Yakuza 7 für PS5 im Test: Blitzblankes Backenfutter

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Nach dem famosen "Yakuza 6" schoben die Entwickler der Ryu Ga Gotoku Studios im November 2020 gleich das nächste Spiel der Reihe, "Yakuza 7: Rise of A Dragon", in die Händlerregale. Nun ist das Spiel endlich für die Playstation 5 verfügbar und kann neben der verbesserten Technik noch mit einer anderen technisch gelagerten Meisterleistung aufwarten. Aber letztlich das Wichtigste: Wie viel Spaß bringen die Neuerungen, die "Yakuza 7" nun zu einem waschechten JRPG (Japanese Role Playing Game) machen?

Ein neuer Held muss her!

Eine der wohl interessantesten Neuerungen für "Yakuza 7" ist die Einführung eines völlig neuen Protagonisten, der vorher noch in keinem der Teil der Serie aufgetaucht ist: Vorhang auf für Ichiban Kasuga. Den schließt ihr mit seiner etwas tölpelhalften aber liebenswerten Art schon nach wenigen Minuten in euer Spielerherz. Als junges Mitglied einer Yakuza-Familie muss er sich nicht nur eine Menge gefallen lassen, sondern wird auch dazu benutzt, um die für Schandtaten eines höher gestellten Familien-Mitglieds zu büßen. Das bedeuetet mal eben lockere 18 Jahre Knast – und als Ichiban das Gefängnis wieder verlassen darf, ist nichts mehr so, wie es vorher einmal war.

Die Menschen auf den Straßen halten sich nun sonderbare kleine Bildschirme vor ihr Gesicht, es vergeht einige Zeit, bis Ichiban ebenfalls in der Lage ist ein Smartphone korrekt zu benutzen. Die ausufernde Story nimmt zu Beginn des Spiel einen eher tragischen Verlauf, mit dem Ergebnis, dass sich der zu unrecht verurteilte Ex-Knacki am untersten Ende der Gesellschaft wiederfindet. 

Freunde für‘s Leben

Aber als Obdachloser bekommt Ichiban schnell ein Gefühl dafür, wie es ist, einen Blick für die wichtigen Dinge des Lebens zu haben: echte Freunde! So kann er an seiner Seite das erste Party-Mitglied begrüßen. Der einstige Geburtshelfer Nanba will Ichi bei der Aufarbeitung seiner unglücklichen Vergangenheit zur Seite stehen. Ebenfalls mit von der Partie: Ein abgehalfteter Bulle namens Koichi Adachi – auch er hat mit den Yakuza-Familien noch ein paar Rechnungen offen. Ihr habt richtig gelesen: Es gibt in "Yakuza 7" erstmals eine richtige Party, wie ihr sie aus zahlreichen Rollenspielen kennt. Viele Aktionen, wie das gemeinsame Erkunden der Spielwelt, die Abende in der Bar oder ein gemeinsamer Restaurant-Besuch, machen nun deutlich mehr Sinn und Spaß, da der Hauptcharkter immer in Begleitung seiner Freunde ist. 

Eine absolute Traumhochzeit

Yakuza 7 @SEGA

Die Kämpfe werden von hübschen Lichteffekten untermalt.

In allen Vorgängerspielen der Serie war es eure Aufgabe, die zahlreichen Kontrahenten per Echtzeiteingabe der verschiedenen Schlag- und Trittkombinationen zu Boden zu schicken. Nun ist alles anders: Für "Yakuza 7" hatten die Entwickler die kongeniale Idee, die zahlreichen Kämpfe nun rundenbasiert ablaufen zu lassen. Dies wird im Spiel sogar von den Figuren das ein oder andere Mal im Gespräch aufgegriffen. Für Ichiban ist "Dragon Quest" sowieso schon das Maß aller Dinge, er findet, dass irgendwie das ganze Leben ja ein Rollenspiel sei. Die rundenbasierten Kämpfe könnten bessser nicht sein und tragen maßgeblich zum völlig neuen Spielgefühl bei, das "Yakuza 7" so absolut einzigartig macht. Trefft ihr auf eine Gegnergruppe, gibt es kurz den verwischten Bildschirm, den wir aus zahlreichen Rollenspielen kennen, und schon findet sich die Truppe um Ichiban im Kampf wieder. Ihr habt nun alle Zeit der Welt ein entsprechendes Manöver auszuwählen und Attacken oder eher defensive Aktionen in den Kampf einzustreuen. Das funktioniert in der Praxis absolut hervorragend, nicht zuletzt aus dem Grund, dass auch sehr viele verschiedene Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Diesen Katalog könnt ihr im Spielverlauf zudem noch ganz bequem erweitern: Einfach mal beim Arbeitsamt vorbeischauen und den Job wechseln. Verlasst ihr euch als "Koch" darauf, ordentlich mit der Bratpfanne auszuteilen und dem Gegner einen flambierten Pfannkuchen um die Ohren zu klatschen, sorgt als "Odachloser" euer Mundgeruch oder ein Schwarm kackender Tauben für den Sieg. Die Kampfmanöver könnten kaum abgedrehter sein, es vergeht kaum eine Spielstunde, in der ihr nicht laut loslachen müsst. 

WTF?! Am laufenden Band

Litten die vorherigen Teile der Yakuza-Serie immer ein wenig an Gegner-Armut, könnt ihr euch hier vor verschiedenen Widersachern kaum retten. Die Fantasie der Entwickler bringt ein paar extrem abstrus witzige Gestalten hervor – das gab es so bisher in kaum einem anderen Rollenspiel. Besteht eure Party dann endlich aus den maximalen vier Teilnehmern, könnt ihr ebenfalls für wirklich durchschlagskräftige und lustige Attacken sorgen. Neben den ulkigen Kampfmanövern bieten natürlich auch die Haupt- und Nebenquests extrem unvergessliches Material. Es wirkt oft so, als wären die Entwickler mit dem Fokus auf ein echtes Rollenspiel und der Einführung einer neuen Hauptfigur, regelrecht von ihren Fesseln befreit: Das Spiel sprüht nur so vor Witz, Einfallsreichtum und Abwechslung. Allerdings empfehlen wir "Yakuza 7" vornehmlich Spielern, die sich im Genre des JRPG‘s gut auskennen. Neulinge könnten mit den vielen unterschiedlichen Dingen, die auf der Agenda stehen, recht schnell etwas überfordert sein. 

Yakuza 7 @SEGA

Nach erfolgreichem Abschluss eines Seminars, wird Ichiban von seinen Kommilitonen gefeiert.

Die Technik der PS5-Version

Die Playstation 5-Version von "Yakuza 7" kommt mit zwei Verbesserungen daher: Zum einen könnt ihr nun auswählen, ob ihr lieber in einer Auflösung von 4K bei 30 Bildern pro Sekunde spielen wollt oder ihr entscheidet euch für eine etwas geringere Auflösung und genießt dabei aber 60 Bilder pro Sekunde – was dem zackigen Spielablauf unglaublich gut zu Gesicht steht. Das absolute Sahnehäubchen sind allerdings die extrem verbesserten Ladezeiten: Drückt ihr im Hauptmenü auf "Story fortsetzen", dauert es keine fünf Sekunden, bis ihr loslegen könnt. Das gilt auch für die Schnellreise oder sonstige Ladezeiten, wie ihr sie aus früheren Teilen der Serie kennt. Das bis zu 100-stündige Abenteuer ohne lästige Warterei erleben zu können, setzt dem frischen Mix aus Yakuza-Story und feinstem japanischen Rollenspiel die Krone auf. In "Yakuza 7" ist zudem erstmals eine englische Tonspur samt namhafter Sprecher enthalten – auch wenn das für Puristen, die wie immer mit japanischer Sprachausgabe zocken, sicher nicht mehr als eine Randnotiz ist.

Yakuza 7 @SEGA

Freund? Feind? Oder doch irgendwas dazwischen? Die Story überrascht mit zahlreichen Wendungen.

Fazit: Willkommen im JRPG-Olymp!

Um etwas aufzuzählen, dass bei "Yakuza 7" nicht gut funktioniert, müsste man als Fan japanischer Rollenspiele verdammt lange nachdenken. Das Spiel sticht wohltuend aus dem Einheitsbrei heraus und bietet euch unglaublich viele unterschiedliche Möglichkeiten abseits der Handlung. Auch die neuen RPG-Elemente fühlen sich schon nach kurzer Zeit an, als wären sie schon immer Teil der Serie gewesen. Dass es "Yakuza 7" dann auch locker mit Genre-Schwergewichten wie "Dragon Quest 11" oder "Final Fantasy 7 Remake" aufnehmen kann, liegt nicht nur an der perfekten Implementierung der neuen Mechaniken, sondern daran, dass sich das Spiel einfach Dinge traut, die es sonst so in dieser Form nirgends zu sehen gibt. Für Serien-Fans ein absoluter Blindkauf, aber auch Spieler, die noch kein "Yakuza" gespielt haben und sich als Freunde des japanischen Rollenspiels sehen, ist "Yakuza 7: Rise of A Dragon" auf alle Fälle mehr als nur einen Blick wert. 

Wertung

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