Das Geheimnis des Erfolgs: Die Call of Duty-Reihe

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Im Herbst 2003 ruft "Call of Duty" zum ersten Mal zur Pflicht: Auf dem PC schlüpfen Spieler in die Uniformen amerikanischer, britischer und sowjetischer Soldaten, die sich an der Seite ihrer Kameraden durch intensive Missionen im 2. Weltkrieg kämpfen. Das Spiel ist etwas kurz, aber so spannend erzählt und spektakulär inszeniert, dass es auf Anhieb die Genre-Krone von der bis dahin maßgeblichen Kriegs-Shooter-Serie "Medal of Honor" übernimmt. Was gar nicht so erstaunlich ist: Das im Jahr zuvor gegründete und von Activision finanzierte Call of Duty-Studio Infinity Ward rekrutiert sich zum Großteil aus den Entwicklern der gefeierten 2002er-Medal of Honor-Episode "Allied Assault".  

Das erste Call of Duty aus dem Jahr 2003

Das Spiel fährt hohe Wertungen ein und verkauft sich gut, so dass Infinity Ward unverzüglich an einen Nachfolger gesetzt wird, der Ende 2005 erscheint. Call of Duty 2 ändert nichts an Prämisse und Perspektive (Kampf auf Seiten der Sowjets, Briten und Amerikaner im 2. Weltkrieg), inszeniert die Schlachtfelder aber noch packender und intensiver. Und wendet sich nicht mehr nur ans PC-Publikum: Als Starttitel der Xbox 360 trägt Call of Duty 2 deutlich zu den frühen Erfolgen der Microsoft-Konsole bei. Über drei Viertel der Erstkäufer holt sich das Spektakel mit dem Gerät nach Hause. 

Mit Modernität zur Marke 

Auch der dritte Teil der Reihe, der vom Activision-Studio Treyarch gefertigt wird, behandelt den 2. Weltkrieg und verkauft sich hervorragend, kommt bei der Kritik aber nicht mehr so gut an - die Spieleindustrie des frühen 21. Jahrhunderts überstrapaziert das 2.-Weltrkiegs-Szenario, die Stimmung in der Spielergemeinde kippt langsam. Was sich allerdings als Glücksfall für die Marke Call of Duty herausstellt: Infinity Ward beschließt, auf ein realistisches, aktuelles Szenario zu setzen, und das schlägt ein wie eine Bombe: "Call of Duty 4: Modern Warfare" wird mit Auszeichnungen überschüttet und zum bestverkauften Spiel des Jahres 2007. 

Mit dem vierten Call of Duty, Modern Warfare, beginnt der endgültige Siegeszug der Marke.

Modern Warfare legt das Fundament dessen, was diese Serie bis heute ausmacht: Die Kampagne, die Spieler mit einem halben Dutzend Elitesoldaten gegen radikale Kräfte im Nahen Osten und den Ex-Sowjetrepubliken antreten lässt, gewährt keine Atempause - vom heftigen Prolog bis zum furiosen Showdown ist die Story spannend und intensiv, die Action bombastisch und abwechslungsreich. Und auch der Mehrspieler-Part weist den Weg für die vielen folgenden Call of Duty-Episoden: Verschiedene Modi verlangen vielfältige Strategien, es gibt Extras wie Luftschläge oder Drohnen, die sich durch "Killstreaks" (also erfolgreiches Ausschalten mehrere Gegner hintereinander) freischalten lassen. Und es dürfen Erfahrungspunkte verdient werden, die fleißigen Spielern zusätzliche Möglichkeiten zur Individualisierung geben und für zusätzliche Spielmotivation sorgen. 

 

Das FIFA der Militär-Shooter 

Durch den Einsatz von zwei und ab der 2011er-Episode "Modern Warfare 3" sogar drei Entwicklerteams schafft es Hersteller Activision, jedes Jahr im Herbst ein neues Call of Duty auf den Markt zu bringen, das sich vornehmlich mit den Szenarien 'moderner' bzw. 'kalter Krieg' beschäftigt. Die Verpflichtung mehrerer Studios sorgt nicht nur für höhere Qualität dank längerer
Entwicklungszeit, sondern auch für einen Action-Höhepunkt, der verlässlich alle zwölf Monate erscheint und stets mehr ist als eine bloße Fortsetzung der vorangegangenen Episode.  

Was den Sportspielern ihr FIFA ist für Ego-Shooter-Recken Call of Duty: Man kann sich Jahr für Jahr darauf verlassen, dass man ein hochpoliertes, gut funktionierendes Spiel bekommt, das einen dank reichhaltiger Mehrspieleroptionen auch nach der Solo-Kampagne noch monatelang bei der Stange hält. Und man weiß, dass man in der Kampagne eine irrwitzige Achterbahnfahrt
erlebt, bei der es keine Langeweile und keinen Leerlauf gibt und die immer wieder mit spektakulären Momenten überrascht, die man sein Gamer-Leben lang nicht mehr vergisst. 

In Modern Warfare 3 fliegt der Eiffelturm in die Luft.

 

In Modern Warfare 3 (2011) verteidigen die Spieler an Bord eines trudelnden und dramatisch notlandenden Flugzeugs den russischen Präsidenten und werden später Zeuge des Einsturzes des Pariser Eiffelturms. In "Advanced Warfare" (2014) erleben sie neben einer schwer beschädigten Golden Gate Bridge einen packenden Spießrutenlauf über und durch einen gewaltigen Flugzeugträger. Und in "Call of Duty: Ghosts" (2013) werden heftige Scharmützel in der Schwerelosigkeit rund um eine Raumstation im Erdorbit ausgetragen. Die Liste der Schauplätze, Missionen, Protagonisten und Ereignisse ist lang und vielfältig, und jede Call of Duty-Episode schafft es, den Spielern irgendwann den Atem zu verschlagen, die Tränen in die Augen zu treiben oder ungläubig mit dem Kopf schütteln zu lassen. 

 

Berüchtigt und berühmt 

Manchmal ist es auch kalkulierte Empörung, die die Entwickler und Hersteller Activision mit einigen Spielszenen erzeugen wollen - am geschmacklosesten (und 2009 mit einer gewaltigen medialen Aufmerksamkeit bedacht) ist die "No Russian"-Mission in "Modern Warfare 2", bei der die Spieler undercover als Terroristen in einem Moskauer Flughafen ein Massaker anrichten können (außer in der deutschen Version des Spiels, in der Zivilistenbeschuss ein Game Over nach sich zieht).  

Battlestar Galactica-Schauspielerin Katee Sackhoff spielt eine zentrale Rolle in Call of Duty Black Ops 3.

 

Erheblich weniger plump sorgen bekannte Schauspieler, die zentralen Figuren im Spiel Aussehen, Mimik und Gestik geben, für öffentliche Aufmerksamkeit und höhere Begehrlichkeit der Marke. In Advanced Warfare spielt Kevin Spacey den Kopf eines Militärunternehmens, Game of Thrones-Star Kit Harington mimt in "Infinite Warfare" (2016) den durchgeknallten Hauptbösewicht, und auch Jeff Goldblum, Ron Perlman, Jason Statham, Katee Sackhoff oder Michael Keaton zwängen sich im Lauf der Jahre für Call of Duty in den Motion-Capturing-Anzug.  

Viel Film und viel Spiel 

Doch nachdem man sich durch die kinoreif inszenierte Hollywood-Story gekämpft und die vielen denkwürdigen Ereignisse einer aktuellen Call of Duty-Episode erlebt hat, wandert das Spiel nur selten sofort aus dem Laufwerk oder von der Festplatte. Stets liefern die Entwickler nämlich auch umfangreiche Mehrspielermodi mit, die oft noch durch spätere Download-Inhalte erweitert werden. Neben klassischen Deathmatches und allerlei Teamspielvarianten entwickeln sich im Lauf der Jahre die Zombie-Modi der "Call of Duty: Black Ops"-Episoden zu einem gern gespielten Zeitvertreib: Hier wird nicht gegeneinander, sondern im Koop mit drei Kameraden gegen endlose Wellen von Untoten ums Überleben gekämpft. 

 

Call of Duty verkauft sich Jahr für Jahr millionenfach, doch mit dem im Oktober 2019 veröffentlichten 16. Teil - "Call of Duty: Modern Warfare" - schwingt sich die Serie jüngst wieder zu neuen Höhen auf. Schon bis Ende des Jahres spielt der Titel weltweit über eine Milliarde Dollar ein, der im März 2020 gestartete kostenlose Battle Royale-Modus "Call of Duty Warzone" zählt bereits über 75 Millionen Spieler. Und auch die im Herbst letzten Jahres gestartete Smartphone-Version "Call of Duty: Mobile" verzeichnet schon über 100 Millionen aktive Touchscreen-Kämpfer.  

Call of Duty Mobile hat schon über 100 Millionen aktvie Spieler.

 

Mit großen Schauwerten, toller Spielbarkeit und motivierendem Multiplayer ist Call of Duty seit eineinhalb Jahrzehnten eine Action-Marke, auf die Verlass ist - die nichts so anders oder falsch machen kann, dass sie nicht Jahr um Jahr eine lohnenswerte Beschäftigung bieten und Millionen Fans finden würde. Call of Duty ist der James Bond unter den Videospielen - und auch der 17. Ruf zur Pflicht, "Call of Duty: Black Ops Cold War", wird uns ab Mitte November miz großer Sicherheit durchschütteln und anrühren.

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