Das Geheimnis des Erfolgs: League of Legends

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Alles begann in den frühen Nullerjahren mit dem Karteneditor des beliebten Blizzard-Titels "Warcraft 3": Ein paar Spieler entwickelten die kostenlose Modifikation "Defense of the Ancients" (kurz DOtA), in der zwei Teams ihre Fantasy-Helden aufeinanderhetzten, um die Basis des Gegners zu zerstören. DOtA begründete ein actionreiches Strategiespielprinzip, das in den Folgejahren zu einer der wichtigsten eSport-Disziplinen heranwuchs - die Multiplayer Online Battle Arena (also Mehrspieler-Online-Kampfarena), kurz MOBA. Und DOtA legte den Grundstein für die Entwicklung zweier MOBAs, die heute zu den beliebtesten Free-to-Play-Titeln gehören: Der Nachfolger "Dota 2", der von den Steam-Betreibern Valve betrieben wird. Und "League of Legends" von Riot Games, heute Teil des chinesischen Tencent-Konzerns.

League of Legends startete 2009 mit 40 Champions, darunter Schwertkämpfer Master Yi.

League of Legends wurde ab Ende 2006 von ein paar kalifornischen Indie-Spielemachern entwickelt und im Oktober 2009 als finale Version für PC veröffentlicht. Die große DOtA-Fanbasis war auf Anhieb begeistert von dem Spiel, das bis heute gratis angeboten wird und sich allein durch den Verkauf von kosmetischen Gegenständen und individuellen Spielfiguren finanziert. Bereits im Startjahr spielte League of Legends knapp 1,3 Millionen US-Dollar ein, 2011 hatte der Titel schon 15 Millionen begeisterte Spieler, die für satte 86 Millionen Dollar Umsatz sorgten. Aktuell erreicht die Zahl monatlicher League of Legends-Spieler 115 Millionen, an Spitzentagen duellieren sich 50 Millionen PC-Strategen in aller Welt.

Einfach gelernt, schwer gemeistert

Wie kommt es, dass League of Legends vom Start weg und bis heute die Massen fesselt, fast sogar Suchtpotenzial entwickelt? Zunächst einmal besitzt der Titel seit jeher eine ausgewogene Spielmechanik, die in kurzer Zeit erfasst ist, deren Feinheiten aber unheimlich viel Raum für Lernen und die Entwicklung des Spielers lassen. Der zentrale Spielmodus bzw. die üblicherweise gespielte Karte nennt sich "Kluft der Beschwörer" und besteht wie für MOBAs üblich aus zwei Spielerbasen in der linken unteren und rechten oberen Ecke, einer Waldlandschaft dazwischen (dem Dschungel) sowie drei Wegen hindurch, welche die zwei Basen verbinden - die obere, mittlere und untere "Lane". 

League of Legends hat eine typische MOBA-Map mit zwei Basen, Dschungel und drei Lanes.

Je fünf Spieler auf jeder Seite versuchen mit ihren individuellen Helden - den Champions - den Nexus in der Basis des Gegners zu zerstören. Diese zentrale Struktur schickt wellenweise vom Computer gesteuertes Fußvolk auf die Lanes und dem Feind entgegen. Zudem besitzt jede Seite Verteidigungstürme, die das eigene Territorium automatisch beschützen. Das Drumherum läuft hier also absolut verlässlich und nach klaren Regeln von selbst ab - es gibt keinen Basenbau und keine Truppen, die befehligt werden müssen. Die Spieler konzentrieren sich allein auf die eigenen Champions und das Zusammenspiel mit dem Rest des Teams.

Bei League of Legends steuern fünf Spieler pro Team je eine Heldenfigur.

Denkwürdige Helden

Diese Champions sind es auch, die ein gewaltige Vielfalt und große strategische Tiefe ins Spiel bringen. Über 150 verschiedene der fein ausgearbeiteten Helden gibt es bereits, sie alle bringen viel Individualität mit, ihre Handhabung muss aber nicht bei jeder einzelnen Figur aufs Neue erlernt werden. Alle Charaktere gehören einer von sechs Klassen an - sie sind beispielsweise Magier, die Flächenschaden verursachen oder mehrere feindliche Einheiten gleichzeitig in Schach halten können, Tanks, die viel Schaden einstecken und so ihre zarteren Kameraden schützen können, oder Schützen, die aus zweiter Reihe feuern. Jeder Champion besitzt fünf Fähigkeiten, die im Lauf der Runde freigeschaltet und aufgewertet werden können und das Geschehen auf dem Schlachtfeld noch intensiver und abwechslungsreicher machen.

Aktuell gibt es ca. 150 Champions in League of Legends.

League of Legends ist auch deswegen nach all den Jahren so motivierend, weil Riot Games dem Spiel regelmäßig neue Champions bescheren - 2009 startete man mit gerade mal 40 Helden. Was die Community ebenfalls sehr schätzt: Charaktere werden nicht einmal designt und bleiben dann durchgehend unverändert, sondern sie werden in regelmäßigen Updates austariert - die Daten, die Riot bei den Millionen täglichen Matches gewinnt, nutzt man zur unablässigen Feinjustierung der Champions. Anders wäre eine funktionierende Spielbalance bei derart vielen Spielfiguren und Team-Kombinationen wohl auch gar nicht machbar.

Faire Finanzierung

Um die Spieler nicht zu überfordern (und natürlich auch, um Geld zu verdienen), sind immer nur zehn Prozent aller Champions gratis spielbar, jede Woche wechselt zufällig das Aufgebot. Ausgesuchte Helden werden erspielt oder durch Spielwährung bzw. Echtgeld erkauft - wer also unbedingt dauerhaft einen bestimmten Charakter ins Feld führen will, muss schon mal in die Tasche greifen. 

Dennoch - und auch das ist ein Grund, warum League of Legends so viele Fans hat - ist die Monetarisierung des Spiels äußerst fair: Wer sich nicht zwingend auf eine Auswahl ganz bestimmter Charaktere fixiert und auf ein exklusives Aussehen seiner Streiter keine Wert legt, kann hunderte Stunden mit dem Spiel verbringen, ohne je einen Cent zahlen zu müssen.

Wer Champions in League of Legends dauerhaft haben will, muss sie sich erspielen oder kaufen.

Sport für Profis

Oder man macht sogar Geld durch gekonntes Spielen: Riot Games haben schon früh die eSport-Kompatibilität ihres Spiels erkannt und organisieren seit 2011 Turniere. So hat man League of Legends zu einer der wichtigsten und höchstdotierten eSport-Disziplinen unserer Zeit gemacht. Betrug das komplette Preisgeld für die erste Weltmeisterschaft noch knapp 100.000 Dollar, wurden bei den World Championships 2018 fast 6,5 Millionen US-Dollar an die Gewinner ausgeschüttet. Riot Games organisieren aber nicht nur die Ligensysteme und Wettbewerbe, sondern sponsern auch Universitätsteams in den USA und Kanada und vergeben Stipendien. 

Doch nicht nur an Wettkämpfern herrscht kein Mangel - auch die Zuschauerzahlen beweisen die anhaltende Popularität des Spiels: Die letzten Weltmeisterschaften wurden von insgesamt 100 Millionen Fans verfolgt, Abertausende Twitch-User schauen den Profis 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr über die virtuelle Schulter. Schwer vorstellbar, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas grundlegend ändern wird: Trotz der Arbeit an diversen anderen Spielen widmen Riot Games ihrem populärsten Titel bis heute die größte Aufmerksamkeit und achten penibel darauf, niemals an den Säulen des Erfolgs von League of Legends zu rütteln: der Spielmechanik, den Champions und der Free-to-Play-Finanzierung.

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