The Stand: Wie gut ist die Mini-Serie nach Stephen Kings Mammutwerk?

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Im englischen Original der ungekürzten Version zählt The Stand stolze 1152 Seiten und ist damit die längste Story, die der Erfolgsautor Stephen King je zu Papier brachte. Als der Roman 1978 erstmals erschien, hatte der Verlag King noch gebeten, die Geschichte zu kürzen, was er auch tat - um etwa 400 Seiten. Erst 1990, als King längst ein Weltstar der Literatur geworden war, entschloss sich sein Verlag, eine komplette und ungekürzte Fassung des Stoffes auf den Markt zu bringen. 1994 wurde The Stand dann erstmals verfilmt, von King-Kumpel Mick Garris als Mehrteiler fürs Fernsehen. Bei der neuen Version für CBS schrieb nun auch Kings Sohn Owen am Drehbuch mit. Hat das geholfen?

The Stand Stu und Larry

Die Handlung

Ein Superkeim, der aus Versehen (oder auch nicht) aus einem Labor der Regierung ins Freie gelangt, tötet mehr als 99 Prozent der Menschheit. Nur wenige sind gegen den Captain Trips genannten Virus immun. Darunter ist auch der Texaner Stu Redman (James Marsden). Der findet gemeinsam mit ein paar Freunden den Soldaten, der das Virus-Labor vor der Abschottung noch verlassen konnte, aber bereits infiziert war - und es so verbreitet hat. Nur wenige Tage später ist Stu der einzige der Gruppe, der noch lebt - und das Ziel vieler Untersuchungen der Army. Als die ihn schließlich gehen lässt, macht er sich auf den Weg nach Süden. Und trifft auf dem Weg andere Überlebende der Seuche.

Bald stellen sie fest, dass sie alle von einer alten Frau träumen, Mutter Abigail (Whoopi Goldberg), die ihnen sagt, sie sollen zu ihr nach Colorado kommen. Und dann gibt es da noch einen Mann, von dem ebenfalls viele träumen. Er ruft die Überlebenden nach Las Vegas. So werden die schwangere Frannie (Odessa Young), der junge Eigenbrötler Harold (Owen Teague), der taubstumme Nick (Henry Zaga, New Mutants ) und viele andere Immune bald zum Spielball zwischen den Mächten des Guten und denen des Bösen. Und der dunkle Mann (Alexander Skarsgard) macht der Gruppe um Mutter Abigail bald klar, dass er nicht gedenkt, auch nur einen von ihnen am Leben zu lassen ...

The Stand Frannie und Harold

Nicht immer ein Fest für Leser

So episch wie in The Stand hat Stephen King den Kampf Gut gegen Böse nie wieder geschildert. Daher war bereits die Idee, daraus könne man eventuell einen Kinofilm machen, eigentlich völlig absurd. Nun versucht es CBS mit einem Neunteiler, der somit mit etwa 500 Minuten länger läuft als die erste TV-Version von 1994. King selbst schrieb für diese neue Fassung sogar noch einen neuen Epilog, der die neunte Folge bildet. An drei weiteren Drehbüchern arbeitete Kings Sohn Owen mit, der auch als Produzent der Serie fungiert. Bei soviel Mitarbeit der King-Familie kann ja eigentlich gar nichts schiefgehen - oder doch?

Leider ist hier nicht alles Gold, was glänzt. So erzählt King seine Geschichte im Roman anhand vieler Hauptfiguren, die er ganz unterschiedliche Dinge erleben lässt. Erst im Kopf des Lesers bilden sich daraus langsam größere Teile, die schließlich ein Gesamtbild ergeben. In der Serie stehen nach vier Episoden, die CBS vorher zur Ansicht herausgab, deutlich weniger Charaktere im Fokus. Manche, die im Roman genauso wichtig sind, werden in der Serie fast zu Statisten degradiert und haben lange nicht die Bedeutung wie im episch langen Roman von King. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Serie eigentlich genug Zeit hätte, sich um alle wichtigen Charaktere zu kümmern.

The Stand Randall Flagg

Nicht stringent erzählt

Das Autorenteam um Owen King hat sich bei der Erzählung dafür entschieden, die Story nicht chronologisch zu erzählen, sondern immer wieder in den Zeitebenen hin und her zu springen. Das hat Vor- und Nachteile. So ist es abwechslungsreicher, die Helden und Schurken der Serie mal beim Ausbruch der Seuche, und nur Minuten später in einem der beiden Lager zu sehen. Andererseits verschenkt die Serie damit aber einen großen Spannungsbogen, den der Roman virtuos nutzte: die Frage, wer es überhaupt lebend bis nach Boulder schafft, um sich dort mit Mutter Abigail zu treffen. Diese im Roman hochemotionalen Momente gehen der Serie so völlig verloren.

Ebenso wie manche der Schauspieler. Whoopi Goldberg, der wohl größte Name auf der Besetzungsliste, ist nach vier Episoden kaum zehn Minuten zu sehen. James Marsden hat als Stu Redman ebenfalls nur wenig zu tun. Es sind die bösen Figuren, die schauspielerisch etwas zeigen dürfen. So spielt Owen Teague nach seinem Auftritt als Patrick Hockstetter in ES zum zweiten Mal einen ikonischen King-Bösewicht - und erweckt einen der vielleicht bösesten Charaktere aus Kings Romanen zu abstoßendem Leben. Und auch Amber Heard, für Johnny Depp-Fans ohnehin gerade ein Hassobjekt, erweckt mit ihrer Darstellung von Nadine Cross die richtige Mischung aus Abscheu und Mitleid.

The Stand Nadine Cross

Die Spieler der dunklen Hälfte kommen hingegen in den ersten vier Folgen noch kaum vor. Besonders die Präsenz von Randall Flagg alias Alexander Skarsgard ist deutlich zu gering, schließlich ist er das große Böse der Story. Was den Zuschauer also tatsächlich erwartet, bleibt angesichts der unglücklichen Story-Aufteilung nach knapp der Hälfte für Nichtkenner des Romans noch weitgehend im Dunkeln. Etwas lang, um fast vier Stunden dranzubleiben. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass The Stand zwar den ersten emotionalen Höhepunkt verschenkt hat, bei den kommenden aber deutlich besser abliefert. Und für Kings neues Ende werden viele Fans des Autors ohnehin dranbleiben.

Fazit:

Die großen Erwartungen, die Fans an die Serie stellen, werden zumindest in der ersten Hälfte von The Stand noch nicht erfüllt. Auch Kings Sohn Owen gelingt es nicht, die lange Story durchgehend spannend zu erzählen. Die Inszenierung ist solide, schafft es aber nur selten, wirklichen Horror zu erzeugen. Und viele geliebte Figuren aus dem Roman bleiben in der Serienfassung blass. Die Serie muss sich in der zweiten Hälfte deutlich steigern, wenn sie Fans des Romans doch noch glücklich machen will. Die allerdings wegen eines neuen Endes, das Stephen King selbst geschrieben hat, ohnehin weiterschauen werden.

The Stand startet am 3. Januar 2021mit einer neuen Folge pro Woche bei Starzplay (Amazon Prime-Channel).

The Stand Boulder-Leitung

Wertung

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