Alles über Valorant: Agenten sterben gemeinsam

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Seit über zehn Jahren feiern Riot Games mit ihrem actionreichen Multiplayer-Strategiespiel "League of Legends" weltweite Erfolge. Doch selbst die beliebtesten Computerspiele verlieren irgendwann an Reiz und Publikum, und so strecken die amerikanischen Entwickler ihre Fühler zu anderen beliebten Online-Genres aus. Beispielsweise in Richtung Multiplayer-Shooter, wo allerdings Veteranen wie "Counter-Strike", "Call of Duty", "Rainbow Six" oder "Overwatch" wenig Raum für neue Rekruten lassen. Mitte 2020 haben Riot Games dennoch mit Valorant den Schritt auf das Online-Schlachtfeld gewagt - und behaupten sich dort gar nicht mal so schlecht. Doch was zeichnet Valorant aus? Und was macht das Ego-Action-Spiel anders als die anderen? 

In Valorant kämpfen zwei Teams à fünf Leute gegeneinander.

 

Konzentration auf Charaktere 

Einen breiten Story-Hintergrund darf man sich hier nicht erwarten - Valorant ist ein reiner Mehrspieler-Shooter. Eine Kampagne, in der man böse Mächte besiegt und die Welt rettet, gibt es nicht. Dennoch ist das Setting fantasievoll und
atmosphärisch. Die Spieler werden in eine nahe Zukunft entführt, wo sie in der Rolle eines sogenannten Agenten auf Seiten eines Fünferteams gegen ein anderes Fünferteam antreten. Und diese Agenten sind es, die dem Spiel seinen eigenen Charakter verleihen: Die aktuell 13 Figuren stammen aus allen Teilen der Welt, und sie unterscheiden sich nicht nur deutlich in ihrer Optik, sondern auch in ihren Spezialfähigkeiten, die jeweils mit einer illustren Biographie begründet werden. 

Valorant-Reckin Viper spuckt Gift und Blei.

Da ist zum Beispiel die durchtriebene US-amerikanische Chemikerin Viper, die ihre Gegner mit Giftwolken und Säurepfützen traktiert. Oder die nerdige deutsche Erfinderin Killjoy, die kleine Roboter und Geschütztürme an ihrer Seite kämpfen lässt. Oder der mysteriöse marokkanische Hacker Cypher, der Fallen auslegt und gegnerische Positionen ausspäht. Je vier oft sehr unterschiedliche Spezialfähigkeiten besitzt jeder Charakter: Eine Basisfähigkeit, die von vornherein vorhanden ist und sich mit der Zeit auflädt, eine ultimative Aktion, die sich durch Erfolge im Spiel und verstreute Energiekugeln freischalten lässt, und zwei Fähigkeiten, die zwischen den Runden eingekauft werden.  

Feuerkraft im Angebot 

Eingekauft? Richtig, ähnlich wie beim Klassiker "Counter-Strike" erscheint vor Beginn jeder Runde ein übersichtlicher Shop-Bildschirm, in dem durch Kämpfen verdientes Geld ausgegeben wird. Das Start-Budget einer Partie ist spartanisch, weshalb der erste Schusswechsel nur mit Pistolen stattfindet. Ab Runde 2 wird dann aber fröhlich in MPs, Sturmgewehre, Scharfschützenwaffen, Schrotflinten oder schweres Gerät investiert. Daneben darf für bare Münze auch ein Körperpanzer angelegt werden, der die Überlebenschancen dezent steigert, gegen gut gezielte Kopftreffer aber nichts auszurichten vermag. 

Das Angreifer-Team in Valorant muss eine Bombe beim Gegner platzieren.

Obwohl nämlich die Beherrschung der Spezialfähigkeiten und ihr überlegter Einsatz im Team über Sieg und Niederlage mitentscheiden, sind es doch Zielgenauigkeit und taktisches Gespür, die den erfolgreichen Valorant-Agenten zuvorderst ausmachen. In bislang vier übersichtlichen Schauplätzen stehen sich die Teams gegenüber, abwechselnd als Angreifer und Verteidiger, die entweder eine Spike genannte Bombe in einem von zwei bzw. drei Zielbereichen platzieren oder diese entschärfen. Gelingt dies oder laufen die 100 Spielsekunden ohne Detonation ab, siegen die Verteidiger. 

Häufig endet die Runde aber schon viel früher, wenn ein Team sämtliche Mitstreiter verloren hat. Pro Runde gibt es (sieht man von einer möglichen Wiederbelebung durch Heilerin Sage ab) nur ein Leben - ist es ausgehaucht, guckt der Spieler durch die Augen eines übrig gebliebenen Kameraden und wartet gespannt auf das Ende der Runde. 

Flotter Zeitfresser 

Dank schnörkel- und makelloser Steuerung kommt man bei Valorant sofort ins Geschehen, ein schneller Shooter für zwischendurch ist das Spiel aber nicht. Zum einen dauern die Gefechte im Hauptmodus, der nach 20 ungewerteten Partien auch für den Aufstieg in einer Rangliste gespielt werden kann, gerne mal eine halbe Stunde oder mehr - schließlich müssen 13 Runden gewonnen werden, um als Siegerteam hervorzugehen. Zum anderen führt der Kampf in zufällig zusammengewürfelten Gruppen nicht selten zu Frust - die hervorragende Funktion des eingebauten Sprach- und Textchats garantiert nicht automatisch, dass dringend nötige Absprachen getroffen werden.  

Valorant ist ein beliebter eSports-Titel.

Wer dauerhaft Spaß mit Valorant haben will, geht also ein bisschen ernsthafter an die Sache heran, organisiert sich mit Freunden in Teams, in denen es fest zugewiesene Rollen und Charaktere gibt, wo Taktiken entwickelt und optimiert werden und sich die Spieler gegenseitig mit ihren individuellen Fähigkeiten unterstützen. Wenn die Kollegen mal keine Zeit haben, sorgen zwei weitere Spielmodi für einen kurzweiligen Ballersnack oder erlauben das Ausprobieren einzelner Agenten: Bei "Spike Rush" haben alle Spieler dieselbe zufällige Waffe und alle Angreifer eine Bombe, und die Partie endet mit vier Siegen. "Deathmatch" ist ein klassisches Jeder-gegen-Jeden, die Fähigkeiten sind allerdings abgeschaltet, so dass hier
vornehmlich Bewegung und Zielvermögen trainiert wird. 

Jede Valorant-Saison darf ein Battlepass erworben werden, der feine Belohnungen verspricht.

Können ist wichtiger als Geld 

Dass es in der Zukunft weitere Spielvarianten geben wird, ist so gut wie sicher: Riot Games wollen ihren Taktik-Shooter frisch halten und werden in den kommenden Monaten Modi, Karten und vor allem neue Agenten liefern. Als klassischer Free-to-Play-Titel kostet Valorant erstmal überhaupt nichts, die Entwickler wollen aber natürlich an ihrem Werk verdienen. Charaktere und Waffenlackierungen lassen sich zwar auch freispielen, der Shop im Spiel bietet für bare Münze jedoch Zeitersparnis beim Rekrutieren neuer Agenten, allerlei kosmetischen Krimskrams und einen "Battlepass", dank dem sich bessere Belohnungen erspielen lassen. Letztlich ist das Bezahlmodell von Valorant bislang aber fair: Man muss kein Geld ausgeben, um besser spielen zu können oder größere Siegchancen zu haben, und man wird auch nicht an allen Ecken und Enden zum Kauf von Spielwährung animiert.  

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