Heiß auf Eis? Die cremige Versuchung im Vergleich

Verschiedene Eissorten
Verschiedene Eissorten © adobestock beats_
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Knapp 9 Liter Eiscreme vertilgt jeder Deutsche pro Jahr. Es gibt zahlreiche Sorten mit unzähligen Inhaltsstoffen. Manche kosten ein kleines Vermögen, andere wiederum sind eher preiswert zu haben. Doch wie rechtfertigen Markenhersteller wie Häagen-Dazs Preise von satten 15 Euro pro Kilo? Sind die Zutaten im Ben & Jerrys-Eis wirklich fair gehandelt? Und können Discounter-Varianten von Mode-Sorten wie „Cookie Dough“ und „Strawberry Cheesecake“ mit ihren großen Vorbildern mithalten? Spiele.de hat sich für Euch durch die Tiefkühltruhen gewühlt. 

Häagen-Dazs – Der Testsieger aus… den USA!? 

Ja, richtig gelesen! Der hochpreisige Speiseeishersteller Häagen-Dazs ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das 1961 vom polnischstämmigen Ehepaar Rose und Reuben Mattus in New York City gegründet wurde. Der Markenname ist ein Kunstwort, das dem Konsumenten ursprünglich ein europäisches, im Speziellen dänisches Produkt suggerieren sollte. In frühen Firmenjahren zierte sogar der Umriss der dänischen Landkarte die Eisbecher der Firma.  

Häagen Dazs

Mittlerweile hat sich die Marke zu einem der Frontrunner im hochklassigen Speiseeis-Segment etabliert und führte in den vergangen Jahren häufig die dazugehörigen Stiftung-Warentest-Testreihen an. Aktuell bietet die Firma 19 verschiedene Milcheissorten an. Neben Klassikern wie Vanille oder Schokolade finden sich auch solch Exoten wie „Weißer Pfirsich/Himbeere“ oder „Karamell-Spekulatius“ im Sortiment. Die Firma variiert ihr Sortiment saisonal und gibt mehrmals im Jahr neue Sorten in den Handel. Manche bleiben dauerhaft, andere nur für kurze Zeit. Darüber hinaus bietet Häagen-Dazs die Geschmacksrichtungen Zitrone, Himbeere und Mango in der milchfreien Sorbet-Variante an. Ein großer Pluspunkt für den Hersteller, denn nicht jeder Eisfabrikant berücksichtigt seine laktoseintolerante Kundschaft auf diese Art und Weise. 

Häagen-Dazs wirbt mit einer übersichtlichen Anzahl an Zutaten. So enthält etwa der Vanilleeis-Testsieger 2019 gerade einmal fünf Zutaten: Frische Sahne, Milch, Zucker und Eigelb und echten Bourbon Vanilleextrakt. Auch bei den anderen Sorten setzt der Hersteller auf natürliche Zutaten und verzichtet auf künstliche Geschmackszusätze. Genauso wie darauf, das Eisvolumen künstlich mit Luft aufzufüllen. Das hat zwar den Vorteil, dass bei ausgewiesenen 460ml auch wirklich 460ml Eis im Becher enthalten sind. Wer seine Eiscreme allerdings besonders cremig mag, der beißt sich an Häagen-Dazs schon mal – im wahrsten Sinne des Wortes – die Zähne aus. Das muss nämlich erst ordentlich antauen, eh man es genüsslich löffeln kann. Und seinen Preis haben die hochwertigen Zutaten außerdem: 15 Euro kostet der Liter Häagen-Dazs-Eis im Durchschnitt. Wir finden: Die Inhaltsstoffe und die große Sortenauswahl sind diesen Preis auf jeden Fall wert. Nur wie schnell manche Geschmacksrichtungen wieder aus dem Sortiment verschwinden, ist schon schade. Unsere Geschmackstipps: „Schokolade/Kokos“ und „Zesty Lemon und Mandarine“.

 

Ben & Jerry’s – Ja, Eis ist da auch drin!  

Die Eiskreationen aus dem Hause Ben & Jerry’s gibt es seit den späten Siebzigerjahren und sind aufgrund ihrer auffälligen Werbekampagnen besonders bei jungen Leuten populär. Seit 2002 vertreibt der US-amerikanische Konzern seine Produkte auch hierzulande. Die in auffällig-grellen Farben designten Eisbecher sind in Supermärkten, an Tankstellen, in Kinos und Fast-Food-Restaurants erhältlich. In ausgewählten deutschen Städten gibt es zudem die sogenannten „Scoop Shops“, also Franchise-Geschäfte, in denen ausschließlich Ben & Jerry’s-Produkte verkauft werden. 

Weltweit gibt es derzeit 53 verschiedene Eissorten von Ben & Jerry’s. In Deutschland sind gerade einmal 17 davon käuflich zu erwerben. Der Klassiker: Cookie Dough. Die Vanille-Eiscreme mit Riesenstücken aus Plätzchenteig und Schokoladenbits ist der weltweite Verkaufsschlager des Unternehmens und ist nicht nur ein vegetarisches Produkt, sondern auch als halal ausgewiesen.  

Ben & Jerry's

Ben & Jerry’s wirbt jedoch nicht bloß mit seinem breiten Angebot an exotischen Eissorten (wahlweise mit Gebäck- oder Obststücken versehen, mit einem Soßenstrudel durchsetzt oder mit Schoko-Topping obendrauf), sondern setzt sich zudem stark für Umweltschutz, Geschlechtergleichberechtigung und eine faire Bezahlung seiner Mitarbeiter ein. Die vom Konzern verarbeiteten Eier stammen allesamt aus Freilandhaltung, die Firma verzichtet auf genmanipulierte Zutaten und die Verpackungen bestehen aus nachhaltigem Material, das sich nach dem Verbrauch hervorragend recyclen lässt. Ebenfalls wichtig – nicht nur um den hohen Preis für die Eiscreme zu erklären: Ben & Jerry’s kooperiert mit Fairtrade International, einer weltweiten Organisation, die sich darum bemüht, Arbeitern und Bauern in der Landwirtschaft einen besseren Lebensstandard zu bieten. Preislich liegen die Ben & Jerry’s-Pints auf einem Niveau mit der Konkurrenz von Häagen-Dazs. Allerdings finden sich in diversen Sorten der Firma künstliche Geschmacksverstärker. Seit September 2010 verzichtet der Konzern daher auf den irreführenden Slogan „All natural Ben & Jerry's“. Daran, dass man sich an den unzähligen Sorten dennoch nicht satt essen kann, ändert das allerdings nichts. Unsere Geschmackstipps: Der Klassiker „Cookie Dough“ und „Chocolate Cherry Garcia“ aus der kalorienarmen „Moophoria“-Kollektion.

 

Mövenpick – Jetzt wird’s cremig! 

Die Mövenpick Holding AG mit Sitz im Schweizerischen Baar ist nicht ausschließlich für die Herstellung von Speiseeis bekannt. In jüngsten Speiseeistests ist die Firma mit der goldenen Möwe über dem N aber immer weit vorn mit dabei. 1948 eröffnete in Zürich das erste Mövenpick-Restaurant. Mittlerweile bietet der Konzern über den Einzelhandel unter anderem Kaffee, Fruchtaufstriche, Joghurt und eben auch Eis an. 

Mövenpick

19 verschiedene Sorten führt Mövenpick aktuell im Programm. Darunter verschiedene Fruchtkreationen wie „Panna Cotta Himbeere“ und „Amarena Kirsch“, aber auch eine eigene „Cookie Dough“-Variation. Mit rund sieben Euro pro Kilo liegt Mövenpick im preislichen Mittelfeld namhafter Eishersteller. Dafür arbeitet der Konzern mit künstlichen Farbstoffen, um seinen Eiskreationen zu ihrer spektakulären Farbe zu verhelfen und pumpt für eine bessere Cremigkeit ordentlich Luft ins Eis. Wer sein Eis aber besonders fluffig mag, ist mit den Mövenpick-Sorten gut bedient. Dafür muss er im Vergleich zur Konkurrenz auf allzu viel „Innenleben“ verzichten. Während man bei Häagen-Dazs und Ben & Jerry’s oft das Eis vor Lauter Schnickschnack nicht sieht, sind die Frucht- und Kekszusätze im Mövenpick-Eis wohldosiert. Unsere Geschmackstipps: „Coconut Crisp“ und „NussNougat“.

 

Die Günstigen vom Discounter 

Jedes Markenprodukt hat mindestens einen Trittbrettfahrer in den Discounterregalen. Das gilt auch für Eis. Aldi, Lidl, Edeka, Rewe – sie alle haben ihre eigene Variation von „Cookie Dough“ und anderen In-Eissorten im Regal stehen. Die Hersteller hören auf Namen wie Gelatelli (Lidl), Grandessa (Aldi Süd) oder Beste Wahl (Rewe).  

Rewe

Auf dem Markt etabliert haben sich 500ml-Becher, die allesamt optisch ansprechend aufgemacht sind und mit jeder Menge „Mehr“ werben – heutzutage ist Eiscreme nicht einfach nur Eiscreme. Stattdessen kommen Keksstücke, Kuchenteig, verschiedene Soßen, Früchte und anderweitig exotische Zusatzstoffe zum Einsatz. Und je mehr das sind, desto aufregender wird es! Das „Cookie Dough“ Eis der Aldi-Marke Grandessa punktet zwar mit einem hohen Sahne-Gehalt und entsprechend cremiger Konsistenz sowie einer ansprechenden Farbe aus natürlichem Karottenkonzentrat. Doch im Vergleich zu den Markenprodukten fallen die Keksteigstückchen mit gerade einmal 5 Prozent winzig aus. Außerdem enthält es mit Emulgatoren (Sojalecithine), Stabilisatoren (Johannisbrotkernmehl, Guakernmehl), Backtriebmittel (Natriumcabonate) und Aromen diverse Zusatzstoffe, die wir anderswo nicht haben und auch nicht zwingend sein müssten. Das Lidl-Eis von Gelatelli enthält satte 16 Prozent Keksteigstücke und damit mehr als dreimal mehr als der Aldi-Konkurrent. Leider enthält auch das Eis dieses Herstellers künstliche Zusatzstoffe und greift darüber hinaus auf Eipulver aus Bodenhaltung zurück. Das „Beste Wahl“-Eis von Rewe punktet mit 12% Schokoladensplits-Plätzchenteigstückchen, irritiert allerdings durch seinen arg künstlichen Vanillegeschmack. Auch der wenig umweltbewusste Inhaltsstoff „Palmfett“ stößt negativ auf. Bleibt zu guter Letzt noch das „Cookie Dough“-Eis von Edeka: Mit 19 Prozent Keksteig kann das nicht bloß quantitativ mit den Markenprodukten mithalten, sondern punktet auch mit seinem hohen Sahnegehalt und seinem herben Schokoladengeschmack. Sämtliche Eissorten sind im 500ml-Becher für einen Preis von 2,49€ erhältlich und damit eine preisgünstige Alternative zu den Markenprodukten.  

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