Thunder Force: Wie gut ist die neue Netflix-Komödie mit Melissa McCarthy?

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An der US-Comedienne Melissa McCarthy scheiden sich – wie so oft bei Humor – die Geister. Die einen finden einfach alles, was die Schauspielerin macht, so richtig lustig. Die anderen können über die recht ähnlichen Gags nicht mehr lachen – oder konnten es noch nie. Diesmal hat sich McCarthy als Verstärkung noch Octavia Spencer dazu geholt. Auch kein ganz neuer Trick der Schauspielerin, die sich gern mit anderen Stars in ihren Filmen umgibt, seien es Sandra Bullock, Jude Law oder Jason Statham. Ob sich der Ausflug ins Superhelden-Genre für die beiden Schauspielerinnen gelohnt hat, klären wir in der Kritik.

Thunder Force @Netflix

Ups! Eigentlich wollte Lydia nur ihre alte Freundin Emily abholen, doch sie gerät mitten in ein Gen-Experiment.

Die Handlung

1983 trifft eine Welle kosmischer Strahlung die Erde und setzt in einigen Menschen Superkräfte frei. Leider sind die Betroffenen genetisch alle Soziopathen und so entstehen keine Helden, sondern nur Schurken, die bald den Sammelnamen Miscreants erhalten. Weil einer davon die Eltern von Emily töten, will das Mädchen deren Arbeit als Genetiker fortführen und ganz normalen Menschen Superkräfte verleihen. Dafür opfert sie alles, auch ihre Freundschaft mit ihrer Mitschülerin Lydia, die immer auf Emily aufgepasst und sie vor Schlägern und Rüpeln beschützt hat. Nach einem schlimmen Streit verlieren sich die beiden Mädchen aus den Augen.

Fast 30 Jahre später ist aus Lydia (Melissa McCarthy) eine Gabelstapler-Fahrerin geworden, die mehr schlecht als recht durchs Leben kommt. Daher freut sie sich auch auf das Klassentreffen und hofft auf ein Wiedersehen mit Emily, die inzwischen zur steinreichen Tech-Gigantin geworden ist. Weil sie nicht erscheint, beschließt Lydia, ihre alter Freundin (Octavia Spencer) in ihrem neuen Firmensitz zu besuchen. Dabei fasst sie aber die falschen Dinge an und landet, ohne es zu wollen, im Trainingsprogramm für Superhelden, das sich nun auch nicht mehr stoppen lässt. Gemeinsam mit Emily entwickelt Lydia Superkräfte und die beiden Freundinnen werden zu Thunder Force ...

Thunder Force @Netflix

So wird Lydia suerstark und robust, Emily hingegen kann sich unsichtbar machen.

McCarthy, wie man sie kennt

Superhelden-Comedy ist noch kein stark beackertes Feld. Will Smith wagte sich mit Hancock 2008 an die Idee, der durchaus witzige Start des Films wich aber einem eher tragischen Ende und so lässt sich von einer echten Komödie nicht sprechen. Das MCU steckt zwar voller witziger Momente, letztlich würde man aber wohl nur Thor Ragnarok als Komödie durchgehen lassen. Und über ein paar andere Versuche deckt man lieber den Mantel des Schweigens. Lediglich Ben Stillers Mystery Men von 1999 war nicht so übel, floppte aber böse. Und Batman und Robin war tatsächlich nicht absichtlich komisch. Kann Melissa McCarthy in ihrem neuen Film für Netflix frische Impulse geben?

Leider nein. Zwar arbeitet die Schauspielerin hier bereits zum fünften Mal mit ihrem Ehemann Ben Falcone zusammen, der Regie führte und das Drehbuch schrieb, und seine Frau natürlich gut kennt und sie in Szene zu setzen weiß, aber neu ist hier gar nichts. Falcone nahm einfach den klassischen McCarthy-Charakter der etwas prolligen und großmäuligen Verliererin, die aber das Herz auf dem rechten Fleck trägt, und baute diese Figur in einen reichlich einfallslosen Superhelden-Plot ein. Zudem geht die Helden-Geschichte auch erst spät im Film überhaupt los, es dauert sehr lange, bis die Damen endlich ihre Kräfte bekommen.

Thunder Force @Netflix

Die beiden neuen Heldinnen sind The King und seinem Handlanger The Crap ein Dorn im Auge.

Wenig spannend, wenig witzig

Sonderlich spannende Schurken sind Falcone auch nicht in den Sinn gekommen. So ist Bobby Cannavale mit dem fiesen The King-Charakter, einer Art Lex Luthor mit Superstärke, ebenso unterfordert wie Pom Klementieff mit der ebenso uninspirierten Schurkin Laser. Lediglich der komplett absurde The Crap, ein Miscreant, dem statt Arme zwei Krebsscheren gewachsen sind und der sonst keinerlei Kräfte hat – außer vielleicht Super-Opportunismus – hat ein paar witzige Momente im Film, die aber nicht reichen, um ihn zu einer wirklich gelungenen Komödie zu machen. Denn die Gagdichte ist einfach nicht sehr hoch.

Zwar gibt es auch hier eine Handvoll guter Witze wie die Tatsache, dass der Lamborghini-Sportwagen für die beiden eher fülligen Damen nicht das perfekte Fahrzeug ist, oder das Problem, dass sich die Superhelden-Anzüge nicht waschen lassen und nach einer Weile unangenehm riechen. Aber die werden dann noch unnötig ausgewalzt in Ermangelung von besseren Alternativen. Tatsächlich steht und fällt der ganze Film mit der Einstellung zum Star, denn auch wenn Octavia Spencer mitspielt, so ist Thunder Force doch eindeutig auf McCarthy zugeschnitten. Wer über den bekannten Charakter, den sie meist spielt, herzhaft lachen kann, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Der Rest eher nicht.

Thunder Force @Netflix

Und Schurkin Laser will die beiden so schnell wie möglich tot sehen.

Immerhin verfügte der Film aber über ein ordentliches Budget und das führt zumindest zu ansehnlichen Effekten bei den Superhelden-Kämpfen. Das lässt sich zwar nicht mit Marvel- oder DC-Filmen der vergangenen Jahre vergleichen, ist aber doch deutlich stärker als Versuche wie der deutsche Freaks – Du bist eine von uns (auch bei Netflix). Der Rest ist auch innerhalb der McCarthy-Film sicher kein Highlight.

Fazit:

Tricktechnisch ist Thunder Force von Regisseur und Drehbuchautor Ben Falcone, dem Ehemann von Star Melissa McCarthy, noch ganz gelungen. Das lässt sich über die uninspirierte Handlung und die ziemlich einfallslosen Gags leider nicht sagen. Der eigentlich gute Cast bekommt wenig zu tun, der ganze Film ist ausschließlich um den Star herum gebaut. Und der spult wie gewohnt sein Programm ab, dass man in anderen Filmen bereits mehrfach gesehen hat. Und so ist der Film eine weitere Komödie, die man wohl mag, wenn man schon beim Anblick von Melissa McCarthy ins Grinsen gerät (Fans rechnen auf unsere Wertung 1-2 Sterne drauf), oder nicht mag, weil man diesen Humor nicht mehr sehen kann, oder noch nie sonderlich gelungen fand. 

Thunder Force startet am 9. April 2021 bei Netflix.

Thunder Force @Netflix

Trotz der Bedrohung findet Lydia bald heraus, dass man im Superhelden-Job auch Spaß haben kann.

Wertung

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