Returnal für Playstation 5 im Test: Gibt es einen Partikel-Gott?

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Ein Erkundungsflug wird zum Albtraum. Raumpilotin Selene findet sich nach einem Crash einsam und verlassen auf der Oberfläche des extrem lebensfeindlichen Planeten Atropos wieder. Aus der Ferne empfängt sie ein schwaches Funksignal, aber zwischen ihr und der vermeintlichen Rettung liegt ein langer und gefährlicher Weg. Verängstigt, aber voller Tatendrang, macht sich Selene daran, die unwirtliche Umgebung zu erkunden.

Der Tod ist nur der Anfang

Doch weit kommt sie nicht, denn ein Rudel angriffslustiger Tentakel-Biester hat es auf sie abgesehen. Da hilft auch der Einsatz der kleinen Handfeuerwaffe nichts: Nach einem kurzen Gefecht gegen die Meute sackt Selene zu Boden. In "Returnal" ist der Tod jedoch nur der Anfang der Reise. Bei jedem Ableben findet sich die Raumpilotin in der Nähe ihres Raumschiffes wieder und startet einen erneuten Versuch. Das wäre bis hierhin nichts Ungewöhnliches, aber "Returnal" zählt sich zum Genre der sogenannten ""Roguelike"-Spiele. 

Das bedeutet, dass jeder Durchlauf nach einem Bildschirmtod ein nahezu völlig frisches Erlebnis ist. Ihr verliert alle eingesammelten Gegenstände, Waffen und sonstige Verbesserungen, sobald ihr das Zeitliche segnet. Hört sich frustig an? Ist es auch! Allerdings gibt es einen seltenen Rohstoff, den ihr auch über den Tod hinaus sammeln könnt – und dieser ermöglicht es euch im späteren Spielverlauf sogar dem Sensenmann einmalig ein Schnippchen zu schlagen. 

Ridley Scott und Tom Cruise lassen grüßen

Die Spielwelt von "Returnal" besteht aus insgesamt sechs großen Biomen, in denen sich weitläufige Gebiete mit verschachtelten Umgebungskonstruktionen abwechseln. Bei jedem Neustart wird die Spielwelt neu gewürfelt. Ihr erkennt also immer bestimmte Raumkonstellationen, sie sind aber in jedem Durchlauf etwas anders angeordnet. Ebenso gut kennt ihr nach einigen Spielstunden die Gegner, die sich euch in den optisch extrem opulenten Gefechten entgegenstellen. So habt ihr nach und nach eine immer bessere Taktik parat und erledigt das "Kroppzeuch" quasi im Vorbeigehen. 

Bei den Endbossen der Gebiete sieht das natürlich etwas anders aus. Die Jungs lassen ein Blitzgewitter nach dem anderen auf euch niederprasseln. Nur mit perfekter Koordination und einer guten Portion Glück habt ihr die Chance, diese nervenaufreibenden Gefechte zu überstehen. Die grafische Darstellung der Spielwelt erinnert sofort an die Filme "Aliens" und "Prometheus": Düstere Statuen und Ruinen zeugen vom Untergang einer außerirdischen Zivilisation, Wasser tropft von kalten, dunklen und steinernen Oberflächen, alles ist dicht überwuchert. Hier und da kann Selene noch Inschriften entziffern, die vom Kampf der Bewohner gegen eine unbekannte Macht berichten. 

Returnal @SIEE

Das Maschinengewehr mit eingebautem Schleuderblitz ist gut geeignet, um sich schnell eine Atempause zu verschaffen.

Für halbwegs entspannte Erkundung ist in den meisten Fällen aber erst Zeit, wenn ihr euch um die zahlreichen und vielfältigen Gegner gekümmert habt, die euch das Lebenslicht wieder und wieder auspusten wollen. Der Look der Viecher erinnert dabei frappierend an den Film "Edge Of Tomorrow.", es gibt die kleinen Scouts aber auch die großen Alphas und dazu noch ein Menge fliegendes Getier. Die ballern allesamt um sich, als ob es kein Morgen gäbe. Aber ihr seid weit davon entfernt wehrlos zu sein: Ihr findet unterwegs viele extrem durchschlagskräftige Waffen und verfügt zusätzlich über eine schnelle Ausweichbewegung, die euch für die Dauer des Manövers (ca. 0,5 Sekunden) unverwundbar macht. 

So entstehen unglaublich intensive und schnelle Gefechte, bei denen der Bildschirm vor lauter umherfliegenden Licht- und Partikeleffekten regelrecht zu platzen droht. Dem nicht genug: Denn die Hardware-Power der Playstation 5 ermöglicht den Ablauf dieses Netzhautgewitters mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde bei einer dynamischen 4K-Auflösung. Neben der Optik gibt noch zwei weitere technische Highlights, die begeistern können. Zum einen wäre da die Implementierung der haptischen Features des neuartigen Dual-Sense-Controllers der PS5: So spürt der Spieler sanfte Regentropfen, herabrieselnde Steinchen oder aber eben die Wucht jedes einzelnen Geschosses über das Eingabegerät. 

Zum anderen ist der 3D-Sound per Format-unterstützendem Kopfhörer eine echte Wucht. Ob ein Feind von vorne, hinten, oben oder unten angreift ist jederzeit klar zu hören – wenn die atmosphärischen Geräusche der Umgebung wie seltsame Vogelrufe, aufziehende Gewitter oder die unaufdringliche aber unheimliche Musik mal Platz dafür lassen.

Returnal @SIEE

Wenn ein Bossgegner eine bildschirmfüllende Attacken auspackt, ist höchste Konzentration gefragt.

Wer ist dieser "Housemarque"?

Die finnischen Entwickler hinter "Returnal" dürften den Fans kleiner, aber technisch hochpolierter 2,5-D Arcade-Games nicht ganz unbekannt sein. Schon seit Amiga-Zeiten liefern die findigen Finnen immer ziemlich gut ab. Zu ihren letzten Spielen zählten Software-Perlen wie "Resogun", "Alienation", "Matterfall" oder "Nex Machina". Diese Spiele haben allesamt eine Gemeinsamkeit: Es wird gezeigt, was mit der Darstellung tausender kleiner Partikel möglich ist. Das kann kaum ein Entwickler besser. Mit "Returnal" präsentiert Housemarque nun den ersten Titel mit einem augenscheinlich hohen Entwicklungsbudget – das in diesem Fall natürlich von Sony kam. Aber wie gelingt es den Finnen ihre technische Expertise in eine nun komplett dreidimensionale Ebene zu verfrachten? Mit einem Wort: famos! 

Die Handschrift der Entwickler ist auch bei "Returnal" vom ersten Moment an ganz klar zu erkennen. Platzen die Gegner nach Beschuss in tausende, leuchtende Würfelchen, die zu allen Seiten fliegen, bemerkt der Spieler sofort die griffige und sehr responsive Steuerung der Spielfigur, dann kann es sich eigentlich nur um ein Housemarque-Spiel handeln. Und die Entwickler sind – ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt – ihrer Sache treu geblieben. Wie auch die früheren Spiele ist "Returnal" knallschwer und oft unnachgiebig. Fliegen Spiele der "Souls"-Reihe bei euch nach ein paar Stunden in die Ecke, könnt ihr "Returnal" gleich von der Einkaufsliste streichen. Aber geduldige und leidensfähige Zocker werden bei "Returnal" entsprechend entlohnt – das liegt nicht zuletzt an der mysteriösen und sehr ungewöhnlichen Story, die das Spiel zu erzählen hat. So ist "Returnal" weit davon entfernt eine schnöde 0815-Ballerorgie zu sein. Es ist eher ein Spiel, das es bis jetzt in so einer Form noch nicht gegeben hat. 

Returnal @SIEE

Endlich mal wieder eine Karte, die ihren Namen auch verdient. Ihr seht alles sehr gut und könnt noch frei drehen und zoomen.

Das Dumme an der Sache

Auch wenn ihr trotz komplettem Neustart des gesamten Spiels eine Art Makro-Fortschritt spürt und ihr immer weiter in der Spielwelt vordringen könnt, bis es euch – wieder einmal – zerreißt, ist die Möglichkeit zu keiner Zeit abspeichern zu können schon eine fragwürdige Design-Entscheidung. So ist es nicht möglich, "Returnal" mal eben für eine kurze Runde anzuschmeißen. Hier verlangt jeder "Run" nicht nur eure höchste Aufmerksamkeit sondern auch Zeit – und zwar eine ganze Menge davon. Wollt ihr einen kompletten Level abgrasen und zusätzlich den Boss kaltstellen, dauert das um die zwei bis drei Stunden. 

Gewinnt ihr zusätzlich den Bosskampf, geht es danach noch ins nächste Gebiet, es ist also noch mehr Zeit vonnöten. Zum Glück bleiben zumindest die Level-Bosse besiegt, so könnt ihr nach eurem Tod das Gebiet relativ fix durchqueren und dann im nächsten Level voll durchstarten. Dennoch: Das ist schon eine Kröte, die ihr Spieler da zu schlucken bekommt. Die Entwickler sind sich des "Problems" allerdings inzwischen wohl bewusst und versprechen auf Twitter nach einer annehmbaren Lösung zu suchen.

Returnal @SIEE

Die kleinen, sammelbaren Parasiten sehen zwar ekelhaft aus, bescheren euch aber zahlreiche Vorteile.

Fazit: Arcade-Action auf Blockbuster-Steroiden

Mit "Returnal" gehen die Entwickler von Housemarque und Hersteller Sony ein echtes Wagnis ein. Denn der Titel richtet sich von der ersten Sekunde an ganz klar an die Hardcore-Fraktion am Gamepad – Casuals sollten hier lieber bei einem Kumpel probespielen, damit die Anschaffung von "Returnal" kein Fehlkauf wird. Wer sich auf "Returnal" einlässt bekommt allerdings eines der aktuell besten und optisch beeindruckendsten Actionspiele, die derzeit zu haben sind. Was hier auf dem Bildschirm abgeht, spottet einfach jeder Beschreibung und wäre in dieser Form auf einer Playstation 4 Pro keinesfalls machbar. Dazu die tolle und teilweise gruselig inszenierte Geschichte, die die Neugier weckt. Hier möchte man einfach unbedingt erfahren, wie am Ende alles zusammenpasst. Hoffen wir, dass "Returnal" nicht wieder eines der Kritiker-Lieblinge wird, die am Ende keiner kauft. Denn das hätte das Spiel ob seiner nicht von der Hand zu weisenden Qualitäten in keinem Fall verdient.  

"Returnal" ist ab sofort exklusiv für die Playstation 5 zum Preis von UVP 79,99 € erhältlich und hat die Altersfreigabe "Ab 16 Jahren".

pro-iconOptischer Overkill
pro-iconBeeindruckende Technik
pro-iconSpannende Story
pro-iconTolle Einbindung von Sound und Haptik
PRO
pro-iconHoher Schwierigkeitsgrad
pro-iconKeine Speichermöglichkeit
CONTRA

Wertung

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