Ab ins Cockpit: Warum Flugsimulatoren derzeit boomen

Microsoft Flight Simulator hat für kräftig Furore gesorgt. Was das Spiel so besonders macht und was die Experten daran begeistert. | Spiele.de
Microsoft Flight Simulator hat für kräftig Furore gesorgt. Was das Spiel so besonders macht und was die Experten daran begeistert. © Pixabay / StockSnap
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Die Coronapandemie hat zahlreiche Branchen regelrecht lahm gelegt – dazu gehört auch der komplette Tourismusbereich und somit auch ein wesentlicher Teil des Luftverkehrs. Flugzeuge aber boomen – wenn auch nur virtuell. Es ist in diesen Monaten die Rede von einem neuerlichen Boom in der Gaming-Szene, der Flugsimulatoren betrifft; nicht zuletzt auch, weil entsprechende Spiele nun immer mehr und besser für Smartphones verfügbar sind. Flugsimulator-Apps sind derweil nur ein Teil des Hypes, der im Kern weiterhin von klassischen Spielen für den PC (oder die Xbox) ausgeht – und nicht zuletzt vom Microsoft Flight Simulator befeuert wird, jenem Franchise, das das langlebigste von Microsoft ist und es schon auf 38 Jahre bringt.

Einfach wow

Jenes Spiel hat in den vergangenen Monaten sämtliche Erwartungen übertroffen und wurde zurecht von der Fachpresse mehrfach als „Spiel des Jahres“ bezeichnet. Einige Experten überschlugen sich förmlich, attestierten, dass der Markt nichts Vergleichbares biete, sprachen von „virtueller Perfektion“ oder einem „Triumph“ für Anfänger und flugerfahrene Spieler gleichermaßen. Logisch, dass diesen Lobeshymne mehrfach die selten vergebene volle Punktzahl von 100 folgte.

Wer alle Stärken des Spiels im Detail aufzählen will, der macht sich daran, einen kleinen Roman zu verfassen. Kurz gesagt: Der Microsoft Flight Simulator (vom Asobo Studio gemeinsam mit Mircosoft in die Läden gebracht) besticht durch herausragende Grafik und eine unglaubliche Anpassungsfähigkeit. Weil man zahlreiche Flugassistenten hinzuschalten kann, ist es ein Einfaches, entweder als absoluter Anfänger oder als sogar im echten Leben flugerfahrener Pilot seinen Spaß vor dem PC zu haben. Beispiele hierfür? Beim Landeanflug etwa lotsen Assistenten den genauen Weg, etwa Landewinkel oder geben Tipps, was wann zu tun ist. 

Flugsimulator @Microsoft

Über den Wolken: Die Optik des neuen Flugsimulators von Microsoft ist grandios.

Wer etwas mehr Erfahrung hat, kann diese Assistenten einfach mal ausschalten, und schauen, wie er seinen Vogel vom Himmel wieder auf die Erde bekommt. Wer sich das Spiel holen will, sollte allerdings gute Hardware besitzen. Denn selbst auf absoluter High-End-Hardware kommt es hin und wieder zu kleineren Ladezeiten, weil eine Unmenge an Daten abgerufen werden muss. Leidenschaftliche Spieler des Genres kommen um den MFS aber keinesfalls herum. Mit Spannung wird übrigens schon jetzt der für Sommer 2021 für Xbox und PC erwartete Nachfolger herbei gesehnt. Experten erwarten, dass die Entwickler das Produkt des Vorjahres aber kaum noch werden toppen können. Freilich müssen erste Reviews noch abgewartet werden, möglicherweise kann beim Kauf aber ein Jahr ausgesetzt werden, um weitere Entwicklungen dann 2022 deutlicher zu spüren. Gerüchten zufolge arbeiten die Macher gerade unter anderem an einer realistischeren Abbildung von (Groß-)Städten und mehr Leben am Boden, etwa durch umherfahrende Züge und dergleichen. Sicherlich: Somit wird der Nachfolger vermutlich noch authentischer und noch ein bisschen beeindruckender, das Rad (oder die Tragfläche) aber wohl nicht in Gänze neu erfinden.

Die Voraussetzungen

Um den Flugsimulator wirklich flüssig spielen zu können, ist eigentlich ein Intel iCore7-Prozessor notwendig, 32 GByte Arbeitsspeicher sind zudem ratsam, auch wenn der Hersteller 16 GByte als ausreichend bezeichnet. In Sachen Festplattenspeicher sind 150 GByte HDD nötig, ideal sind aber 1500 GByte SSD.

Ohnehin – wem es eher um den Spaß und weniger um die grafische Ästhetik geht und wer gerne auch unterwegs durch die Lüfte segelt, dem sei einer der inzwischen vielen Flugsimulatoren für das Smartphone empfohlen. Airline Commander ist hier eine der führenden, wenn nicht gar die führende App. 

Flugsimulator @Microsoft

Über den Dächern von Paris: Mit dem neuen Flugsimulator kein Problem.

In dem Spiel ist man quasi der Mann oder die Frau für alles. Flugzeuge fliegen, Flotten verwalten, Verträge unterzeichnen. Herausfordernd sind sehr kurze Landebahnen oder umständliche Parkmanöver, die auf einigen Flughäfen vonnöten sind. Die App bedient sich der Baupläne hunderter Flughäfen, die im Spiel sehr realitätsnah dargestellt werden. Eine zweistellige Anzahl an Flugzeugen, die sehr realistisch nachempfunden sind, können geflogen werden, die Außenbeschriftung lässt sich individuell anpassen. Lenken können die Spieler einfach über die Bewegung des Smartphones, das die entsprechende Neigung des Geräts wahrnimmt.

Klar: Vergleichbar mit einem professionellen Simulator über Xbox oder PC ist das Handyspiel freilich nicht, es bedient aber wohl auch eine gänzlich andere Zielgruppe. Die App ist zunächst kostenlos downloadbar, bietet aber diverse In-App-Käufe an. Vermutlich ist der Airline Commander die Vorstufe für Einsteiger, während die richtigen Flugsimulatoren dann den Nerv derer treffen, die schon richtig Blut geleckt haben. 

Der wirtschaftliche Hintergrund

Das Geschäft mit Flugsimulatoren ist längst ein lohnendes für die Hersteller – bei Weitem nicht nur für Firmen, die die Software umsetzen. Bis 2023 rechnet die Branche mit einem allein durch solche Spiele erwirtschafteten Umsatz in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar. Diese Hochrechnung beruht auf der Annahme, dass sich allein der Microsoft Flight Simulator in den kommenden drei Jahren etwas mehr als zwei Millionen Mal verkauft – eine realistische, vielleicht sogar vorsichtige Schätzung. Die Umsätze werden dann nicht nur über das eigentliche Game erlöst, sondern zu einem wesentlich größeren Teil über die erforderliche Hardware.

Bildquelle: Microsoft

Es ist Teil des Systems, dass Spiele wie dieses die Hardware bis an ihre Grenzen fordert – Nutzer sollen für den vollen Spielspaß noch tiefer in die Tasche greifen und sich die neuesten Geräte kaufen. Heißt: Hochleistungs-PC was Rechenleistung und Grafik betrifft, enorm große Bildschirme. Auch der neue Trend Virtual Reality spielt mit hinein. Der Erfolg ließ übrigens nicht lange auf sich warten. Mitte Dezember 2020, also rund drei Monate nach dem Launch, verkündete Microsoft mit Stolz, dass die Community auf über zwei Millionen Piloten angewachsen sei. Keinem der Vorgängerspiele war dies in der derart kurzer Zeit gelungen. 

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