Outriders für PS5 im Test: Brutal! Brachial! Kongenial?

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Mit "Outriders" präsentieren die Entwickler von "People Can Fly" und Publisher "Square Enix" einen neuen Kandidaten im heiß umkämpften Genre der Online-Koop-Shooter. Kann sich das Spiel gegen "Divsion 2", "Gears 5" oder "Destiny 2" behaupten? Wir haben uns auf der Playstation 5 rund 40 Stunden lang in die netzhautzerfetzenden Scharmützel geworfen und haben uns im Online-Koop-Modus ein gutes Bild von "Outriders" gemacht. Hier lest ihr unseren Erfahrungsbericht:

Anstatt euch eingangs mit dem Rezitieren der Story zu langweilen, lassen wir hier lieber die Fakten sprechen. Schauplatz: Der lebensfeindliche Planet "Enoch", der von Monsterhorden überrannt und von den Kriegswirren verschiedener menschlicher Parteien gebeutelt ist. Aber keine Sorge, denn in Gestalt eines mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten Supersoldaten macht ihr es euch zur Aufgabe, Ordnung in das vorherrschende Chaos zu bringen. Das ist schon alles.

Die Qual der Wahl

Zu Beginn von "Outriders" wählt ihr aus einer von vier verschiedenen Klassen aus: Der Technomant verlässt sich auf wirkungsvolle Gadgets wie etwa Geschütztürme oder Heilung der Team-Kollegen, der Pyromant heizt den verschiedenartigen Gegnern mit durchschlagenden Feuerzaubern ein, der Assassine verlangsamt die Zeit und ist auf Angriffe von hinten spezialisiert und der Verwüster spielt mit der Gravitation herum, um die Angreifer aus dem Konzept zu bringen. Die Zauberkräfte der Klassen sind nur das Salz in der Suppe, denn euch zur Seite stehen natürlich auch die unterschiedlichsten Schießprügel, die im Verlauf einer Auseinandersetzung zwischendurch Blei sprechen lassen.

In einer perfekten Welt, sprich, habt ihr ein bis zwei weitere Spieler an der Hand, mit denen ihr das Spiel im Online-Koop-Modus angehen wollt, dann empfiehlt es sich natürlich die Wahl der Klasse aufeinander abzustimmen. Denn wenn die verschiedenen Zauber im Tandem eingesetzt werden, seid ihr in der Lage es mit den Horden an menschlichen und monströsen Widersachern aufzunehmen. 

Outriders @Square Enix

Das Radar links oben zeigt euch die Feindbewegungen an. Die Jungs versuchen gerne mal einen schlauen Angriff über die Flanken.

Babyschritte

Falls ihr die recht umfangreiche Demoversion von "Outriders" schon gespielt habt, dann setzt ihr wahlweise genau dort an, wo diese ihr Ende gefunden hat. Aus der ersten Basis heraus geht es in die Weite in Richtung einer verlorenen Stadt. Auf dem Weg dorthin finden sich natürlicherweise eine Menge Bösewichter, die "keinen Flugschein vorweisen konnten". Stattdessen pfeifen euch und eurem Team die Kugeln um die Ohren. In fast jedem Areal, in dem ein Kampf stattfindet, bieten sich euch zahlreiche Deckungsmöglichkeiten, die ihr zu Beginn unbedingt nutzen solltet. Dann könnt ihr euch ein gutes Bild von der Herausforderung machen, die vor euch liegt. Wartet aber nicht zu lange, denn einige der Fußsoldaten fackeln nicht lange und stürmen direkt auf euren Dreier-Trupp zu. 

Netzhautgewitter vom Feinsten

Was sich in den nächsten Minuten auf dem Bildschirm abspielt, lässt sich nur schwerlich in Worte fassen, wir versuchen es trotzdem: Zuerst zaubert der Assassine eine Halbkugel in der die Gegner extrem verlangsamt werden. Der Technomant stellt davor einen Geschützturm auf, der die Fieslinge für kurze Zeit in starre und wehrlose Eiszapfen verwandelt. Der Pyromant sorgt dann für warme Füsse – er legt einen hübschen Teppich aus glühender Lava. Derart eingelullt werden die Gegner von eurem Fire-Team nun mit einer fetten Ladung Blei bedacht. Der Fernseher scheint aus allen Nähten zu platzen: Grelle Lichteffekte überall, explodierende Gegner, deren Knochenstücke (bei entsprechender Ausrüstung eurerseits, dazu kommen wir gleich) wiederum anderen Gegnern Blutungsschaden verpassen, Arme, Beine, alles fliegt in Zeitlupe – mal brennend, mal gefroren –  durch die Luft. So etwas hat man in diesem Genre in dieser optisch höchst imposaten Ausprägung wirklich noch niemals vorher gesehen. Das beste daran: Auf der Playstation 5, der Xbox Series X oder einem leistungsstarken PC wird das fulminante Kampfgeschehen mit zahllosen Effekten absolut ruckelfrei mit 60 Bildern pro Sekunde dargestellt. 

Outriders @Square Enix

Trotz hübscher Optik bleibt euch und dem Team nur in den seltensten Fällen Zeit, die Umgebung zu genießen.

In den meisten Fällen wird das gegnerische Fußvolk von einem oder mehreren Kommandanten begleitet. Die Jungs fressen eure Kugeln zum Frühstück, hier müssen ausgefeilte Techniken her, um die dicken Brummer zu Fall zu bringen. Auch hier ist es natürlich unabdingbar, dass ihr die Zauberkräfte eurer Klassen zu einem "Ballett des Todes" formt, indem jeder Spieler mit dem gezielten und gut mit den Teammitgliedern abgestimmten Einsatz der Fähgikeiten zum Sieg beiträgt. Das macht in der Praxis unglaublichen Spaß, denn auch die schweren Brocken können Zauber wirken und sich entsprechend wehren. 

Was vom Tage übrigblieb

Ist es euch und dem Team gelungen alle Gegnerwellen ins Reich der Träume zu schicken, wird natürlich erst einmal fleissig eingesammelt. Denn wie es sich für einen guten Loot-Shooter gehört, ist das Schlachtfeld nach dem Kampf mit verschiedenfarbigen Sammelgegenständen übersäht: Grauer Kram ist meist für die Tonne, grün hinterlegte Waffen oder Ausrüstungsgegenstände immerhin einen kurzen Blick wert. Bei Blau oder Lila wird es da schon deutlich interessanter und bei goldfarbenem Stuff ist gepflegtes Ausrasten angesagt. Die legendären Gegenstände punkten nämlich nicht nur mit abstrus hohen Verteidigungs- oder Angriffswerten, sondern verfügen auch über Modifikationen, die euch im Kampf den ein oder anderen unschätzbaren Vorteil verschaffen. Womit wir schon bei einem der weiteren extrem eindrucksvollen Positivpunkte von "Outriders" angelangt sind: Dem kreativen, sehr gut durchdachten und unglaublich vielfältigen Modifikationssystem für Waffen und Ausrüstung.

Ein Universum der Möglichkeiten

Jede Knarre, jede Jacke, Mütze, Hose oder jedes paar Schuhe verfügen ja nach Seltenheitsgrad über bis zu drei Slots, die ihr mit Verbesserungen für eure Zauberkräfte oder völlig neuen Fähigkeiten belegen könnt. Soweit, so bekannt. Nun ist es bei "Outriders" aber so, dass ihr euch nicht ärgern müsst, wenn die Slots eines neu gefundenen Gegenstands nicht eurem Spielstil oder gar eurer Klasse entsprechen. Dann geht ihr wie folgt vor: Ihr findet zum Beispiel eine Waffe, die euch zwar nicht gefällt, aber einer der Slots ist mit der Modifikation belegt, das jeder Schuss beim Gegner für einen zusätzlichen Schaden sorgt. Nun zerstört ihr die Waffen und erhaltet neben den Rohstoffen auch diese Fähigkeit, die in einer Art Panini-Album eingeklebt wird. Jetzt geht ihr einfach zum Schmied, der in jedem neuen Spielgebiet zu finden ist, und klebt diese Modifikation einfach auf eure Lieblingswaffe. 

Outriders @Square Enix

Der dicke Bursche ist kein Spaziergang. Aber eure Mühen werden belohnt: Besiegt ihr ihn zum ersten Mal, winkt eine legendäre Waffe als Belohnung.

Auf diesem Weg könnt ihr euch jedes Teil so zurechtbiegen, wie es euch am besten gefällt. Das funktioniert sogar bei den extrem selten zu findenden legendären Waffen, die mit besonders mächtigen Modifikationen aufwarten. Wenn "Destiny" das hier liest/hört, geht es zum Weinen in den Keller! Ebenso steht es euch frei, eure Lieblingswaffe immer an euern aktuellen Level anzupassen – die entsprechende Währung vorausgesetzt. Dabei werden auch die Attribute der eingesetzen Modifikationen jeweils nach oben korrigiert. Mit etwas Glück könnt ihr sogar mit einem sogenannten "God-Roll" rechnen: Dann macht beispielsweise eine zusätzliche Explosion beim Schuss auf den Gegner nicht mehr nur 500, sondern satte 5000 Punkte Schaden. Es ist äußerst faszinierend und motivierend mit diesem neuartigen und toll gemachten System herumzuspielen, besonders für die Endgame-Expeditionen ist es unabdingbar, dass eure Fähigkeiten und zusätzlich ausgerüsteten Modifikationen perfekt aufeinander abgestimmt sind. 

Als wären die Spielerei mit dem Mods nicht genug, habt ihr bei jedem Levelaufstieg eurer Spielfigur die Möglichkeit Punkte in einem dezidierten Talentbaum zu vergeben, um euch noch weiter auf euren Spielstil spezialisieren zu können. Auch hier könnt ihr nach Herzenslust herumprobieren, alle eingesetzten Punkten lassen sich kostenlos wieder entfernen, um euch die Möglichkeit zu geben, einen anderen Zweig austesten zu können.

Mehr Abwechslung als angenommen

Spielwelt und Story von "Outriders" sind groß, verdammt groß. Bis ihr das Ende der Story zu Gesicht bekommt, gehen je nach Vorgehensweise zwischen 30 und 50 Stunden ins Land. Klar, denn neben der Hauptgeschichte warten noch zahlreiche Nebenquests und lohnende Zusatzaufgaben in Form von Kopfgeld- oder Monsterjagden auf euch und euer Team. Die Kämpfe gegen Soldaten und Monster laufen zwar immer nach einem ähnlichen Schema ab, die Entwickler haben aber darauf geachtet, dass ihr euch möglichst nicht langweilt und das ist auch sehr gut gelungen. Abwechslungsreiche Umgebungen, wie staubige Steinbrüche, verfallene Ruinen, düstere Höhlen oder üppige Wälder bieten den perfekten Hintergrund für spaßigste Feuergefechte am laufenden Band. Zudem ist nach der Story noch lange nicht Schluß: Dann warten mit den Expeditionen noch einmal 15 brandneue Umgebungen, die eurem Team alles abverlangen – aber natürlich auch den besten Loot im Gepäck haben. Wollt ihr alles sehen, was "Outriders" zu bieten hat, dann seid ihr locker über 100 Stunden beschäftigt. 

Outriders @Square Enix

Zum Ende des Abenteuers: Totenschädel auf dem Kopf, Migräne in der Hand (der Name der hier abgebildeten legendären Maschinenpistole). 

The elephant in the room

ABER: Mal abgesehen von Voll-Desastern wie "Anthem" oder "Cyberpunk 2077", war es wohl eine der dümmsten Ideen der jüngeren Videospielgeschichte "Outriders" a) an einem langen Osterwochenende zur Verfügung zu stellen und b) das Spiel vom ersten Verkaufstag an im Rahmen des Gamepass-Abos quasi kostenlos für Xbox-Besitzer zugänglich zu machen. Sagen wir, wie‘s ist: Es war/ist ganz ganz nah am Rande einer absoluten Katastrophe: Denn es vergeht keine Online-Session bei der es nicht zu unschönsten Aussetzern aller Coleur kommt, auch die zahlreichen technischen Ungereimtheiten spucken einen "dicken Grünen" in die Spielspaß-Suppe. Hier eine Liste der Probleme, die uns während des Tests unfassbar auf den Senkel gegangen sind:

1. Abbrüche der Netzwerkverbindung

2. Rausschmiss aus der Sitzung vor oder nach dem Bildschirmtod

3. Keine Möglichkeit zum Joinen einer Session nach 1. oder 2. 

4. Zahlreiche Darstellungsfehler im Spiel

5. Nicht erfüllbare Nebenaufgaben wegen 1.

6. Bestimmte Zauber manchmal nicht ausführbar

7. Nicht gespeicherte Rücksetzpunkte innerhalb der Story

Allerdings sind sich die Entwickler der Probleme bewusst und versprechen in umfangreichen Beiträgen auf Reddit und Twitter mehr oder weniger schnelle Abhilfe für die Probleme, anstatt sich hinter PR-Floskeln oder ihren Schreibtischen zu verstecken. Dennoch nimmt die Redaktion diese Ärgernisse zum Anlass, "Outriders" um einen Stern abzuwerten. Schade, denn im Olymp der Online-Koop-Loot-Shooter hätte sich das Spiel neben den Genre-Schwergewichten wie "Division 2", "Borderlands 3" oder "Destiny 2" den Thron sichern können. In diesem Zustand reicht es nur für ein Foto-Finish. 

Fazit: 

Mit "Outriders" erwartet Fans des Genres ein absolutes Highlight, das mit vielen Innovationen, hübscher Optik, viel Abwechslung bei Gegnern/Umgebungen und einem absolut genialen Loot- und Ausrüstungsystem punkten kann. Besonders zu zweit oder dritt läuft das Spiel zur absolten Hochform auf und bietet euch wuchtigste Spezialeffekte, wie man sie vorher in dieser Form noch nie zu sehen bekommen hat. Am durchweg positiven Gesamteindruck nagen allerdings noch zahlreiche technische und nervige Netzwerkprobleme, die die Entwickler hoffentlich schnellstens in den Griff bekommen. Erst dann hat "Outriders" das Zeug zu einem absoluten Geheimtipp zu werden, der jeden Freund einer zünftigen Fantasy-Ballerei sofort in seinen Bann zieht.

"Outriders" ist ab sofort für PC (Steam/Epic)), Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox One S, Xbox Series X|S (kostenlos im Rahmen von Gamepass) und Google Stadia zum Preis von 69,99 € verfügbar und hat die Altersfreigabe "Ab 18 Jahren".

pro-iconViel Abwechslung
pro-iconGeniales Loot-/Ausrüstungssystem
pro-iconLange Spieldauer
pro-iconIm Koop: Effekt-Overkill
pro-iconWuchtige Spezialeffekte
PRO
pro-iconNetzwerkprobleme
pro-iconTechnische Ungereimtheiten
CONTRA

Wertung

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