It Takes Two für PS5 im Test: Ein Feuerwerk der Spielideen

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Die Ehe von May und Cody ist so gut wie am Ende. Zusammen hat man sich auseinandergelebt und blickt nun hoffnungsvoll der geplanten Scheidung entgegen. Allerdings ist Töchterlein Rose nicht begeistert. Als sie im stillen Kämmerlein vor sich hin weint und ihre Tränen auf zwei Puppen tropfen, die sie ihren Eltern nachempfunden hat, kommt Rose die Kraft der Magie zu Hilfe.

Waren die beiden Elterneinheiten gerade noch in eine ihrer vielen Streitigkeiten vertieft, finden sie sich plötzlich – auf Käfergröße geschrumpft – in Gestalt der beiden Püppchen im Werkzeug-Schuppen wieder. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht und zu allem Überfluß will ihnen das freche, lebendig gewordene "Buch der Liebe" nun auch noch erzählen, wie wichtig es ist, an sich zu arbeiten, um eine Beziehung am Leben zu halten. 

It Takes Two @EA/Hazelight Studios

Das Buch der Liebe liest dem zerstrittenen Ehepaar regelmäßig die Leviten.

Zusammen seid ihr stark!

"It Takes Two" verfolgt über den gesamten Spielverlauf den Ansatz eines asynchronen Mehrspieler-Titels. Ihr macht also nicht das Gleiche, wie bei z. B. einem kooperativen Shooter á la "Outriders", sondern werdet die meiste Zeit mit komplett unterschiedlichen Aufgaben bedacht. Immer im Mittelpunkt: Die perfekte Zusammenarbeit eurer beiden Spielfiguren. Möglich wird dies durch den kooperativen Spielmodus mit geteiltem Bildschirm – entweder nebeneinander auf der Couch oder online quer über den Erdball. 

Die vor euch liegenden Abenteuer dienen dann auch nur einem einzigen Zweck: May und Cody sollen ihre Liebe wiederentdecken und genau dazu sind die unzähligen Geschicktlichkeitsaufgaben in den verschiedenen Spielumgebungen gedacht: Für zusätzliche Würze sorgen dabei noch unterschiedliche Gadgets, deren Einsatz zum erfolgreichen Abschluß eines Levels unabdingbar sind: Im Inneren einer Kuckucksuhr nutzt Cody dann beispielsweise eine kleine Taschenuhr, um passenderweise die Zeit nach Belieben vor- und zurückzuspulen, May kann einen Klon von sich erschaffen, um auf diesem Weg für die Lösung der Rätsel zu sorgen. Natürlich ist das gesamte Thema einer Spielumgebung perfekt auf die Werkzeuge abgestimmt, die die beiden Streithähne zur Verfügung gestellt bekommen. Wir wollen euch an dieser Stelle allerdings nicht zuviel verraten, schließlich macht es ja am meisten Spaß, die Dinge im Spiel selber zu entdecken.

It Takes Two @EA/Hazelight

Der rechte Spieler saugt die roten Kugeln ein, der linke muss diese dann in den Beutel pusten.

It Takes Two @EA

Im Hornissenbau wird's brenzlig: Cody schießt mit Baumharz um sich, May entfacht per Streichholz-Raketenwerfer eine Explosion.

Das Buch als Quasselstrippe

Am Ende einer Spielumgebung seht ihr euch in den meisten Fällen dann einem witzig gemachtem Endboss gegenüber. Hier ist es von größter Wichtigkeit, dass ihr die Nutzung eurer Werkzeuge blind beherrscht. Ist das mal nicht der Fall, ist das aber ebenfalls kein Problem. Gebt ihr in der Hektik den virtuellen Löffel ab, könnt ihr euch unbegrenzt oft wiederbeleben – allerdings nur, solange eure bessere Hälfte noch in der Spielwelt verweilt. Aber auch, wenn ihr gleichzeitig draufgeht, genießt ihr fairste Rücksetzpunkte – und das bei nicht vorhandenen Ladezeiten! Top! Nach jedem Level erzählt euch das "Buch der Liebe", Dr. Hakim, wie es mit euch weitergehen soll. Dabei bleibt dem vorlauten Schriftstück nicht verborgen, ob das Kitten der Beziehung von May und Cody bereits Fortschritte gemacht hat. Jede Herausforderung, die Dr. Hakim dem Noch-Ehepaar stellt, zielt gekonnt darauf ab die wichtigsten Merkmale einer funktionierenden Partnerschaft, wieder auf Trab zu bringen.

Die Kurve geht nach oben

Während ihr euch in Gestalt der beiden Spielfiguren durch die vielfältigen und extrem phantasievoll gestalteten Spielstufen wuselt, machen sich bei den Spielern auf der anderen Seite des geteilten Bildschirms, also euch, folgende Gefühlsregungen breit: Nach den ersten zwei Spielstunden seid ihr ob des frischen und unverbrauchten Szenarios und der zahllosen genialen Ideen begeistert. Nach der Hälfte des Spiels, bei etwa 6-8 Stunden kommt ihr aus dem Staunen dann kaum mehr heraus. Flimmert dann nach ca. 12-15 Stunden der Abspann über den Bildschirm, seid ihr euch sicher: Das ist das beste Koop-Erlebnis, das ihr jemals gespielt und gesehen habt. Es ist kaum vorstellbar, aber der Ideenreichtum der Entwickler, kennt in "It Takes Two" absolut keine Grenzen. Besonders gilt es zu erwähnen, dass das Spiel keine Ausreisser nach unten hat. Im Rückblick hat jedes Level so viel Spaß gemacht, dass ihr am liebsten gleich noch einmal von vorne loslegen würdet.

It Takes Two @EA

Links: May muss leise an den Maulwürfen vorbei. Mitte: Hier wird die Laustärke ihrer Schritte angezeigt. Rechts: Cody ist das Moos unter ihren Füßen und sorgt für‘s Leisetreten.

Sauber und zackig

Auf der Playstation 5 läuft das Spiel mit dynamischen 4K mit 60 Bildern pro Sekunde. Optisch reisst "It Takes Two" sicherlich keine Bäume aus, das Spielgeschehen bleibt aber stets sauber und ist hübsch anzusehen. Viele Mechaniken erinnern stellenweise wohl an das beste, was das Genre der Geschicklichkeitsspiele bis jetzt zu bieten hatte. Es gibt fast keine geniale Spielidee, die es in "It Takes Two" nicht gibt. Die Steuerung ist auf den Punkt, nur selten müsst ihr die Kamera nachjustieren, um den perfekten Überblick zu behalten. Der Schwierigkeitsgrad mag zu Beginn des Abenteuers noch etwas seicht wirken, im späteren Verlauf gibt es aber dennoch die eine oder andere Aufgabe, die euch Können am Gamepad abverlangt. Da kann es dann schon einmal passieren, dass vor dem Bildschirm genau das passiert, was im Spiel ja eigentlich mit allen Mitteln verhindert werden soll: Das geneigte Spielerpärchen verfällt in einen kurzen Streit, weil eine Aufgabe von einer Partei immer wieder versemmelt wird – der ist aber nach der nächsten Lachattacke sofort wieder vergessen.

Immer fair bleiben!

Ebenfalls erfreulich: Ist für euch der Couch-Coop keine Option, dann bietet "It Takes Two" eine extrem faire Lösung: Denn nur ein Spieler muss das Spiel kaufen, der andere lädt sich einfach einen Client (der mit 43 Gigabyte exakt der Größe des eigentlichen Spiels entspricht) herunter und kann dann einfach eingeladen werden. Teilt ihr euch den günstigen Anschaffungspreis von rund 40 Euro, ist das dann unterm Strich für jeden Spieler ein schlapper Zwanni. Viel besser kann ein Preis-/Leistungsverhältnis heutzutage wohl nicht aussehen. Aber Achtung: Nur der Spieler mit der gekauften Version, bekommt auch die Trophäen, die "It Takes Two" zu vergeben hat.

Fazit: Das Ding hat Seltenheitswert

Nach dem schon recht unterhaltsamen Vorgänger "A Way Out", wirkt dieser im Angesicht von "It Takes Two", wie eine Fingerübung. Denn das Nachfolgespiel punktet nicht nur mit einem deutlich größeren Umfang, sondern bietet mehr von allem – viel mehr: Ein solches Maß von Skurrilität, Abwechslungsreichtum und Originalität ist in der Welt der Videospiele so selten, wie eine Blaue Mauritius bei den Sammlern von Briefmarken. Habt ihr einen zweiten Spieler bei der Hand, dann führt an "It Takes Two" eigentlich kein Weg vorbei – dieses gemeinsame Bildschirmabenteuer werdet ihr niemals vergessen!

"It Takes Two" ist ab sofort für 39,99 € auf allen Systemen – außer Nintendo Switch – zu haben und hat die Altersfreigabe "Ab 12 Jahren."

Wertung

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