Yes, God, Yes: Komödie mit Stranger Things-Star jetzt bei Prime

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Dass "Yes, God, Yes", der mit dem schönen deutschen Untertitel "Böse Mädchen beichten nicht" ausgestattet wurde, einmal ein Kurzfilm war, merkt man dem Film an - gerade einmal 77 Minuten dauert das Erzählen der Geschichte. Regisseurin Karen Maine hat auch die kürzere Version inszeniert und durfte nun die Story nochmal halbwegs abendfüllend erzählen. Dazu griff sie auf die gleiche Darstellerin zurück, die im Short-Movie bereits die Hauptrolle spielte: Natalia Dyer, Serienfans aus "Stranger Things" bekannt. Macht sich diese Kontinuität positiv bemerkbar?

Yes God Yes

Die Handlung

Eine US-Kleinstadt im Jahr 2000: In Alice (Natalia Dyer) erwachen sexuelle Gefühle. Sie sieht sich die Sexszene aus Titanic mehrfach an und fühlt Dinge, die der Kirche so gar nicht gefallen. Als strenggläubiges Mitglied der Gemeinde, die Sex vor der Ehe als tiefe Sünde ansieht, machen Alice diese neuen Gefühle sehr zu schaffen. Als dann auch noch das Gerücht kursiert, sie habe einem Jungen, der mit einer Freundin von ihr zusammen ist, auf einer Party "die Sahne geschlagen", ist Alice komplett verwirrt - weil sie auch gar nicht weiß, was das überhaupt bedeuten soll. Als ihr eine Mitschülerin eine Kirchenfreizeit empfiehlt, um mit sich besser klar zu kommen, willigt sie ein teilzunehmen.

Doch auch dort tauchen Probleme auf, mit denen Alice nicht gerechnet hat. So ist Gruppenleiter Chris (Wolfgang Novogratz) nicht nur äußerst anziehend, von seinen behaarten Unterarmen kann Alice den Blick kaum abwenden. Und auch bei anderen Jugendlichen erlebt die 16-jährige Verhaltensweisen, die so gar nicht zum Zweck der Reise passen wollen. Selbst Pfarrer Murphy (Timothy Simons) hat so seine Geheimnisse. Was soll Alice nun anfangen mit den Regeln der Kirche bezüglich ihres Körpers, wenn ihre Gefühle etwas ganz anderes verlangen als ihr Glaube? Kann sie auf der Kirchenfreizeit wirklich eine Antwort auf diese Frage finden?

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Komödie der leisen Töne

Dass Sex und Religion in manchen Ländern der Erde immer noch problematisch zusammenzuführen sind, ist keine Neuigkeit. Gerade in den frömmsten Gebieten der USA ist die Zahl der ungewollt schwangeren jungen Mädchen im Landesvergleich mit Abstand am höchsten. In einer Umgebung, wo genau das passieren kann, spielt "Yes, God, Yes". Und der Film macht auch mehr als deutlich, warum. Dabei unterscheidet er sich aber von anderen, thematisch ähnlichen Filmen der vergangenen Jahre wie beispielsweise "Der verlorene Sohn", in dem es um Religion und Homosexualität geht. Denn "Yes, God, Yes" ist tatsächlich im Kern eine Komödie, die das schwierige Thema angenehm leicht angeht.

So schießt Regisseurin und Drehbuchautorin Maine nicht mit Kanonen auf die Kirche, sondern entlarvt die Bigotterie der Kleinstadt in kurzen Momenten. Ob die Lehrerin in der Schule die Rocklänge der Mädchen nachmisst, oder der Pfarrer im Unterricht statt der Blumen und der Bienen einen Vergleich mit Haushaltsgeräten präsentiert: Die Absurdität mancher Regeln kommt in dieser leisen, nicht aggressiven Art des Erzählens ganz ausgezeichnet zur Geltung. Ebenso wie die Tatsache, dass sich sexuelles Erwachen und das Interesse am eigenen und am fremden Körper sich nicht wegbeten oder verbieten lassen.

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Alle Last liegt auf Dyer

Natalia Dyer ist aber diejenige, die den ganzen Film trägt, da sie in jeder Szene zu sehen ist. Und mit ihrem schmalen Gesicht und ihren großen Rehaugen ist sie prädestiniert für die Rolle der scheuen, aber kämpferischen Alice, die sich nicht länger in einer starren Gesellschaftsordnung einsperren lassen will und nach Fluchtmöglichkeiten sucht. Zudem nimmt man ihr das 16-jährige Mädchen problemlos ab, obwohl sie zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 23 war. Als Alice beweist sie die These, dass stille Wasser tief sind, denn sie merkt schnell, dass die Erwachsenen häufig nicht das leben, was sie den Jugendlichen predigen. 

Trotz des eigentlich deprimierenden Themas wird "Yes, God, Yes" aber nie bitter. Stattdessen zeigt der Film den passiven Widerstand in einer jungen Frau, die sich weitgehend allein aus der sexuellen Verwirrung befreien und ihren eigenen Weg finden kann, als hintersinnige Reise ohne große Schenkelklopfer, aber immer wieder mit witzigen Momenten. Ganz ohne Slapstick-Einlagen oder grob konstruierte Szenen erzählt Karen Maine ihre Story und ihr gelingen dabei einige wundervolle Momente. Länger als die 77 Minuten Laufzeit hätte der Film allerdings auch nicht sein dürfen. Zwar füllt Karen Maine diese Zeit noch ordentlich, schrammt aber hin und wieder schon an der Langeweile.

Yes God Yes

Fazit:

"Yes, God, Yes" ist ein kleiner Film, der überraschend gelassen und unterhaltsam mit einem schweren Thema umgeht: dem sexuellen Erwachen in einer von Dogmen und Regeln geprägten Umgebung. Natalie Dyer spielt die Hauptfigur wunderbar und nimmt das Publikum mit auf ihrer Reise, sich trotz ihrer religiösen Überzeugung einen Platz zu schaffen, in dem sie neben einer Gläubigen auch eine junge Frau mit Bedürfnissen sein kann. Gerade weil Regisseurin und Drehbuchautorin Karen Maine es nicht auf Holzhammer-Humor anlegt, entwickeln sich aus der Story ein paar ungeheuer witzige Momente.

Yes, God, Yes - Böse Mädchen beichten nicht läuft ab dem 18. Januar 2021 bei Amazon Prime und erscheint am 5. Februar auf DVD und Blu-Ray.

Wertung

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