Früher war alles besser – vor allem bei FIFA

Groß ist die Kritik an der Fußballsimulation FIFA 21. Wir analysieren, warum das Feeling schon seit Jahren fehlt.  | Spiele.de
Groß ist die Kritik an der Fußballsimulation FIFA 21. Wir analysieren, warum das Feeling schon seit Jahren fehlt. © BillionPhotos.com - stock.adobe.com
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Wer kennt sie nicht, die Dauernörgler, bei denen die Welt vor einem Jahrzehnt um so viel besser war als heute. Nein, Dauernörgeln ist nicht gut, manchmal aber unausweichlich. Die Fußball-Simulation FIFA etwa ist so ein Produkt, das seit 2013 eigentlich fast Jahr für Jahr schlechter wurde. Alljährlich warten Fans des elektronischen Fußballspiels darauf, dass es Herbst wird und die neue Version in den Läden (oder zum Download) bereit steht, doch Jahr für Jahr wurde die Enttäuschung zuletzt größer. In den 00er Jahren war es wirklich so, dass hinter neuen Features oder Weiterentwicklungen sinnvolle Gedanken standen. Das Handling der Spieler oder taktisches Verhalten entwickelte sich weiter, war von Mal zu Mal näher dran an der Realität. Die Grafik machte noch echte Sprünge. Der Sound klang von mal zu Mal realistischer, die Stadien waren weniger klobig, die Kommentare ausgeklügelter. Kurzum: Eigentlich durften sich Fans jedes Jahr auf eine kleine neue Wundertüte freuen – Ausreißer und Enttäuschungen blieben zwar auch nicht gänzlich aus, waren aber nicht die Regel.

Vielleicht, ja vielleicht, hatte FIFA 12 das Maximum erreicht. Oder die Entwickler dachten, jetzt sei man auf höchstem Level angekommen, habe alle Gegner besiegt und könne sich nun zurücklehnen. Wie dem auch sei, die Fan-Kritik an der Fußballsimulation erreichte in den zurückliegenden Monaten, also seit dem Launch von FIFA 21, ihren Höhepunkt. Schon FIFA 20 hatte ziemlich schlecht abgeschnitten, doch der Nachfolger musste sich gegen noch härtere Empörung wappnen.

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Bis heute sind die User-Wertungen, etwa auf Google, ziemlich schlecht. Dort erreicht das Spiel nicht einmal drei von fünf möglichen Sternen. Wieder mit dabei: Massive Kritik am so genannten Momentum. Was muss man sich darunter vorstellen? Ein Spiel läuft eine ganze Zeit lang bestens, man führt schon 2:0 oder höher und plötzlich – wie von Zauberhand – wendet sich das Blatt. Die Pässe kommen nicht mehr an, dem Gegner gelingt alles. Und auch der Schiedsrichter pfeift plötzlich sehr seltsame Elfmeter…

Dass dahinter eine Art Künstliche Intelligenz stecke, die boykottierend eingreift, musste vor einigen Monaten sogar Hersteller EA Sports via Twitter bestreiten. Sie schrieben, das von den Fans Beschriebene, zeuge von Vielseitigkeit und Authentizität. Obendrein gäbe es keinen Grund aus Gameplay-Sicht, eine künstliche Beeinflussung vorzunehmen. Der Verdacht, dass hinter diesen Vorkommnissen doch ein Codier-Fehler seitens des Herstellers zu Grunde liegt, wurde dabei nicht ausgeräumt. Immerhin aber: Der Hersteller kennt den Vorwurf nun und kann/sollte ihm auf den Grund gehen.

Versöhnt FIFA 22 die Fans?

Die Vorbereitungen für FIFA 22 laufen natürlich schon auf Hochtouren und wie üblich gibt es noch keine gesicherten Informationen, wo EA Sports genau ansetzt. Zuletzt war es der Karriere-Modus, der mit einigen zusätzlichen Optionen attraktiver gestaltet wurde – sehr viel mehr änderte sich nicht. Nicht umsonst also sprachen manche lediglich von einem Update, für das aber Vollpreis bezahlt werden müsse.

Es scheint also, als stünde die FIFA-Reihe ernsthaft in einer Krise. Doch die Welt ist auch hier nicht nur schwarz und weiß. Wer genau ins Spiel hineinfühlt, der merkt, dass EA Sports an der Abwehr geschraubt hat, für die die Spieler inzwischen mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen. Besonders deutlich wird dies in den fortgeschrittenen Schwierigkeitsstufen. Das ist gut gelungen und sollte ein künftiger Weg sein, das Spiel weiter zu entwickeln.

EA Sports und Konami im Duell

Andererseits kann EA Sports der ganze Debatte noch mit Entspannung entgegen blicken. FIFA ist weiterhin einer der stärksten Titel der Firma, die eigenen Angaben zufolge jedes Quartal über eine Milliarde Euro umsetzt. Die kommenden Monate werden auf diesem Segment dennoch enorm spannend. Trotz der starken Zahlen und wegen der zuletzt heftigen Kritik geht es für EA Sports gewissermaßen um das Sichern seiner Vormachtsstellung. Vermutlich im September kommt FIFA 22 auf den Markt – und wird sich dann wieder mit Pro Evolution Soccer von Konami messen lassen müssen. 

Konami hatte zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich aufgeholt, war vielleicht sogar gleichgezogen. Für eine echte Überraschung sorgte der Hersteller Mitte 2021, als man ankündigte, dass ausgerechnet zum 25. Geburtstag der Spielreihe nur ein Update erscheinen werde. Offizielle Begründung: Man wolle die komplette Energie in PES 2022 stecken. Marktzahlen zufolge verkaufte sich EA Sports zuletzt über 20 Mal besser als das Konami-Pendant, obwohl nicht wenige Spieler der PES-Reihe das bessere Gameplay attestieren. Doch Konami verfügt über weit weniger Spieler- und Vereinslizenzen. Statt mit Manchester United wird dort also mit "Man Red" gespielt. Auch in Deutschland ist das ähnlich: EA Sports hat sich von der Deutschen Fußball Liga (DFL) entsprechende Lizenzen gekauft und darf sich somit exklusiver und offizieller Partner der ersten und zweiten Liga nennen.

Ein Problem, dass sich auch durch die einjährige Pause wohl nicht wird lösen lassen. Möglich ist alles und in der Fantasie einiger Konsolen-Fans auch schon durchgespielt: Schlägt Konami nun zurück oder gibt es bald in diesem Bereich ein Monopol von EA Sports? Das ist freilich Zukunftsmusik – näher liegt die Veröffentlichung der genauen Release-Termine mit der dann auch immer erste Trailer einhergehen, die schon einmal ein bisschen vom kommenden Look and Feel verraten. In aller Regel ist damit Mitte eines Jahres zu rechnen, keinesfalls vor Mai. 

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