Noveltea: Tee mit teurem Schuss

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Tee mit Alkohol zu verfeinern, ist eine uralte, weit verbreitete Idee – egal, ob man seinen Eistee in einen Longdrink verwandelt oder seinen heißen Tee mit einem Schuss aufpeppt. Dennoch hat es sich ein Unternehmen zur Aufgabe gemacht, Tee mit Alkohol neu rauszubringen: Noveltea, unter anderem bekannt aus der VOX-Erfolgssendung „Die Höhle der Löwen“. Wir haben uns ihren Tee genauer angeschaut – und vor allem: Ihn probiert.

Noveltea

Die Idee

Noveltea entstand durch Zufall: Die Deutschen Lukas Passia und Vincent Efferoth trafen sich zufällig während ihres Masterstudiums im Fußballstadion des englischen Traditionsclubs Newcastle United. Schnell kamen sie ins Gespräch und stellten fest, dass sie (von der britischen Teekultur inspiriert) daran interessiert sind, ins Geschäft mit alkoholischem Tee durchzustarten. 

Sie gründeten Noveltea und gingen damit zunächst ins englische „Die Höhle der Löwen“-Pendant, „Dragons' Den“. Dort bekamen sie für ihre Idee sogar drei Deal-Angebote von den dortigen „Drachen“ – die Gründer lehnten aber ab. Danach zog es sie zur „Höhle der Löwen“, wo sie 450.000 Euro für 15 Prozent ihrer Unternehmensanteile angeboten bekamen. Den Deal sind sie zwar eingegangen, aber: Nach der Sendung ist der Deal noch geplatzt.

Trotzdem ist Noveltea mittlerweile in vielen Supermärkten vertreten und in einigen Spirituosen-Onlineshops – sowie natürlich in einem eigenen Webshop. Standardmäßig hat Noveltea drei Sorten im Portfolio: The Tale of Earl Grey, The Tale of Tangier und The Tale of Oolong. Ob die was drauf haben? Wir haben es für euch getestet.

Noveltea Earl Grey

The Tale of Earl Grey – Tea & Gin

Earl Grey ist einer der großen, am weitesten verbreiteten Klassiker im Teeregal. Die aromatisierte Schwarzteemischung (ursprünglich ausschließlich aus chinesischen Sorten erstellt) existiert seit Mitte des 19. Jahrhunderts – und wurde der Legende nach durch Zufall zu dem, was sie heute ist: Bei einem Sturm soll die Fracht eines britischen Handelsschiffs durcheinander gewirbelt worden sein. Woraufhin die Eichenfässer mit schwarzen Teeblättern und das geladene, sizilianische Öl der blumig-bitteren Bergamotte zusammenfanden – zu köstlichem Effekt.

Der fein-herbe, leicht bittere Earl Grey wird von Noveltea mit London Dry Gin zum Tale of Earl Grey vereint. In der Nase finden bei unserem Geschmackstest beide Komponenten (70 Prozent Tee, 30 Prozent Gin) dieser Mischung harmonisch zusammen: Als Eistee hat dieser Mix eine lang anhaltende, milde Schwarztee-Nase. Die Bergamotte kommt klar heraus und wird stimmig vom Gin ergänzt. Als warmer Tee ist dieser Noveltea-Standard in der Nase ein etwas matter Earl Grey mit viel Bergamotte und einem Spritzer von Wacholder und Botanicals. 

Geschmacklich ist Tale of Earl Grey warm wie kalt extrem süß. Erwärmt geht der Gin-Charakter leider völlig verloren, übrig bleibt ein leckerer, aber auch nichtssagender Schwarztee mit Geschmacksassoziationen von dunklem Honig und Bergamotte. Kalt wiederum kommt der Gin sehr wohl zur Geltung – es fehlt ihm zwar sein saurer Charakter, dennoch dominiert er den Tee. Der kommt kühlend und erfrischend im Abklang zum Zug. Wir empfehlen diese Sorte in der Eistee-Variante – sie ist zwar platter, als bei ihrem Preis erhofft. Aber sie ist dennoch erfrischend.

Noveltea Rum

The Tale of Tangier – Tea & Rum

Die Rum-Sorte von Noveltea basiert auf einem grünen Minztee und soll laut Hersteller Erinnerungen an die Reisen arabischer Kaufleute wecken, die durch die endlosen Dünen der Sahara zogen, um feinen grünen Tee zur Hauptstadt von Marokko zu transportieren. Die gehört zu einem der wichtigsten Orte in der Kultur um gewürzte Tees – daher passt es durchaus zusammen, eine Minzeesorte nach Tangier zu benennen. 

Leider weckt unsere Teeprobe keineswegs derart filmreife, exotische Bilder im Kopf. Kalt riecht der Tale of Tangier nach fuseligem Rum – und sonst nach nichts. Erwärmt kommen immerhin die ätherischen Minzöle zur Geltung und ein leichter Wind von Zuckerrohr, dennoch dominiert deutlich ein sehr brennender, platter Rum-Geruch. 

Geschmacklich ist der Rum-Minztee von Noveltea gekühlt ölig-minzig, im Abgang ein sehr unaufregender, fuselig-brennender Rum, gefolgt von einem kurzen Piekser erfrischender Minze. Warm schneidet er etwas besser ab und vereint solide Assoziationen von Grog und Minzbonbons. Laut Hersteller werden für diese Sorte orientalische Minze, Rum aus der Karibik, Zitrusfrüchte und Tropenfrüchte verwendet, doch die Fruchtkomponenten konnten wir beim besten Willen nicht herausschmecken.

Noveltea Oolong Whisky

The Tale of Oolong – Tea & Whisky

Die Reise durch die drei Noveltea-Standardsorten endet in China, wo der Oolong eine traditionelle und beliebte Teesorte darstellt. Gemäß einer alten Sage wurde der Oolong entdeckt, als chinesische Bauern den edelsten Tee der Welt suchten – und auf einem mystischen Berg fündig, jedoch auch von einem schwarzen Drachen überrascht wurden. Durch seinen feurigen Atem wurde der Tee geröstet – und entfaltete so ein süßliches, dennoch intensives Aroma.

Von der Oxidationsstufe her liegt Oolong zwischen grünem und schwarzem Tee, gemeinhin wird ihm ein blumiges, wohlriechendes Aroma attestiert. Bei unserem Geschmackstest ist es der The Tale of Oolong-Mix, der am besten abschneidet. Und zwar mit Abstand: Kalt entfaltet die Mischung aus Oolong und schottischem Whisky ein malziges Aroma; Noten von hellen Blumen und Honig treffen auf etwas Torf und Holz. 

Erwärmt vereinfacht sich die Nase des Noveltea-Oolong, wird aber nicht weniger faszinierend: Frühlingswiese und leicht karamellisierter Zucker treffen auf Malz. Geschmacklich ist der Oolong als Eistee ein kräftiger Tee, der zwar süßer ist als zunächst durch die 30 Prozent Whisky erwartet, aber das Spiel aus Honig, Torf, Rauch, Vanille und Honig überzeugt vollauf. Als warmer Tee ist er ein sehr harmonischer, kräftig-süßer Mix aus malzigen und blumigen Komponenten. Laut Hersteller kommen im Tee-Whisky-Mix neben den Hauptzutaten Jasminblüten, Rosenblüten, Mango-Stückchen und Papaya-Flocken zum Einsatz. Für uns ist der Oolong ganz klar die Krone im Noveltea-Angebot.

Probierset

Fazit

Wir sind durchaus ein bisschen unterwältigt: Die Tee-und-Gin-Mischung mundet zwar, ist aber geschmacklich auch ziemlich eindimensional. Der Rum-Tee derweil ist sehr fuselig, und in diesen beiden Fällen gilt: Das kann man mit einem Tee aus dem Supermarkt oder dem Teeladen und einem guten Tropfen aus der Hausbar köstlicher zubereiten. Allein der Mix aus Tee und Whisky hat uns vollauf überzeugt und wird mit seiner feinen Aromenabstimmung seinem Kostenpunkt gerecht. 

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