Vampires vs The Bronx: Horrorkomödie bei Netflix

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Horror und Comedy geht nur relativ selten eine fruchtbare Verbindung ein. Zwar gibt es immer wieder Versuche, vor allem im Splatter-Bereich, statt Ekel Lacher zu erzeugen, ein gutes Ergebnis kommt dabei meist nicht heraus. Es hat schon seinen Grund, dass Peter Jacksons "Braindead" bis heute so eine Sonderstellung im Genre einnimmt. Die Idee, Vampire mit Komödien-Elementen zu mischen, ist dabei sogar schon recht alt: 1968 schuf Roman Polanski seinen "Tanz der Vampire", aus dem sich Vampires vs The Bronx-Regisseur Osmany Rodriguez sogar eine Szene ausleiht. Reicht das für einen guten Film?

Die Handlung

Miguel (Jaden Michael) muss etwas tun: In seiner Nachbarschaft in der New Yorker Bronx werden immer mehr Geschäfte von einer geheimnisvollen Immobilien-Firma namens "Murnau Properties" aufgekauft. Und nicht nur das, die Zahl vermisster Personen ist in den vergangenen Wochen auch angestiegen. Deshalb will Miguela mithilfe seiner besten Freunde Luis (Gregory Diaz) und Bobby (Gerald Jones III) durch ein Straßenfest die Bodega ihres väterlichen Kumpels Tony (Joel Martinez) retten, in der alle drei fast aufgewachsen sind. Dabei laufen sie nicht nur der neuen Nachbarin Vivian (Sarah Gadon) regelmäßig über den Weg, sondern auch dem Immobilienhai Frank (Shea Whigham), der für Murnau arbeitet.

Eines Abends endet ein Zusammenstoß mit der Gang von Henny (Jeremie Harris) für Miguel mit einer Verfolgungsjagd in ein altes Parkhaus, in dem ein seltsam gekleideter, langhaariger Kerl plötzlich Miguels Verfolger locker in die Luft hebt und ihm in den Hals beißt. Es sind Vampire in der Bronx! Natürlich glaubt niemand dem Jungen, nur seine Freunde halten zu ihm. Gemeinsam beginnen sie mit den Recherchen: Wie kann man Vampire töten? Wohin ziehen sie sich tagsüber zurück? Und warum sind sie überhaupt hier? Doch die Nachforschungen über die Blutsauger bringen den Jungs bald mehr Ärger ein, als sie stemmen können. Denn ihre Mütter sind mächtig sauer ...

Vampires vs the Bronx

Viele Anspielungen auf Klassiker

Fan-Service schreibt Regisseur und Comedy-Spezialist Osmany Rodriguez in seinem Film groß. Denn die Anspielungen auf wichtige Namen und Gesichter des Vampir-Mythos sind für Kenner kaum zu übersehen. Friederich Wilhelm Murnau, Namensgeber der Firma im Film, war der Regisseur das Vampir-Klassikers "Nosferatu". Das Logo der Firma zeigt ein Abbild von Vlad Dracul, dem historischen Vorbild für Stokers "Dracula"-Roman. Und Frank Polidoris Namensgeber John Polidori schrieb bereits 1816 die Kurzgeschichte "The Vampyr" und gilt bei vielen Fans als Urvater des Themas in der Literatur. Hier hat Rodriguez, der auch am Drehbuch mitschrieb, seine Hausaufgaben gemacht.

Und auch bei der Handlung leiht sich Rodriguez immer wieder Ideen oder ganze Szenen bei bekannten Vampirfilmen aus. So erinnern die drei Jungs mit ihrer Vampir-Killer-Ausrüstung stark an die Frog Brüder aus "Lost Boys". In einer Szene sehen sich Miguel und seine Freunde "Blade" als Anschauungs-Material an. Und die Story vom Vampir in der Nachbarschaft trägt deutliche Züge von "Fright Night". Leider hat es Rodriguez nicht geschafft, inmitten dieser ganzen Anspielungen, Zitate und Verbeugungen vor den Genre-Größen eine eigene Idee für seinen Film zu entwickeln. Und so wirkt Vampires vs The Bronx weniger wie eine Hommage als vielmehr wie eine uninspirierte Kopie all dieser Filme.

Nicht blutig, nicht lustig

Das beginnt bei der Spannung. Nun muss eine Horror-Komödie den Zuschauern nicht unbedingt eine Gänsehaut bescheren, aber etwas Spannung darf schon sein. Und die fehlt hier komplett. So wird selbst unerfahrenem Publikum sehr schnell klar, wer hier der geheimnisvolle Ober-Vampir ist, der den Rest befehligt - es gibt einfach keine Auswahl. Und beim Humor reißt Rodriguez ebenfalls keine Bäume aus. Ein paar witzige Momente hat der Film schon, an seiner extremen Vorhersehbarkeit leiden aber auch die Gags, die der Zuschauer schon von Weitem kommen sieht und deren Pointen daher oft auf dem Weg schon verblassen.

Auch für Fans der härteren Gangart gibt es hier nichts zu holen, Netflix selbst stuft den Film frei ab 12 Jahren ein - und dagegen ist auch nichts zu sagen. Blutleer und harmlos huschen hier die Blutsauger durchs Bild und verbreiten weder Furcht noch Lacher. Immerhin ist die Optik der Vampire recht gelungen, so etwas wie Charakter bekommen sie aber nicht. Selbst der Ober-Blutsauger bleibt nicht nur wegen des fehlenden Sonnenlichts blass, das Drehbuch gibt ihm einfach keinerlei Tiefe. Daher verwundert es auch nicht, dass der Film nach seinem Dreh im Sommer 2018 fast zwei Jahre von der Bildfläche verschwand, bis er jetzt bei Netflix wieder auftauchte.

Lediglich die Schauspieler wären ein Grund, sich Vampires vs The Bronx anzusehen, denn die geben sich wirklich Mühe, aus ihren mäßig geschriebenen Rollen noch etwas herauszuholen. Und ein Cameo von Zoe Saldana gibt es auch. Mit dem offensichtlichsten Vorbild "Attack the Block" kann der Film aber ebensowenig konkurrieren wie mit den zahlreichen Klassikern des Genres, bei denen er sich bedient.

Vampires vs the Bronx

Fazit:

Vampires vs The Bronx bedient sich ausgiebig bei großen Vampir- und Horrorfilmen der Vergangenheit, kann damit aber nicht kaschieren, dass er keine einzige eigene Idee vorweisen kann. Jede Szene, jede Storywendung hat der Fan bereits gesehen - und zwar meist besser. Da helfen die sympathischen Jungdarsteller auch nicht mehr viel. Diese blutarme Möchtegern-Komödie hat der Zuschauer schon fast wieder vergessen, während noch der Abspann läuft.

Vampires vs The Bronx ist ab dem 2. Oktober 2020 bei Netflix zu sehen.

Wertung

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