Zack Snyder's Justice League: Kann sich das Vier-Stunden-Epos sehen lassen?

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Als sich Zack Snyder aufmachte, mit Justice League sein bislang ehrgeizigstes Projekt für DC/Warner umzusetzen, stand das unter keinem guten Stern. Sein vorheriger Film Batman vs Superman war zwar an den Kinokassen erfolgreich, aber die meisten Kritiker und Zuschauer mochten den Film nicht. Und so sollte Justice League nach den Wünschen des Studios nicht nur heller und witziger sein, sondern auch nicht länger als zwei Stunden laufen. Weil nichts davon für die Snyder-Version zutraf und der Regisseur aufgrund einer persönlichen Tragödie vom Projekt zurücktrat, drehte Joss Whedon den Film zu Ende – mit mäßigem Erfolg. Nun ist also endlich Snyders Version zu sehen. Hat die Welt den gebraucht?

Zack Snyders Justice League  @Warner Media

Steppenwolf will für seinen Meister Darkseid die Erde erobern.

Die Handlung

Superman ist tot, er fiel im Kampf gegen Doomsday. Aber die Erde ist deshalb nicht außer Gefahr – ganz im Gegenteil. Zuerst werden die Amazonen auf ihrer geheimen Insel überfallen, Steppenwolf, ein Diener des ultimativ bösen Herrschers Darkseid, sucht nach der Mutterbox, einer lebendigen Maschine. Es gibt drei davon, die nach dem Sieg gegen Darkseid vor vielen tausend Jahren aufgeteilt wurden. Eine ging an die Amazonen, eine wurde von den Atlantiern versteckt, die dritte kam in die Obhut der Menschheit. Nun will Steppenwolf die drei wieder zusammenfügen, um daraus eine weltenvernichtende Waffe zu machen. Die Amazonen können den mächtigen Krieger nicht aufhalten.

Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman sieht die Gefahr kommen und weiß, dass er allein nichts gegen solche Mächte ausrichten kann. Daher nimmt er Kontakt zu anderen Metawesen auf, nachdem ihm Diana Prince (Gal Gadot) alias Wonder Woman schon zur Seite steht. Er findet den blitzschnellen Barry Allen (Ezra Miller) und den Halb-Atlanter Arthur (Jason Momoa), Diana spricht mit dem geheimnisvollen Cyborg (Ray Fisher), der mit einer der Mutterboxen offenbar in enger Verbindung steht. Doch auch gemeinsam können sie gegen Steppenwolf und seine Para-Dämonen kaum bestehen. Sie brauchen Superman, aber der ist bekanntlich tot. Oder doch nicht?

Zack Snyders Justice League  @Warner Media

Deshalb versucht Bruce Wayne, ein Team aus Metawesen zusammenzustellen, das die Erde verteidigen kann.

Typisch Zack Snyder

Fans von Zack Snyder können aufatmen. All das, was seine vorherigen DC-Filme ausmachte, findet sich auch in seiner Version von Justice League. Humor ist erneut Mangelware, Snyder erzählt seine Comic-Story mit dem Ernst einer Shakespeare-Verfilmung. Dazu ist der Film sehr lang. In dieser vierstündigen Version hätte Warner den sicherlich nie in die Kinos gebracht, daher sollte die Dankbarkeit der Fans HBO Max gelten, die es möglich gemacht haben, dass Zack Snyder's Justice League nun doch noch an die Öffentlichkeit gelangt. Ob es diese Version nun aber gebraucht hätte, daran werden sich sicher die Geister scheiden. Denn Snyders Filme polarisieren – dieser bildet keine Ausnahme.

Sein Film weist die Stärken und Schwächen auf, die man von ihm kennt. Die Ernsthaftigkeit und deutlich höhere Brutalität seines Cuts verleiht den Action-Sequenzen eine Wucht, mit der die Whedon-Version nicht aufwarten kann. Die Kämpfe wirken epischer, härter, gefährlicher. Der ausgewiesene Action-Spezialist Snyder hüllt das auch in starke Bilder, die die Fans von ihm gewohnt sind. Zwar sind hier keine komplett neuen Kampfszenen zu sehen, einige sind aber deutlich länger als in der Kino-Version. Und der neue Steppenwolf in seiner Metall-Rüstung wirkt noch etwas bedrohlicher als bei Whedon. Und auch dessen Meister gibt es nun erstmals zu sehen – Darkseid.

Zack Snyders Justice League  @Warner Media

Eine Schlüsselrolle spielt dabei Cyborg, der zu den auf der Erde versteckten Mutterboxen eine besondere Beziehung hat.

Mehr Tiefe, mehr Story

Snyder teilt seinen Cut in sechs Teile und einen Epilog auf und füllt die Zeit zu großen Teilen mit Szenen, die der Geschichte mehr Tiefe verleihen und die einzelnen Figuren ausführlicher und besser vorstellt. So bekommt Barry Allen eine zehnminütige Sequenz zur Einführung des Charakters, die ihn als einen der wenigen nicht gänzlich ernsten Charaktere zeigt. Auch Cyborgs Vergangenheit und die komplizierte Beziehung zu seinem Vater, der ihn einst rettete und dabei zum Cyborg machte, steht im neuen Cut stärker im Fokus und ist entsprechend länger erzählt. Zudem erhält Jeremy Irons als Butler Alfred dankenswerterweise ein wenig mehr Screen-Time, denn dessen grummeilge One-Liner sind meist großartig.

Während sie der finale Kampf deutlich kürzer anfühlt als in der Version von Joss Whedon, hängt Snyder dafür aber einen fast halbstündigen Epilog an, in dem er einen Ausblick auf all die von ihm geplanten Filme gibt – die sehr wahrscheinlich nie kommen werden, zumindest hat Warner zurzeit alle Pläne auf Eis gelegt. Echte Fans des Regisseurs dürften diese Szenen daher auch sehr melancholisch stimmen. Als kleinen Trost gibt es dafür im Snyder-Cut neue Helden zu sehen, die es nicht ins Kino geschafft haben, hier aber nicht verraten werden. Snyders Vision eines DCEU wie bei Marvel, aber deutlich ernster und düsterer, ist in seinem Opus Magnum jedenfalls in jeder Sekunde spürbar.

Zack Snyders Justice League  @Warner Media

Das Team geht ein großes Risiko ein, um eine wichtige Verstärkung zu gewinnen.

Ist Zack Snyders Justice League nun also die bessere Version des Films? Das muss ich als Marvel- und Whedon-Fan klar bejahen. Snyders Cut wirkt wie aus einem Guss und trotz der Tatsache, dass er natürlich viel zu lang ist, nicht wie ein Vier-Stunden-Film. Das Tempo ist gut, die ruhigen Momente wechseln sich homogen mit den Action-Sequenzen ab und Snyder erzählt hier schlicht eine deutlich größere Story als Whedon in seiner Version. Lediglich die Effekte sind nicht alle überzeugend, hier hat selbst die großzügige Summe von HBO Max nicht gereicht, um alle Szenen auf Kino-Niveau zu bringen. Das stört den sonst guten Eindruck letztlich aber kaum.

Fazit:

Zack Snyder's Justice League zeigt, dass der Regisseur durchaus weiß, was er tut, auch wenn er vor allem im sehr mäßigen Batman vs Superman klar übers Ziel hinausgeschossen ist. Hier erzählt er in epischer Länge eine deutlich bessere Story, lässt seine Figuren zum Leben erwachen und nimmt sich sehr viel Zeit, um seine Handlung mit mehr Charakterisierung zu unterfüttern. Wer nicht auf Comic-Verfilmungen steht, wird hier zwar dennoch nicht glücklich, aber Fans des Genres, denen Marvel schon immer zu witzig und bunt war, kommen mit dieser epischen Vier-Stunden-Umsetzung voll auf ihre Kosten. Der dritte Versuch von Snyder, dem DC-Universum Leben einzuhauchen, ist klar der beste.

Zack Snyder's Justice League ist ab dem 18. März 2021 exklusiv bei Sky zu sehen, im Mai folgen Versionen fürs Heimkino.

Zack Snyders Justice League  @Warner Media

Denn erst in voller Stärke ist die Justice League mächtig genug, um Steppenwolf aufzuhalten.

Wertung

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