Das Geheimnis des Erfolgs: Counter-Strike Global Offensive

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Ende 1998 erschien mit "Half-Life" ein Ego-Shooter-Abenteuer, das nicht nur bis heute als eines der besten Spiele aller Zeiten betrachtet wird. Es war auch der Debüttitel des US-Studios Valve, das einige Jahre später mit der PC-Spiele-Downloadplattform Steam marktbeherrschend werden sollte. Dass Steam überhaupt erdacht wurde, ist wiederum einer Modifikation von Half-Life zu verdanken - einer Abwandlung des Spiels, die von den zwei Fans Minh Le und Jess Cliffe entwickelt und 2000 offiziell veröffentlicht wurde: "Counter-Strike".

Seit dem Jahr 2000 schickt Counter-Strike je fünf Spieler gegeneinander ins Gefecht.

Diese Multiplayer-Mod auf Basis der Half-Life-Technik wurde nämlich bald so beliebt, dass es Valve schwerfiel, hunderttausende Fans akkurat und zeitnah mit aktuellen Patches zu versorgen - eine Plattform zum digitalen Vertrieb von Spielinhalten, zum automatisierten Aktualisieren von Games musste her: Steam war geboren. Doch was konnten gerade mal zwei Leute, die noch dazu keine professionellen Spielentwickler waren, bei Counter-Strike so viel besser machen als die vielen großen Hersteller dieser Ära, in der das Ballern aus der Ich-Perspektive zu einem der wichtigsten Spielegenres heranwuchs?

Klare Fronten

Counter-Strike und seine Weiterentwicklung "Counter-Strike Global Offensive" (kurz CS:GO), die 2012 das Erbe der Mod antrat, entwerfen ein recht klassisches Mehrspieler-Szenario. Zwei Teams à fünf Spieler werden in einer überschaubaren Kulisse aufeinander gehetzt. Die einen sind die Terroristen, die beispielsweise eine Bombe platzieren oder Geiseln bewachen müssen. Die anderen spielen die Anti-Terroreinheit, die die Bombe entschärfen oder die Geiseln retten muss. Ist das jeweilige Ziel innerhalb eines Zeitlimits von knapp zwei Minuten erledigt oder sind alle Mitglieder eines Teams ausgeschaltet, endet die Runde. Das Team, das zuerst 16 Runden für sich entscheidet, gewinnt das Spiel in seiner beliebtesten Variante - dem kompetitiven Modus.

Auch in Counter-Strike: Global Offensive spielen Terroristen gegen Anti-Terroristen.

Abseits der Einteilung in Terrorist und Anti-Terrorist (wobei die Spieler in der Mitte der Partie die Seiten wechseln) unterscheiden sich die Spielercharaktere nicht: Es gibt keine Klassen in Counter-Strike, und auch keine Erfahrungslevel oder Ränge. Welche Waffen die Spieler mit ins Gefecht nehmen, entscheiden sie selbst (und ihr virtueller Geldbeutel) in einer Kaufphase zwischen den Runden. Hier wird das durch vorherige Leistungen gefüllte Konto in Pistolen, MPs, Gewehre, eine Handvoll Granaten, eine Kevlarweste und einen Helm investiert - oder eben auch nicht, wenn man mit einem schlichten Messer vorliebnimmt, um für bessere Ausrüstung in einer späteren Runde zu sparen.

Konzentration auf Können

Und das war's auch schon. Counter-Strike zeichnet sich durch seine klaren Regeln und die schnörkellose Spielmechanik aus, die Spieler müssen sich nicht erst mit vorgegebenen Rollen oder möglichen Bonusfähigkeiten auseinandersetzen, und sie müssen auch keine endlosen Stunden in das Hochleveln ihres Kämpfers investieren. Am Anfang jeder Partie ist für Counter-Strike jeder Spieler gleich. Das bedeutet auch, dass man selbst zwanzig Jahre, nachdem der erste Schuss auf legendären Karten wie "Siege" oder "Dust" gefallen ist, immer noch neu in das Spiel einsteigen und sich seine Grundlagen relativ schnell erarbeiten kann.

Wer Geld sparen will, kämpft in Counter-Strike mit dem Messer, statt sich eine Schusswaffe zu kaufen.

Bis zur wahren Meisterschaft lassen sich dann aber unendlich viele Stunden investieren, denn wo Power-up-Glück oder Freischalt-Extras fehlen, werden die Spieler allein auf ihre Fähigkeiten reduziert - auf Reaktionsgeschwindigkeit und Zielgenauigkeit, aber auch auf strategischen Weitblick, taktisches Denken und planvolles Teamwork. Dass aus der Gameplay-Gleichung von Counter-Strike jegliche Variablen herausgenommen werden, die nicht vom Spieler kontrollierbar sind und die zu einem unverdienten Vor- oder Nachteil einer Seite führen könnten, macht die Befriedigung umso größer, wenn am Ende eines konzentrierten Gefechts der Sieg steht.

Die hohe Kunst des Zielens

Ein Counter-Strike-Sieg ist nicht nur deshalb harte Arbeit und ein Beweis des eigenen Könnens, weil jeder pro Runde nur das eine Leben hat und es keine regenerierende Gesundheit gibt. Auch die realistische Physik und Handhabung der Waffen sorgt für einen Fokus auf überlegten Einsatz und ausgiebiges Training. Im Gegensatz zum Gros der Ego-Shooter-Konkurrenz besitzen sie einen jeweils unterschiedlich starken Rückstoß, der dazu führt, dass plumpes Dauerfeuer eher die Wand hinter dem Gegner als diesen selbst durchlöchert. Kurze Feuerstöße und das geschickte Rückführen des verzogenen Laufs aufs Ziel sind gefragt. Ein weiterer Grund, warum es wichtig ist, seine Waffe gut zu kennen: Vor allem Gewehre lassen sich während des Laufens nicht gezielt abfeuern - welche Ausrüstung man jeweils kauft, hat erheblichen Einfluss auf die Kampfstrategie.

Counter-Strike ist seit zwei Jahrzehnten einer der beliebtesten eSports-Titel.

Das Augenmerk auf Können, klare Regeln und knackig-kurze Runden macht Counter-Strike auch zu einem perfekten eSports-Titel. Seit dem ersten großen internationalen Turnier im Jahr 2001, der mit 150.000 Dollar dotierten Cyberathlete Professional League Winter Championship, ist das Spiel nicht aus dem Wettkampfkalender der eSports-Ligen wegzudenken - es gibt kaum eine professionelle eSports-Organisation, die nicht auch ein Counter-Strike-Team in ihren Reihen hätte. Und um genügend Nachwuchs müssen sich die Profis auch nicht sorgen: Statt gegenüber Konkurrenten wie Overwatch oder Valorant an Attraktivität zu verlieren, wird Counter-Strike: Global Offensive ständig beliebter: Im Jahr 2020 liegt laut offiziellen Steam-Daten die durchschnittliche Zahl täglicher Spieler bei über 600.000, einstige Ausnahme-Peaks von einer Million Spieler werden aktuell jedes Wochenende erreicht.

Ab ins Gefecht

Wer jetzt Lust bekommen hat, sein Können auf die Probe zu stellen und am eigenen Leib zu erfahren, warum dieser Ego-Shooter seit zwei Jahrzehnten eine Ausnahmestellung im Spiele-Universum darstellt, der kann das ganz problem- und kostenlos tun. Seit Ende 2018 ist der Titel nämlich Free-to-Play, lässt sich ohne Investition von Steam herunterladen und ohne großartige Einschränkungen spielen. Dabei profitieren Neueinsteiger nicht nur von der großen User-Basis, die für flottes Matchmaking sorgt. Dass schon so lange an Spielbalance, Waffen und Karten gefeilt wird, garantiert auch ein optimales und maximal faires Multiplayer-Erlebnis - was für den einen oder anderen ja vielleicht eine willkommene Abwechslung zu aktuelleren Multiplayer-Shootern ist… 

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