Resident Evil Village auf PS5 im Test: Schrecklich schönes Dorf-Idyll

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Es hätte alles so schön werden können: Nach dem Horror-Trip in den Sümpfen von Louisiana, hatten sich Ethan Winters und seine Frau Mia in Osteuropa eingelebt. Alles schien in bester Ordnung und die Vergangenheit vergessen zu sein. Doch kurz nachdem Ethan Tochter Rose ins Kinderbettchen gelegt hat, bricht abermals die Hölle über die kleine Familie herein. Kein Geringerer als Serien-Veteran Chris Redfield stürmt zusammen mit ein paar maskierten Soldaten das Winters-Anwesen, jagt Mia mehrere Kugeln in den Kopf und verschleppt Ethan und das Baby. Stunden später erwacht unser Protagonist neben einem verunfallten Transporter, von Chris und seiner Tochter keine Spur. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf eigene Faust an die Lösung des Rätsels zu machen, und, was noch viel wichtiger ist, das Leben seiner entführten Tochter zu retten.

Gefangen in der Dunkelheit

Schon bei euren ersten Schritten im fahlen Licht der Taschenlampe, die die Finsternis nur mühsam durchdringen kann, lässt euch die Soundkulisse die Nackenhaare zu Berge stehen. Besonders mit einem Kopfhörer, der 3D-Audio unterstützt macht sich hier sofort pure Bedrohung breit. Das wird auch nicht besser, als Ethan bei Tagesanbruch sein erstes Etappenziel erreicht: Ein kleines, nicht sehr einladend wirkendes Dorf, über dem ein düsteres und furchteinflößendes Schloss thront. Finden sich hier erste Antworten auf die vielen Fragen? Vorsichtig tappt Ethan von einem verfallenenen Haus zum nächsten, aber zur lockeren Erkundung bleibt keine Zeit, denn ein Rudel Werwölfe sorgt für Herzrasen. Da Ethan zu Beginn des Spiels eher schwachbrüstig bewaffnet ist, ist die Fiucht hier seine einzige Überlebenschance. Zum Glück verzieht sich die blutgierige Meute, als Glockenschläge zu hören sind. Immer noch voller Furcht macht sich Ethan weiter auf die Suche nach Hinweisen, was mit seiner Tochter passiert sein könnte.

Kurz darauf trifft Ethan auf ein paar verängstigte Dorfbewohner, die sich in einem Haus verschanzt haben und denen bis jetzt noch kein Pelz gewachsen ist. Aber die Freude über die Zusammenkunft ist nur von kurzer Dauer, nach einem blutigen Zwischenspiel trifft Ethan am Tor zum Schloss ein. Wer hat es sich hier gemütlich gemacht? Bevor Ethan das schwere Tor aufstößt findet sich immerhin jemand, der ihm nicht gleich das Lebenslicht ausblasen will: Der dicke Händler Duke bietet von seinem fahrenden Shop aus viele nützliche Dinge an, die Ethan bei seinem Abenteuer unterstützen – gegen einen entsprechenden Preis versteht sich.

RE Village @Capcom

Der dicke Duke ist der Händler eures Vertrauens und hat auch ein paar nützliche Tipps auf Lager.

Die Bosse stellen sich vor

Hat sich Ethan mit dem Nötigsten eingedeckt, also einem Heiltrank, ein paar Kugeln für das Schießeisen und einer einzigen Granate, fast der den Mut, das Schloss zu betreten. Er wird allerdings schon erwartet und trifft dann zum ersten Mal auf alle Endgegner, die sich zu einer Art Tribunal versammelt haben und darüber beraten, was mit Ethan passieren soll. Da wäre die hühnenhaft große Lady Dimitrescu, der verschlagene und mit Zauberkräften ausgestattete Fabrik-Besitzer Heisenberg, die Puppenspielerin Donna, der bucklige und entstellte Moreau – und die augenscheinliche Chefin der Bande: Mutter Miranda. Dass alle Endgegner, die ihr im späteren Spielverlauf natürlich zur Hölle schicken müsst, schon zu Beginn des Spiels einen Auftritt haben ist ein seltenes aber sehr interessantes Stilmittel. Immerhin weiß Ethan jetzt mit wem es es im Laufe der nächsten 10-12 Stunden zu tun bekommt und nach einer wilden Verfolgungsjagd ist das Schloss samt der riesigen Vampir-Lady und ihrer blutgierigen Töchter dann auch der erste Schauplatz indem ihr erste Rätsel lösen, ein paar Kämpfe bestreiten und einen Ausweg finden müsst – typisch "Resident Evil" eben.

RE Village @Capcom

Dass sich die Endgegner zu Beginn des Spiels vorstellen und über euer Schicksal beraten, gab es zum letzten Mal bei "Metal Gear Solid 3: Snake Eater".

Hochglanz-Optik dank RE-Engine

Die Spielumgebungen von "Resident Evil Village" wurden mit der gleichen Engine erstellt, die auch schon beim siebten Teil der Horror-Hatz zum Einsatz kam. Daraus ergeben sich an vielen Stellen fast fotorealistische Szenarien, die mit einer unglaublich dichten Atmosphäre und wahnsinnig guten Lichtstimmungen punkten können. Feuchte, düstere Verliese, prunkvolle Räume im Schloss, verwitterte und verfallene Hütten im Dorf – das alles ist nahe an der Perfektion, kein Spiel der Reihe sah bis jetzt besser aus. Auf der PS5 kommt wahlweise auch Raytracing zum Einsatz, was die meist stabile Bildwiederholrate von 60 Bildern pro Sekunde an einigen Stellen allerdings in die Knie zwingt. Wer also gerne Frames zählt, sollte auf Raytracing verzichten, verpasst aber ein paar sehr hübsch gesetzte Lichteffekte und Reflektionen. Der Einsatz von HDR ist ein zweischneidiges Schwert, besonders bei Fernsehern mit OLED-Technologie erscheinen viele Bildbereiche deutlich zu dunkel. Spielt ihr nicht in einem stockfinsteren Raum, solltet ihr das HDR also lieber abschalten. Ein kleiner Dämpfer ist – obwohl es keinen Zweifel daran gibt, dass die vielfältigen Gegner in weitern Teilen einfach toll gemacht sind – die Darstellung von Haaren und Fell. Gerade weil der ganze Rest derart überzeugend ist, fallen diese Kleinigkeiten umso mehr auf. Das geht sicher noch besser. An der restlichen Optik gibt es aber rein gar nichts zu meckern, "Resident Evi Village" spielt in der Liga der bestaussehenden Spiele auf jeden Fall ganz vorne mit.

RE Village @Capcom

Die Spielumgebungen könnten kaum atmosphärischer sein. Die Optik von "Village" ist wirklich unglaublich gut!

Das Beste vom allem

Vom Spielprinzip her orientiert sich "Village" zwar am Vorgänger, so seid ihr auch hier wieder in der Ego-Perspektive unterwegs, ansonsten haben sich die Entwickler bei den Teilen der Serie bedient, die in der Vergangenheit am besten funktioniert haben: Das Dorf und die ersten Spielminuten samt der Ballereinlagen erinnern frappierend an "Resident Evil 4", dass besiegte Gegner Schätze fallen lassen, kam das erste Mal in "Resident Evil 5" zum Einsatz. Einige Schauplätze erinnern zudem an "Resident Evil 2". Eine gute Mischung, die Capcom hier an den Start gebracht hat, denn diese Versatzstücke funktionieren im Zusammenspiel absolut tadellos. Das Highlight von "Village" sind aber ohne Zweifel die imposant inszenierten Boss-Kämpfe, die wohl bis jetzt die besten in der ganzen Spiele-Serie darstellen. Die Spielzeit von "Village" ist augenscheinlich relativ kurz, aber das Ende ist hier eigentlich nur der Anfang eines neue Durchlaufs.

Hoher Wiederspielwert

Klar, beim ersten Run seid ihr ob schwacher Bewaffnung und wenigen Kugeln noch verletzlich, aber startet ihr erneut durch, ändert sich euer Spielverhalten von Grund auf. Das ist vom Spiel auch genauso gedacht, denn viele Boni und freispielbare Extras machen euch nach und nach zu einer echten Kampfmaschine, die selbst die turmhohen Endbosse in unter einer Minute erledigt. Aber auch hier ist viel Geduld gefragt: Bis ihr in der Lage seid, einige Aufgaben des Spiels, wie das Durchspielen in unter drei Stunden oder einen Lauf nur mit einem Messer oder ohne beim Händler einzukaufen zu bewältigen, setzt voraus, dass ihr "Village" mindestens drei oder viermal durchgespielt haben müsst. Obendrauf kommt noch der Söldner-Modus: Hier müsst ihr innerhalb eines Zeitlimits so viele Gegner wie nur möglich von der Platte putzen – und das klingt einfacher, als es ist.

Fazit: Das bis jetzt beste "Resi"

"Resident Evil Village" ist die Summe aller vorangegangenen Teile – und das in wirklich jeder Hinsicht. Es war für die Entwickler sicherlich ein riesiger Spaß, aus dem Vollen schöpfen zu können und sich bei der Produktion zu überlegen: Was kam in 25 Jahren "Resident Evil" bei den Fans am besten an, was nicht und was wollen wir noch zusätzlich in das Spiel integrieren? Herausgekommen ist ein absolut genialer Mix aus Monstern, einer irren und abermals wirren Story, und denkwürdigen Kämpfen gegen Monster aller Art. Einzig die etwas geringe Spielzeit und das abermals veraltet wirkende Trefferfeedback geben Anlass zur Kritik. Auf allen anderen Ebenen liefert "Resident Evil Village" mehr als gekonnt ab.

pro-iconSehr gute Optik
pro-iconViele verschiedene Gegner
pro-iconDenkwürdige Bosskämpfe
pro-iconGrandiose Soundkulisse
PRO
pro-iconVeraltetes Trefferfeedback
pro-iconHDR zu dunkel/kaputt (OLED)
CONTRA

Wertung

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