Endzone – A World Apart: Wie passt Endzeitstimmung und Aufbauspiel zusammen?

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Deutschland ist Aufbauland! Das beweist unter anderem Ubisoft immer wieder mit einer neuen Ausgabe von Anno (aktuell Anno 1800) alle paar Jahre. Aber in den vergangenen Jahren sind noch ein paar andere Spiele hinzugekommen, die sich ebenfalls mit den Tücken einer funktionierenden Wirtschaft und nicht unbedingt lebensfreundlicher Umgebung auseinandersetzen – wie etwa Surviving Mars von vom bulgarischen Haemimont Games (Tropico 3-5). Nun kommt Endzone – A World Apart vom deutschen Publisher Assemble Entertainment und den Gentlymad Studios. Wie schneidet das Survival-Aufbauspiel ab?

Endzone a world apart @Assemble

Auch die Seele braucht Nahrung! Dafür hilft ein Ort der Geselligkeit – ein Lagerfeuer.

Im Kern bekanntes Spielprinzip

Die gute Nachricht zum Start: Wer bereits Erfahrung im Umgang mit Aufbauspielen hat, findet sich in Endzone garantiert schnell zurecht, denn das Wiesbadener Studio erfindet das Rad nicht neu. Von Beginn an musst du als Spieler darauf achten, dass die wichtigsten Dinge zum Überleben in deinem neu gegründeten Lager zur Verfügung stehen: Wasser, Nahrung, Wohnraum, Schutz vor Strahlung und vieles mehr, was den Alltag deiner Einwohner (über)lebenswert macht. So weit, so einfach. Die Tücken dieses Spiels liegen im Detail. Denn wie in Civilization 6 kommen auf deine Überlebenden auch Katastrophen zu. Heftige Dürren und Sandstürme machen dir das Leben zur Hölle – genau wie giftiger Regen.

Mit gemütlichem Aufbau ist hier also nichts zu wollen, du musst ständig auf der Hut davor sein, dass die geplagte Natur grausam zuschlägt. Damit das aber nicht ganz so unfair daherkommt wie es klingt, gibt es einen Kalender, der dir einige Tage vorher bereits kommende Katastrophen voraussagt, damit du Zeit zum Reagieren hast. Spieler, die hier Spitz auf Knopf planen, könnten dennoch böse Überraschungen erleben. Denn wenn deine Nahrungsproduktion einmal zum Erliegen kommt oder das gesammelte Trinkwasser für eine Trockenperiode nicht reicht, dann war es das auch schon mit der kleinen Herrlichkeit in Apokalypse-Country.

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Sandstürme beschädigen oder zerstören Gebäude und können die Versorgung empfindlich stören.

Fairer Anstieg der Ansprüche

Kontrolliertes Wachstum ist also eine der Schlüsselaufgaben in Endzone. Wächst deine Siedlung zu schnell, erwischt die die nächste Trockenheit womöglich zu hart zum Überleben. Hast du aber zu wenig Einwohner, kommt deine Wirtschaft einfach nicht in die Gänge. Regulieren kannst du dieses Wachstum mit entsprechenden Gebäuden. In großen Zufluchten bringst du viele Überlebenden gut unter – aber näher kommen die sich in der Gemeinschaftsbaracke nicht. Erst das wenig schmucke Eigenheim für Paare bringt deine Einwohner dazu, sich ganz dolle liebzuhaben – und Kinder zu zeugen, die dann zu einsetzbaren Einwohnern heranwachsen. Zwar gibt es auch noch andere Möglichkeiten, zu mehr Siedlern zu gelangen, doch die sind so spät im Spiel, dass sie zu Beginn noch keine großer Rolle spielen.

Ist das nackte Überleben erst einmal gesichert, kommen weitere Ansprüche deiner Bevölkerung hinzu: abwechslungsreichere Nahrung zum Beispiel, die deine Leute auch gesünder hält. Oder einen Friedhof, um die Toten in Würde zu bestatten. Und schließlich auch der Wunsch nach Strom, um auch nachts arbeiten zu können und nützliche Dinge wie Licht und Bewässerung zu bekommen. Und da fangen dann die wahren Probleme deiner Karriere als Siedlungsbauer an. Wohin mit den Gebäuden? Welche Bauten haben einen negativen Einfluss auf Wohngebiete und sollten deshalb anderswo entstehen? Wer hier nicht aufpasst, baut doppelt und dreifach.

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Sieht nach wenig aus, dauert aber Stunden: Schnelles Wachstum ist hier nicht ratsam.

Umbau an der Tagesordnung

Daher dürften nur die wenigsten Spieler in der Lage sein, eine große Siedlung zu bauen, ohne zumindest gelegentlich Gebäude abzureißen und an anderer, besserer Stelle neu zu bauen. Auch wer seine Abläufe optimieren will, kommt um regelmäßiges Checken und Umbauen kaum herum. Denn je größer deine Siedlung wird, desto schwieriger wird es, die wachsenden Bedürfnisse und Wünsche deiner Einwohner noch zu erfüllen. Aber auch hier nehmen sich die Entwickler ein gutes Beispiel an den großen Aufbau-Titeln und setzen auch im Mittelspiel Akzente. Eine Schule verbessert beispielsweise die Ausbildung in Berufen und führt schneller zu Spezialisten, die in ihrem Job effizienter und damit besser sind.

Und die du auch für Expeditionen in die Umgebung benötigst, um Schätze wie neues Saatgut oder Luxusartikel wie Strahlenschutz-Anzüge zu finden. Auch neue Siedler gibt es hier manchmal zu entdecken. Zudem bringen die Expeditionen auch Abwechslung in den manchmal doch etwas eintönigen Tagesablauf aus Planung und Umsetzung neuer Gebäude und Produktionsketten. Dazu sind manche Rohstoffe wie Schrott nicht unendlich. Zwar reichen die Hinterlassenschaften vergangener Generationen lange, aber irgendwann hast du alle Metalteile deiner Umgebung eingesammelt. Und dann wird es schwer, deine Leute noch am Leben zu erhalten.

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Ein altes Atomkraftwerk: Welche Schätze liegen hier verborgen?

Kein Job für immer

Und so gibt es konsequenterweise dann auch Achievements für eine bestimmte Überlebensdauer deines Camps. Endzone ist daher auch ein Spiel für Perfektionisten, die ständig daran interessiert sind, durch kleine Änderungen ihre Prozesse zu optimieren und immer wieder ausprobieren, ob es nicht noch besser geht. Nur das verspricht eine lange Überlebenszeit für die Einwohner. Wie lange es richtig gute Spieler schaffen, ihre Leute durchzubringen, das wird die Messlatte sein, an der sich die Qualität ablesen lässt. Denn eine Story wie die meisten Anno-Spiele sie aufweisen, haben die Entwickler ihrem Spiel nicht spendiert, die Motivation der Spieler muss aus dem Survival-Gedanken kommen.

Und das ist auch einer der Schwachpunkte des Spiels: Motivation. Die Belohnung eines guten Spiels ist es, dass es weitergeht – das war es dann auch schon. Selbst kleine Einblendungen wie bei Anno 1800, dass der Spieler eine bestimmte Stadtgröße erreicht hat, fehlen hier. Das Belohnungssystem für die Spieler ist also ähnlich karg wie die Landschaft. Zwar gibt es abgeschlossene Szenarien, die spielen sich allerdings meist nicht großartig anders als das Endlosspiel. Für Anfänger eignen sie sich daher auch nicht, denn ohne Erfahrung im Spiel sind sie kaum in einer vernünftigen Zeit zu schaffen.

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Wasser! Ohne das kostbare nass in ausreichender Menge kannst du deinen Laden schnell wieder zumachen.

Braun in Braun

Auch optisch überzeugt Endzone nicht komplett. Zwar sorgt schon das Endzeit-Szenario dafür, dass du hier keine prunkvollen, glänzenden Gebäude vorfindest, aber ein wenig mehr Detailverliebtheit hätte dem Spiel schon ganz gut zu Gesicht gestanden. Stattdessen gibt es Variationen von Braun und mattem Grün, und auch die Gebäude untereinander sind zum Teil nicht sehr gut zu unterscheiden. Und auch der berühmte Wuselfaktor, den die Presse einst für Die Siedler prägte, seitdem aber für jedes Aufbauspiel nutzt, kommt in Endzone ein wenig zu kurz. Zwar kannst du deinen Leuten beim Arbeiten zusehen, aber von einem Anno mit seinen zahlreichen Animationen vom Spazieren gehen über Blumen gießen bis hin zum Teppich klopfen, ist Endzone doch ein gutes Stück entfernt. 

Dazu kommen ein paar unklare Erklärungen für Gebäude und Abläufe, Kinderkrankheiten, die auch nach knapp einem Jahr Early Access noch nicht komplett abgestellt sind. Das sind allerdings keine Faktoren, die den Spielspaß empfindlich stören würden, sondern lediglich Kleinigkeiten, über die man, wenn einem das Spiel sonst gut gefällt, auch problemlos hinwegsehen kann. 

Fazit:

Bei Endzone – A World Apart wachsen die Bäume nicht in den Himmel, dafür fehlen dem Spiel im Vergleich zu den Genre-Riesen doch einige Zutaten. Konzentriert man sich aber auf den Kern des Spiels – Aufbau gemischt mit Survival-Aspekten – dann liefert das Spiel mehr als ordentlich ab. Grafisch könnte das besser sein, auch in der Spielerführung gibt es noch Luft nach oben. Aber der Anspruch, die Schwierigkeit und die ständige Herausforderung an den Spieler sind gelungen. Hier musst du wirklich auf deine Leute achten und vorausschauend planen, wenn du überleben willst. Wenn dir das Spaß machen könnte, solltest du dir Endzone unbedingt einmal ansehen.

Endzone – A World Apart ist ab dem 18. März bei Steam für PC zu haben und kostet 23,99 Euro.

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Ohne Schutz werden deine Leute draußen im Freien nicht alt.

Wertung

pro-iconfrische Spielidee
pro-iconherausfordernder Schwierigkeitsgrad
pro-icongroßer Spaß für Optimierungs-Fans
PRO
pro-iconmäßige Grafik
pro-iconnicht alles gut erklärt
pro-iconetwas zu wenig Abwechslung für Dauerspieler
CONTRA

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