Die 10 besten Konzertfilme

Oft verkannt, und doch rocken sie: Konzertfilme. Sie machen Konzerte unsterblich und lassen sie uns immer wieder erleben. Das sind die 10 besten …  | Spiele.de
Oft verkannt, und doch rocken sie: Konzertfilme. Sie machen Konzerte unsterblich und lassen sie uns immer wieder erleben. Das sind die 10 besten …
Springe zu...
TEILEN

Konzertfilme sind eine verkannte Filmgattung: Fans freuen sich zwar über die Verewigung eines starken Auftritts, doch wer nicht gerade Tour XY von Sänger ABC miterlebt hat und immer wieder neu erleben will, fällt zumeist prompt raus aus der Zielgruppe. Aber es gibt sie: Konzertfilme, die so gelungen sind, so sehenswert, so klanggewaltig, dass sie weit über den Status eines Toursouvenirs hinauswachsen.

Zehn dieser herausragenden Konzertfilme haben wir hier für euch zusammengestellt: Von popkulturellen Zeitdokumenten reichen sie bis hin zu Einblicken in faszinierende Karriereabschnitte einflussreicher Bands. Von dramatisch bis kunstvoll, von pompös bis schlicht. Los geht es mit … 

Nirvana

10) Nirvana: Live at the Paramount

In der Halloween-Nacht 1991, rund einen Monat nach Veröffentlichung des Albums „Nevermind“, spielte Nirvana im Paramount Theatre in ihrer Heimatstadt Seattle. Der Konzertfilm Nirvana: Live at the Paramount * fängt die Grunge-Pioniere genau in dem Moment ein, in dem sie sich auf der Höhe ihrer akustischen Power befanden, aber noch bevor sie zu Superstars wurden. Es ist ein faszinierender Zwischenschritt im Werdegang Nirvanas. Gefilmt mit 16mm-Kameras, bringt dieser erst 2011 veröffentlichte Konzertfilm die Stimmung des Nirvana-Sounds auch visuell hervorragend rüber – und inszenatorisch ist dies ein „Mittendrin, statt nur dabei“-Konzertfilm. Das passt hier wie die Faust aufs Auge.

Pink Floyd

9) Pink Floyd: Live at Pompeii

Einer der ungewöhnlichsten Konzertfilme der Geschichte: Pink Floyd: Live at Pompeii * zeigt die Londoner Experten für Progressive Rock mit einer zünftigen Dosis Psychedelic Rock und Artrock vor komplett leeren Rängen. Regisseur Adrian Maben inszeniert Pink Floyd im leeren, 20.000 Sitzplätze aufweisenden Amphitheater Pompeiis. Einzig die Filmcrew und (in manchen Einstellungen) ein paar Kinder, die sich unerlaubt während des Drehs ins Amphitheater geschlichen haben, schauen der Band beim Musizieren zu. Und dann sind da natürlich die atmosphärischen Aufnahmen der vor Jahrhunderten von einer Vulkanexplosion zerstörten Ruinen … Kunstvoll, dezent schaurig und visuell einnehmend, hat „Live at Pompeii“ die Chance, selbst Pink-Floyd-Zweifler abzuholen. Achtung: Den Film gibt es in mehreren Schnittfassungen, von denen einige das Material künstlich mit Studioaufnahmen strecken. Das purste, stimmungsvollste Erlebnis bietet aber die kürzere Originalfassung, die bei späteren Veröffentlichung in den Untiefen des Menüs versteckt wurde.

Hans Zimmer

8) Hans Zimmer: Live in Prague

Hans Zimmer ist einer der berühmtesten und gefragtesten Filmmusikkomponisten unserer Zeit: Der Kopf hinter den unvergesslichen Scores zu Filmen wie „The Dark Knight“, „Der König der Löwen“, „Inception“, der „Pirates of the Caribbean“-Saga, „True Romance“ oder auch „Madagascar“ sorgte bereits für unzählige Ohrwürmer – und litt nach eigenen Aussagen lange unter großem Lampenfieber, weshalb Premierenkonzerte für ihn lange einer Qual glichen. Aus „therapeutischen“ Gründen beschloss er, dem zu entgegnen und auf Livetour zu gehen. Die machte Zimmer endgültig zum Rockstar unter den Filmkomponisten:

Zimmer arrangierte seine Filmmusikklassiker (und einige Stücke, an denen er und seine Crew Freude haben, selbst wenn sie weniger populär sind) für die Tour markanter, wuchtiger um. Hinzu kommt eine sehr knallige, kantige Lichtshow, womit dieser Filmmusikabend zu einem lauten, aufregenden Rockshowerlebnis werden sollte. Regisseur Tim van Someren nahm sich vor, mit dem Konzertfilm Hans Zimmer: Live in Prague * „die Essenz der Liveshow“ einzufangen: Amüsierende Blicke innerhalb der Band, wie das Publikum mitgeht und wie die Lichtshow die Stücke interpretiert. Es ist ihm gelungen: Man lernt aufgrund der non-verbalen Interaktion die Musiker:innen ein Stück weit kennen, und wird dennoch zugleich ins Auditorium versetzt, das Zimmer & Co. quasi überwältigen. 

Rammstein

7) Rammstein: Paris

Rammstein-Konzerte sind wahrhaftige Spektakel: Lindemann, Kruspe, Landers, Riedel, Schneider und „Flake“ zünden bei ihren Auftritten stets (wortwörtlich!) ein minutiös geplantes Feuerwerk ab. Dass die Neue-Deutsche-Härte-Band bereits fünf Konzertfilme gewidmet bekam, überrascht daher kein Stück: Die Attacke aus lautem Sound, durchdachtem Lichtdesign, Stunts und viel, viel Feuer gehört für die Nachwelt festgehalten – und für all jene, die sich kein Rammstein-Ticket leisten konnten. Darüber hinaus ist es eine künstlerische Herausforderung, dem Spektakel gerecht zu werden, das Rammstein so abfackeln. Der bisher jüngste Versuch ist zugleich der mitreißendste: Musikvideospezialist Jonas Åkerlund filmte am 6. und 7. März 2012 zwei Paris-Konzerte Rammsteins und eine Generalprobe mit 30 Kameras in 70 Positionen – und ließ sich für den Schnitt über zwei Jahre Zeit. Das Ergebnis ist ein gewagter Spagat aus „Mittendrin, statt nur dabei“, Einfangen der Atmosphäre, Liveauftritt-Musikvideo und Interpretation der Stimmung vor Ort, gepaart mit einer extrem wuchtigen Soundabmischung. So wird Rammstein: Paris * zu einem harten, scheppernden Rausch, wie er Rammstein gebührt.

Queen

6) Queen – We Will Rock You

Am 24. und 25. November 1981 traten Queen im Montreal Forum auf – und lieferten eine ihrer legendärsten Performances hin. Neben Stadionrock-Klassikern wie „We Will Rock You“ und „We Are the Champions“ sowie dem Queen-Geniestreich „Bohemian Rhapsody“ zählte auch das Elvis-Cover „Jailouse Rock“ zur Setlist. Ursprünglich als „Queen – We Will Rock You“ ins Kino entlassen, ist der auf 35mm-Material gebannte Konzertfilm nunmehr besser bekannt als Queen: Rock Montreal *. Die DVDs und Blu-rays unter diesem Titel bieten eine neue Tonabmischung, womit sie sich von den schlecht produzierten, frühen DVDs des Films abheben. Filmisch ist dieser Queen-Konzertmitschnitt zwar vergleichsweise gewöhnlich, jedoch muss er dahingehend auch gar nicht viel bieten. Denn Freddy Mercury zeigt sich hier in all seiner Rockentertainer-Größe und füllt den Film praktisch im Alleingang mit Rockexzellenz.

The T.A.M.I. Show

5) The T.A.M.I. Show

„The T.A.M.I. Show“ ist zwar nicht der erste Rock-Konzertfilm, wohl aber der erste einflussreiche. Dieses Juwel aus dem Jahr 1962 ist ein Zeitdokument – es fängt eine unverbrauchte, entfesselte Begeisterung für Rock 'n' Roll und R&B ein, es zeigt ein sensationelles Line-up an Künstlern (u.a. The Beach Boys, Chuck Berry, James Brown, Marvi Gaye und The Rolling Stones), und es lässt uns daran teilhaben, wie sich diese Talente beeinflussen: James Brown gibt eine elektrisierende Performance ab, durch seine Stimmgewalt und seine athletischen Moves verzaubert er völlig das Publikum – und dann sehen sich die Rolling Stones, die hier in einem Zwischenschritt von berühmt zu Superstars gezeigt werden, gezwungen, als nächster Act damit mitzuhalten. Böse Zungen behaupten, dass es die zwei T.A.M.I.-Show-Drehabende waren, die Mick Jagger dazu brachten, sich fortan auf der Bühne so gelenkig zu zeigen, im Versuch, Brown nachzuahmen. 

So oder so: Die Library of Congress der USA wählte The T.A.M.I. Show * zu einem kulturell wertvollen, daher erhaltenswerten Film – und alle Fans des 60er-Sounds (und alle, die schlicht musikhistorisches Interesse haben) sollten ihn sich anschauen. Schade, dass er nur als Region-A-Blu-ray erhältlich ist.

Woodstock

4) Woodstock

Im August 1969 versammelten sich rund 400.000 Hippies auf einem Feld bei Bethel, New York, und verbrachten ein Wochenende voller Musik und Drogen. Auf dem Festival, das seither von der Politik verteufelt sowie romantisiert wurde, und das ebenso sehr ideologisch aufgeladen wie kommerziell ausgebeutet wurde, traten unter anderem The Who, Joe Cocker, Jefferson Airplane, Santana und Jimi Hendrix auf. Doch das Drumherum abseits der Bühne ist ebenso bedeutend wie das Geschehen auf ihr. Regisseur Michael Wadleigh und seine siebenköpfige Schnitt-Truppe (darunter Martin Scorsese und seine Stamm-Cutterin Thelma Schoonmaker) wühlten sich durch 120 Stunden Filmmaterial, um das Festival in seiner Gesamtheit widerzuspiegeln. Entstanden sind 185 Minuten voller unvergesslichen Rock-Performances, Counterculture-Bilder, die um die Welt gingen, und ein Film, der für immer festhält, wie eine Generation realisiert, gesamtkulturellen Einfluss zu haben. Auch wenn sich dies rasch ändern sollte, der Konzertfilm Woodstock * bleibt ein Meilenstein.

Rolling Stones

3) Gimme Shelter

„Woodstock“ und Gimme Shelter * ergeben ein Double Feature, das seinesgleichen sucht, symbolisieren sie doch zwei Seiten einer Medaille. Zeigt „Woodstock“ den hoffnungsvollen Zenit von etwas, das noch so viel größer hätte sein können, so ist „Gimme Shelter“ die erschütternde Dokumentation dessen, wie die optimistischen Möglichkeiten der US-Counterculture im Keim erstickt wurden. Das Regie-Team Albert Maysles, David Maysles und Charlotte Zwerin folgt in „Gimme Shelter“ den Rolling Stones bei ihrer USA-Tour im Jahr 1969. Gezeigt werden bestechende Darbietungen von Songs wie „Jumpin' Jack Flash“ oder „(I Can't Get No) Satisfaction“ und Auftritte von Ike & Tina Turner, Jefferson Airplane und den Flying Burrito Brothers. 

Doch vor allem ist dies ein filmisches Essay über wohlhabende Briten, die vom Klang und der Kultur gesellschaftlich benachteiligter Amerikaner beeindruckt sind – und davon, wie 1969 die Stimmung im Land zu kippen droht. Bis sich alles am 6. Dezember 1969 tragisch entlädt: Bei einem Konzert am Altamont Speedway werden die Hells Angels als Security eingesetzt. Die Konzert-Organisation ist grauenvoll. Weite Teile des Publikums sind schwer betrunken oder unter härteren Drogen, die Anspannungen unter allen Anwesenden sind überdeutlich – und was erst mit Prügeleien und auf die Bühne drängenden Fans beginnt, endet letztlich mit dem Tod eines Zuschauers. Konzertfilme können schwerlich tragischer als „Gimme Shelter“ werden – aber sie können auch schwerlich aussagekräftiger über die Zeit sein, zu der sie entstanden sind.

The Band

2) The Band – The Last Waltz

Einige Filmschaffende sollten später den Anfang von The Last Waltz * (in Deutschland auch als „The Band“ bekannt) kopieren: Noch bevor eine einzige Note gespielt wird, warnt ein Disclaimer: „This Film should be played loud!“ Was folgt, ist eine große, letzte Verneigung vor der schlicht The Band genannten Musikertruppe, die einst als Levon and the Hawks Canadian Squires begonnen hat. Thanksgiving 1976 im Winterland Ballroom in San Francisco abgehalten, ist dieser letzte Walzer das Abschiedskonzert der US-amerikanisch/kanadischen Musikkombo, die sich zum großen Abschluss Gaststars wie Muddy Waters, Eric Clapton, Joni Mitchell und Neil Young eingeladen hat.

Ergänzend zum von Regisseur Martin Scorsese atemberaubend schön eingefangenen Konzertgeschehen bieten Szenen hinter den Kulissen und Interviews zusätzliche Einblicke in die Bandgeschichte und die Entwicklungen in der Musikbranche, die während des The-Band-Daseins eingetreten sind. Dass Scorsese seinem Freund Robbie Robertson die meiste Filmlaufzeit widmet, und den Rest der Band hinten anstellt, sollte ein wiederholter Kritikpunkt in der Rezeption von „The Last Waltz“ werden. Und dennoch spielt dieser Film stets ganz weit vorne mit, wenn nach den besten Konzertfilmen gesucht wird. Kein Wunder: Dieses audiovisuelle Erlebnis ist eine würdevolle, abschließende Feier eines Acts, dem es gelang, zu gehen, wenn es am schönsten ist.

Talking Heads

1) Stop Making Sense

Überaus kunstvoll und mit stilsicherer Hand inszeniert von „Das Schweigen der Lämmer“- und „Philadelphia“-Regisseur Jonathan Demme, ist dieser Talking-Heads-Konzertfilm so etwas wie der Arthouse-Blockbuster unter den Konzertfilmen: Demme entwickelte für den Film, der an drei Abenden während einer Promotour 1983 gedreht wurde, eine ganz eigene Dramaturgie. Die Bandmitglieder werden nach und nach enthüllt, Demme wählt das Bildmaterial sehr bewusst aus und zeichnet so jedes der Bandmitglieder als ganz eigenen Charakterkopf. So entsteht parallel zur Setlist, die unter anderem „Psycho Killer“ und „Once in a Lifetime“ umfasst, ein eigenes Narrativ rund um diese Ensemblemitglieder. Das Publikum wiederum spielt fast bis zum Schluss keine Rolle. 

Demme will uns nicht ins Publikum während dieser Tour versetzen, sondern zu einem stillen Bandmitglied machen. Er und Kameramann Hordan Cronenwerth („Blade Runner“) sowie Talking-Heads-Frontmann David Byrne setzten auf ein reduziertes, stilvolles Bühnenbild, während ein 1,2 Millionen Dollar teures, neu für Stop Making Sense * entwickeltes Audiosystem für packende Klanggewalt sorgt. Und trotz, ach, gerade wegen der künstlerisch durchdachten Regieführung macht dieser Konzertfilm die ansteckende Lebendigkeit und Spielfreude der Band greifbar.

Die mit '*' gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links, die mit dem Partnerprogramm von Amazon verknüpft sind. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, werden wir mit einer Provision beteiligt. Dies hilft uns, unsere Inhalte kostenlos anzubieten zu können. Für euch entstehen dabei natürlich keine Mehrkosten!

Weiterlesen