25 Jahre Resident Evil: Als das Gamepad-Grauen ein Gesicht bekam

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Es gibt wohl kaum einen anderen Spielenamen, der für gepflegtes Gruseln vor dem PC oder einer Spielekonsole steht, als "Resident Evil". Das 25-jährige Jubiläum nimmt die Redaktion von spiele.de zum Anlass, die Erfolgsgeschichte der Spiele-Serie noch einmal Revue passieren zu lassen

Mit mittlerweile rund 100 Millionen verkauften Spiele-Exemplaren, zusätzlich Filmen, Comics und Büchern hat sich "Resident Evil" zu einer festen Größe in der Entertainment-Landschaft gemausert. Zu Beginn war man sich beim japanischen Hersteller Capcom allerdings extrem unsicher, ob so ein Spiel überhaupt Fans finden wird. Was dann folgte, ist ja hinlänglich bekannt.

8 Bit für den Anfang

Sweet Home @Capcom

"Sweet Home" für das NES war der eigentliche Grundstein für das nachfolgende "Resident Evil".

"Resident Evil" war nicht der wirkliche "Ursprung des Bösen". Vielmehr sollte es eine Weiterentwicklung des moderat erfolgreichen Horrorspiels "Sweet Home" aus dem Jahr 1989 für das Nintendo Entertainment System (NES) werden. Schon in der frühen Entstehungsphase von "Resident Evil", das für die Playstation ersonnen wurde, wurde den Entwicklern – nicht zuletzt aufgrund des massiven technischen Sprungs – schnell klar, dass das Spiel auch gut auf eigenen Füßen stehen könnte. Im Rückblick wohl gar keine so schlechte Idee.

1996, ein Tag im März

Resident Evil @Capcom

Auch grobe Optik und "Panzer-Steuerung" änderten nichts an dem Umstand, dass "Resident Evil" einfach große Klasse war.

Der Rathausmarkt in Hamburg, besser gesagt, ein kleiner Videospiele-Laden mit dem klangvollen Namen "ECS" an dessen Ecke. Davor rund 100 Personen, die wie hypnotisiert mit den Augen den Horizont absuchen. Für Spaziergänger muss sich ein kurioses Bild abgegeben haben, als die Menge in stürmenden Jubel ausbrach. Denn der Grund könnte auf den ersten Blick kaum profaner sein: ein brauner UPS-Wagen bog in die Straße vor ECS ein. Was die Unwissenden nicht auf der Kette hatten, war der Umstand, dass sich an Bord des Lieferfahrzeugs zahlreiche Exemplare der US-Version von "Resident Evil" befanden. 

Die johlende Meute war nach unzähligen Vorab-Berichten derart heiß auf das sagenumwobene Horror-Spiel, dass der Verkäufer größte Mühe hatte, die Verteilung in einigermaßen geregelten Bahnen ablaufen zu lassen. Endlich im Besitz des Spiels, löste sich die Menge dann auch schneller auf, als man "Resident Evil" sagen konnte. Des Abends rotierten dann die Laufwerke der umgebauten Playstations (es war damals nur mit einem Trick möglich, ein US-Spiel auf einem deutschen Gerät abzuspielen) – und wir Spieler kamen natürlich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte!

Big N mischt sich ein

Resident Evil Remake @Capcom

Besonders die Bossgegner profitierten maximal von der generalüberholten Optik auf dem Gamecube.

Wir spulen ein paar Jahre vor: Nach "Resident Evil 2" (Playstation), "Resident Evil 3: Nemesis" (Playstation) und "Resident Evil: Code Veronica" (Sega Dreamcast), entschlossen sich Capcom und Nintendo zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Das erste Ergebnis dieser vielversprechenden Kooperation war eine Neuauflage von "Resident Evil", die unter den Namen "Resident Evil Remake" im Jahr 2002 für den bunten Spielewürfel von Nintendo erschien. Eigentlich war das Spiel dann auch fast nichts anderes, als ein Wort für Wort-Zitat des Original-Spiels für die Playstation – ein paar veränderte Rätsel und Locations ausgenommen. Mit der kleinen aber sehr feinen Ausnahme, dass die Optik einen unglaublichen Sprung nach vorn gemacht hatte. 

Die vielen phantasievollen Gegner, Endbosse und Spielumgebungen mit diesem neuen Anstrich bestaunen zu können, hat damals alle Fans der Serie nahezu restlos begeistert. 2003 und 2004 folgten dann noch relativ lieblose 1:1 Umsetzungen von "Resi 2" und "Resi 3" für den Gamecube, die Krönung sollte dann das exklusiv für den Spielewürfel entwickelte "Resident Evil 0" werden. Wir wissen: Es kam alles ganz anders! Denn "Zero" war nicht gut! Erst der Nachfolger aus 2005, "Resident Evil 4", wurde dann zu einem der besten Serienvertreter aller Zeiten. Endlich hatten sich die starren Hintergründe verabschiedet, auch die Spielfigur – hier Leon S. Kennedy – war deutlich agiler unterwegs. Zusätzlich konnte "Resident Evil 4" mit der besten, abwechslungs- und einfallsreichsten Story punkten, die Spieler bis dato in einem "Resident Evil" erleben konnten. Da wundert es wenig, dass "Resident Evil 4" bei der Entwicklung des neuen "Resident Evil Village" sogar etwas mehr als Pate stand: Die Macher haben sich das Spiel noch einmal ganz genau angesehen und die besten Mechaniken gleich mit in das neue Spiel eingewoben.

Resident Evil 4 @Capcom

Der Troll-Boss mit dem Baseball-Baum war nur einer von vielen genialen Momenten in "Resident Evil 4".

Und....Action!

Resident Evil 5 @Capcom

Als digitales Vorbild für "Sheva", wurde die Schauspielerin Zoe Saldana eingescannt. Es sollte nicht ihre letzte Rolle in einem computergenerierten Werk sein.

Ein Zerwürfnis zwischen dem Serien-Erfinder Shinji Mikami und Hersteller Capcom führten dazu, dass Mikami nicht mehr Teil der Entwicklung von "Resident Evil 5" war, welches am 13. März 2009 das Licht der Spielemonitore erblickte. Im Vorfeld der Veröffentlichung ließ sich der ehemalige Chef-Entwickler zu dezent unsportlichen Kommentaren hinreissen: "Ich werde es nicht spielen, da ich es möglicherweise nicht leiden kann und weil es rein gar nicht so sein wird, wie ich mir ein solches Spiel vorstelle." Weiter sagte er: "Es würde mir nichts als Stress bereiten, aber ich denke, dass es den Spielern gefallen wird, nicht aber jemandem, der die Resident-Evil-Serie mitentwickelt hat." 

Dem Verkaufserfolg von "Resident Evil 5" tat das beleidigte Gequatsche allerdings keinen Abbruch. Besonders der neu implementierte kooperative Modus für zwei Spieler sorgte für eine höchst intensive und schweißtreibende Erfahrung. Auch das Drumherum wusste zu gefallen. Mit der Neuausrichtung und der Konzentration auf etwas mehr Action hat Capcom bei "Resident Evil 5" ein goldenes Händchen bewiesen – knapp fünf Millionen mal konnte sich das Spiel bisher verkaufen, so hatte Mikami mit dem zweiten Teil seiner Aussage also dann doch irgendwie recht. 

Phönix aus der Asche

Resident Evil 7 @Capcom

Nicht nur die fast fotorealistische Optik der RE-Engine sorgte in "Resident Evil 7" für blitzblankes Entsetzen. 

Angestachelt vom Erfolg von "Resident Evil 5", ließ sich Capcom allerdings dazu hinreissen, die Action-Schraube für "Resident Evil 6" massiv zu überdrehen. Das Ergebnis war – neben zahlreichen enttäuschten Fans – eine krude Mischung aus irgendwas, das entfernt an "Resident Evil" erinnert und einem 08/15 Actionspiel mit einem offensichtlich hohen Entwicklungsbudget. Dazu nervte die mit über 50 Stunden viel zu lange Geschichte und eine Flucht-Sequenz, die Spieler im Koop-Modus an den Rand der Verzwelflung brachte. Kurz: Das war gar nichts! 

Das sah man wohl auch bei Capcom so und beschloss für "Resident Evil 7" nicht nur den Einsatz einer brandneuen und höchst mächtigen Game-Engine, sondern einen kompletten Neustart für den Franchise. Eine der wohl besten Ideen, die ein namhafter Spieleentwickler jemals hatte, denn "Resident Evil 7", das am 24. Januar 2017 erschien, war für Fans der Reihe mehr als nur eine schnöde Genugtuung. Es war der pure Terror – und das im positivsten Sinn! Besonders im – exklusiv für die Playstation 4 verfügbaren – VR-Modus war das Zusammentreffen mit der Baker-Familie das absolute Horror-Highlight, welches die gesamte Serie bis zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte. 

Der frische Ansatz und die positive Aufnahme des neuen Teils bei langjährigen Fans und Neueinsteigern sorgte bei Capcom in der Resident-Evil-Abteilung für ein ganz neues Selbstbewusstsein. Das Ergebnis: Die Remakes von "Resident Evil 2" und "Resident Evil 3", die mit ihrer Stimmung noch am ehesten bei den nun wieder milde gestimmten Spielern punkten konnten und dank dem Einsatz der neuen RE-Engine (Reach to the Moon-Engine) in neuer Pracht erstrahlten. Im stillen Kämmerlein wurde allerdings längst an einem Nachfolger zu "Resident Evil 7" gearbeitet.

Nächster Halt: Rumänien

Resident Evil Village @Capcom

Auch Serien-Veteran Chris Redfield hat einen Auftritt in "Resident Evil 8". Woher seine Corona-Plauze kommt, ist allerdings schwer nachvollziehbar.

So ist es nun auch gar nicht mehr lange hin, bis wir "Resident Evil Village", den achten Teil der Serie, endlich in unseren gierigen Händen halten können. Bereits am 07. Mai 2021 verschlägt es euch – abermals in der Gestalt des Charakters Ethan Winters aus "Resi 7" (das erste Mal in der Geschichte von "Resident Evil", dass die gleiche Figur in zwei aufeinanderfolgenden Titeln die Hauptrolle spielt) – in das sagenumwobene Rumänien. Dort warten augenscheinlich Werwölfe, durchgeknallte Sekten-Mitglieder und eine mit über 2,90 m gigantisch große Vampir-Lady mitsamt ihrer untoten Gefolgschaft. Schon jetzt sind zahlreiche Parallelen zum Serien-Primus "Resident Evil 4" erkennbar, auch die erste Demo des Spiels macht einen ziemlich guten ersten Eindruck – vor allem auf technischer Seite. Noch vor dem Release von "Resident Evil Village" soll eine weitere Demo erscheinen, die euch mit den Kämpfen bekanntmachen soll. Da das Endergebnis aber ohne Zweifel von allerhöchster Grusel-Güte sein dürfte, bedeutet jede Demo und jeder neue Trailer massive Spoilergefahr. Das Spiel wird ja sowieso gekauft! Die Redaktion sagt schon jetzt einen Metacritic-Wert von rund 90% voraus. Wer wettet dagegen?

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