der Übertreibung. Wenn aber Ryan Murphy als offen schwul lebender Mann den heterosexuellen James Corden so besetzt, wird er sich dabei etwas gedacht haben - und das sieht man auch. Corden macht ganz einfach Spaß, in witzigen Momenten ebenso wie in rührseligen.

Auch der Rest des Ensembles überzeugt in The Prom mit gutem Schauspiel, Gesang und Tanz, vor allem Newcomerin Jo Ellen Pellman legt ein furioses Debüt hin und wirkt, als stünde sie schon ihr Leben lang vor der Kamera. Uneingeschränkt zu empfehlen ist The Prom aber dennoch nicht, denn hier gilt ganz extrem, dass man das Genre des verfilmten Musicals schon mögen sollte, um den Film zu genießen. Wenn andere Filme, wie viele Disney-Klassiker, ein halbes Dutzend Songs in die Handlung einbauen, ist das für viele Zuschauer, die eigentlich keine Fans sind, noch ganz gut auszuhalten. In The Prom sind es 19 (!). Musical-Muffel werden das kaum ertragen.

Wer das Genre hingegen mag, kommt voll auf seine Kosten. Denn die einzelnen Songs sind nicht nur gut gesungen, sondern auch großartig choreographiert und mit viel Liebe zum Genre inszeniert. Ryan Murphy kann solche Momente einfangen wie kaum ein Zweiter, und Glee-Fans werden sich nicht zuletzt durch den Handlungsort High School an ihre Lieblings-Serie erinnert fühlen. Und das Thema Toleranz verarbeitet The Prom zwar leicht und locker, ist in seiner Botschaft aber trotzdem sehr klar - und dürfte damit nicht nur die LGBTO-Gemeinde erreichen. Klar ist das alles ein wenig kitschig und übertrieben - aber darum geht es ja!

The Prom Tanzszene

Fazit:

Wenn ein Könner wie Ryan Murphy ein frisches Broadway-Musical zum Netflix-Film macht und dabei auf Stars wie Meryl Streep, James Corden und Nicole Kidman zurückgreift, kann nach menschlichem Ermessen nicht viel schief gehen - und das tut es auch nicht. In The Prom steckt exakt das drin, was Bilder und Trailer versprechen: ein knallbuntes Musical mit guten Songs, schmissigen Tanznummern und klarer Botschaft gegen den Hass auf Minderheiten. Fans des Genres werden es lieben, wer mit viel Musik leben kann, sieht zumindest einen unterhaltsamen Film mit Stars in Spielaune. Nur Musical-Hasser sollten um The Prom lieber einen großen Bogen machen.

Wertung

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