Wandavision: Wie gut ist die erste Marvel-Serie auf Disney+?

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Seit dem Kinostart von Spider-Man Far From Home im Juli 2019 wartet die Marvel-Fangemeinde auf neue Abenteuer der Superhelden. Eigentlich hätte Black Widow den Auftakt zu Phase Vier bilden sollen, durch Corona kam es anders. Allerdings scheint Wandavision als Start in die Multiversum-Storyline, die jetzt ansteht, ohnehin die bessere Wahl, denn viel schräger als diese Serie kann es eigentlich kaum werden. Was das alles zu bedeuten haben könnte und wie gut die Hommage an alte Sitcoms gelungen ist, klären wir in der Kritik.

Wandavision

Die Handlung

Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) beziehen ein schmuckes Häuschen in der kleinen Stadt Westview, irgendwo in den USA. Dort wollen sie als frischvermähltes Paar ein neues Leben beginnen. Vision hat einen Job in der Firma vom Mr Hart und steigt dort schnell zum wichtigsten Mitarbeiter auf. Wanda hält als Hausfrau ihr Heim in Ordnung und freundet sich mit den Nachbarn an, unter anderem mit der neugierigen Agnes Harkness (Kathryn Hahn). Zu Beginn der Folge wundern sich Wanda und Vision über ein Herz, das sie in einem Kalender eingetragen haben. Wie sich herausstellt, hat Vision seinen Chef und dessen Frau zum Abendessen eingeladen.

Und das ist ebenso schwierig zu bewältigen, wie in der zweiten Episode eine Magie-Show, die das Paar für die Spendengala in der Stadt einstudiert hat. Und die Vision durch ein kleines Handicap, das ihm in der Bücherei zustieß, völlig zu vergeigen droht. Doch Wanda ist vor allem durch die seltsamen Erlebnisse irritiert, die sie immer wieder erlebt. Ein Spielzeug, das in ihrem Vorgarten abstürzt, seltsame Geräusche von außerhalb des Hauses und Störungen im Radio verunsichern die Superheldin, die sich an ihr früheres Leben nicht zu erinnern scheint. Hält sie jemand in diesem Sitcom-Traum gefangen oder ist sie selbst dafür verantwortlich?

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So wie die Trailer versprachen

Neun Folgen wird die erste Marvel-Serie für Disney+ bekommen - und nach zwei davon ist der Zuschauer nicht wesentlich schlauer, was die Geheimnisse der Serie angeht. Vision lebt wieder und er und Wanda scheinen in einer sich durch die Zeit bewegenden Sitcom gefangen zu sein. Während die erste Folge klar auf die 50er Jahre abzielt und den Stil von I Love Lucy kopiert, ist die Sitcom in der zweiten Folge schon in den 60ern angekommen und erinnert an Bezaubernde Jeannie und ähnliche Shows. Geht das so weiter, dürfte die Sitcom-Welt nach Folge 7 enden. Und tatsächlich gelingt den Autoren in den ersten beiden Folgen die Gratwanderung zwischen Humor und Spannung extrem gut.

Denn viele der Gags zünden tatsächlich und sind eine schöne Verbeugung vor den alten Serien - inklusive Lacher vom Band. Und die Szenen, in denen offenbar eine andere Realität durchscheint, verströmen fast augenblicklich eine bedrohliche Atmosphäre und wischen den Humor beiseite. Diesen schnellen Wechsel der Emotionen bekommen die Macher ausgezeichnet hin. Was auch am komödiantischen Talent der Hauptdarsteller liegt. Elizabeth Olsen spielt die Sitcom-Wanda hinreißend und Paul Bettany ist ein echtes Comedy-Talent, was er vor allem in der zweiten Folge unter Beweis stellt. Vermutlich die letzte, die in Schwarz-Weiß gezeigt wird, denn am Ende zieht Farbe ein.

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Nicht nur für beinharte Fans

Fans, die im Vorfeld dachten, die Serie sei gespickt mit Anspielungen und Hinweisen, müssen umdenken. Die ersten beiden Folgen bestätigen diese Vermutung nicht. Zwar sind ein paar Andeutungen durchaus enthalten, aber dass nun jede Minute ein Detail auftaucht, das auf ein Ereignis in Comics oder FIlmen hinweist, ist schlicht nicht der Fall - oder so gut versteckt, dass mehrfache Sichtung nötig ist, um es zu erkennen. Es sind für Comic-Leser eher offensichtliche Spuren, die gelegt werden. So heißt die Nachbarin Agnes mit Nachnamen Harkness, was auf den Comic-Charakter Agatha Harkness hindeutet - eine mächtige Hexe, die in einigen Stories von Wanda eine große Rolle spielt.

Und auch wenn die zweite Folge das noch nicht explizit verrät, so ist die Organisatorin der Spenden-Gala Monica Rambeau, die Tochter von Maria Rambeau, Piloten-Kollegin von Carol Danvers alias Captain Marvel. Welche Funktion sie hat, ist aber noch völlig unklar. In den Comics erhält sie selbst die Kräfte von Captain Marvel und nimmt später noch andere Superhelden-Namen an. Keine davon hat aber eng mit Wandas tragischer Comic-Historie zu tun. Allerdings ist es dramaturgisch durchaus sinnvoll, dass der Zuschauer nach zwei von neun Folgen noch nicht unbedingt alles weiß, was ihn erwartet.

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Comic-Leser hofften bei der Sicht der ersten Trailer auf eine MCU-Version der House of M-Saga, in der Wanda die Realität verändert und ihre Familie zu einer Art Königshaus macht. Nach den ersten beiden Episoden lässt sich diese Theorie weder bestätigen noch verneinen. Und für Zuschauer, die keine Comics lesen - und das dürfte die Mehrheit sein - ist das ohnehin egal. Fest steht nur, dass der Auftakt zu dieser wunderbar-schrägen Idee der Autoren gut funktioniert und tatsächlich den Geist der alten Sitcoms verströmt, ohne deshalb altbacken oder gar langweilig zu sein. Man darf gespannt sein, wohin sich Wandavison noch entwickelt.

Fazit:

Wandavision, die erste TV-Serie auf Disney+, die direkten Einfluss auf kommende Filme haben soll, startet stark. Wanda und Vision, gefangen in einer Art Sitcom, die sich ständig weiterentwickelt, das ist ein Konzept, das tatsächlich so witzig wie spannend ist. Die Autoren treffen den Ton der alten Serien sehr genau und peppen die Handlung immer wieder durch seltsame Vorfälle auf, deren Ursprung sich wohl erst in späteren Episoden ganz erschließt. Und die beiden Hauptdarsteller beweisen ihr Talent für Comedy. Fans, die nach Avengers Endgame nun auf eine andere Art Marvel-Abenteuer gehofft hatten, werden mit Wandavison sicher glücklich, denn neu und frisch ist die Idee auf jeden Fall.

Wandavision startet am 15. Januar 2021 mit einer Doppelfolge, danach erscheint jeden Freitag eine weitere.

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