Fast-Food-History: Da kommen Hamburger, Pizza und Co. her

Wer hat das Sandwich erfunden? Wann kam die Pizza nach Deutschland? Und wie berlinerisch ist der Döner? | Spiele.de
Wer hat das Sandwich erfunden? Wann kam die Pizza nach Deutschland? Und wie berlinerisch ist der Döner?
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Oft fettig, häufig im Schnellrestaurant oder beim Lieferdienst bestellt, und stets mit unzähligen Mythen über die Erfindung befrachtet: Diese fünf Fast-Food-Klassiker sind nicht nur lecker, sondern bringen auch spannende Geschichten mit sich.

Hamburger

Hamburger

Die Antwort, wo der Hamburger ursprünglich herkommt, steckt bereits in seinem Namen: Aus der deutschen Hansestadt Hamburg. Doch von seinen Anfängen bis zu seiner heute berühmten Form, hat er sich mehrfach verändert – was auch dazu führte, dass es sehr viel Mythenbildung rund um den Hamburger gibt. Die eine, unbestreitbare Antwort, wie sich aus einer deutschen Speise der US-amerikanische Fast-Food-Klassiker wandelte, gibt es daher nicht.

Aber grob lief es ungefähr so ab: Im 18. und 19. Jahrhundert wurde in Hamburg und Umgebung das Rundstück warm als kleine, aber enorm sättigende Mahlzeit populär. Es besteht aus einem Stück Braten, das zusammen mit Soße in einem Brötchen serviert wird. Ungefähr parallel dazu machte sich im englischsprachigen Raum der Begriff Hamburger Steak als Umschreibung für eine andere Fleischspeise populär, die deutsche Einwanderer mitgebracht haben: Die Frikadelle.

Darum, wer wann zuerst diese beide Gerichte hat kollidieren lassen, streitet sich die Geschichtsschreibung. So behauptet das Lokal Louis' Lunch in New Haven, Connecticut, das dort die ersten Hamburger verkauft wurden. In dem 30 Plätze starken Diner werden seit dem späten 19. Jahrhundert Hacksteaks mit Soße, Zwiebeln, Tomaten und optional mit Käse zwischen zwei vertikal im Gasgrill getoasteten Brotscheiben angeboten. Doch auch andere Gastronomen und Lokale behaupten, zuerst auf die Idee gekommen zu sein.

Die enorme Popularität der Hamburger begann jedenfalls mit der Weltausstellung von 1904 in St. Louis, wo das Hackfleisch-mit-Soße-Brötchen erstmals einem großen Publikum angeboten wurde und sich prompt enormer Beliebtheit erfreute.

Döner

Döner Kebab

Wir bleiben kurz bei Fast-Food-Favoriten, die ihre Wurzeln (jedenfalls teilweise) in Deutschland haben, und kommen zur Dönertasche. Die ist ein Fast-Food-Junior: Am Spieß zubereitetes Fleisch ist als Speise zwar jahrtausendealt, doch das, was wir heute als Döner Kebab kennen, gibt es erst seit ein paar Jahrzehnten.

Fleischspieße haben schon lange Tradition und haben von Region zu Region unterschiedliche Zutaten und Namen – so entstand im griechischen Raum das Gyros aus Schweinefleisch oder im arabischen Raum das Schawarma aus Rindfleisch. Im osmanischen Reich wiederum war der Schisch Kebab aus Hammelfleisch weit verbreitet. Alle drei Gerichte haben gemein, dass sie anfangs noch über einem horizontalen Grill zubereitet wurden, ehe sie auf einen senkrecht stehenden Spieß wanderten. Darüber, ob Gyros, Schawarma oder Kebab zuerst von der Horizontalen zur Vertikalen wechselte, streitet sich die Geschichtsschreibung.

Der Erste, der Kebab regulär mit Fladenbrot kombinierte, war aber der im späten 19. Jahrhundert geborene Koch Iskender Efendi aus der türkischen Stadt Bursa. Sein Iskender Kebap bestand ursprünglich aus Lamm- oder Hammelfleisch, das teils zu Hack verarbeitet wurde, teils in Schieben geschnitten wurde. Dieser Mix wurde mit Joghurt und zerlassener Butter auf einer Lage geschnittenem Fladenbrot serviert. Mittlerweile ist das Tellergericht Iskender Kebap (auch Iskender Kebab geschrieben) international in der Variante mit Kalbsfleisch bekannt.

In Iskender Efendis Heimatstadt setzte sich zudem der Name Döner für die vertikal gebratenen, deftig gewürzten Fleischspieße durch. 1940 erreichte der Döner die gehobenen Restaurants Istanbuls, seit den 1960er-Jahren ist auch der Straßenverkauf verbucht. Der Döner, wie wir ihn kennen, wurde dagegen 1972 erfunden – und zwar in Berlin. Die Berliner Tourismusbehörde und der Verein türkischer Dönerhersteller schreiben Kadir Nurman die Neuerfindung des Döners zu (wobei auch weitere deutsch-türkische Unternehmer die Idee für sich beanspruchen).

Weil er beobachtet hatte, das in seiner neuen deutschen Heimat es den Leuten nicht schnell genug gehen kann und die Bevölkerung verrückt nach leicht (und auch im Gehen) zu essenden Speisen war, beschloss er, das Drehspießfleisch (nun nicht mehr aus Hammel, sondern aus Rind) standardmäßig in Fladenbrot auf die Hand zu servieren. Etwas später kam auch die Portion Salat und Gemüse hinzu – und aufgrund des großen Erfolgs der Dönertasche in Deutschland fand sie den Weg zurück in die Türkei und in viele andere Länder.

Pizza

Pizza

Die Pizza kommt genau dort her, wo man ihre Herkunft vermuten würde: Aus Italien. Schon im Antiken Rom wurden Brotfladen mit Käse überbacken. In den folgenden Jahrhunderten entstanden in Italien regionale Spezialitäten wie Focaccia aus der Küstenregion Ligurien (Hefeteig, das mit Olivenöl, Salz und optional Kräutern und weiteren Zutaten belegt wird, bevor es in den Ofen kommt) oder die Pitta inchiusa aus Kalabrien, eine gebackene Hefeteigspezialität mit Zutaten wie Olivenöl, Zwiebeln, Salz sowie Schweineschmalz. Wahrscheinlich leitete sich aus ihr auch der Name Pizza ab.

Das, was heute gemeinhin unter Pizza verstanden wird, also ein flacher, runder Teig, der mit Tomate und Käse belegt wird (und allem, wonach sonst so der Sinn steht), entstand ungefähr zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals verbreitete sich die ursprünglich in Europa fremde Tomate in Süditalien und wurde zu einer beliebten Zutat. Die Pizza Margherita soll der Legende nach 1889 in Neapel erfunden worden sein, und zwar zu Ehren von Königin Margarethe von Italien. Daher ist diese Pizza auch in den Nationalfarben Italiens belegt – mit Basilikum (Grün), Mozzarella (Weiß) und Tomatenscheiben (Rot). Über die Jahrzehnte hinweg wurde diese Pizza zu dem vereinfacht, was wir nun unter Margherita verstehen – Tomatensoße, Käse und vielleicht noch ein bisschen Oregano oben drauf.

Interessanter Fun Fact am Rande: Bevor Pizzerien ausgeliefert haben, kamen anfangs die hungrigen Mäuler mit ihren Pizzen zu den Pizzerien! Da eine gute Pizza sehr hohe Temperaturen benötigt und im 19. Jahrhundert nur wenige Haushalte die nötigen Öfen hatten, wurden anfangs die Teigfladen daheim vorbereitet und ungebacken zum örtlichen Bäcker gebracht. Doch schon in den 1880ern entstand neu der Berufszweig „Pizzaiolo“, der die Pizzen selbst herstellte, belegte – und auch lieferte!

Bis sich die Pizza im Rest Europas verbreitete, dauerte es aber einige Zeit. Ehe sie auf diesem Kontinent außerhalb Italiens bekannt wurde, brachten italienische Auswanderer sie erst einmal in die USA, wo sie schon von New York ausgehend Anfang des 20. Jahrhunderts Fuß fasste. Die erste Pizza auf deutschem Boden wurde der Überlieferung nach 1937 bei einer Kochausstellung in Frankfurt am Main gebacken, bevor 1952 in Würzburg die erste Pizzeria Deutschlands eröffnete.

Cordon Bleu

Cordon Bleu

Das Schnitzel Cordon Bleu kann in zahllosen Imbissen und Fast-Food-Lokalen bestellt werden. Dabei hat das Schnitzel, das mit Käse und Schinken gefüllt ist, seiner Wortherkunft nach überhaupt nichts in solchen Schnellfresstempeln zu suchen: „Cordon Bleu“ bedeutet im Französischen wortwörtlich blaues Band und war dort zeitweise ein feststehender Begriff für Gerichte nach Art der hohen Kochkunst. Dies ist auf den von Heinrich III. eingeführten (und an einem himmelblauen Band befestigten) Heilig–Geist–Orden zurückzuführen, der an bedeutende Persönlichkeiten verliehen wurde – darunter auch an einige hervorragende Köche.

Bei einem Gericht nach ausgezeichneter Kochkunst ist der Zusatz „Cordon Bleu“ letztlich im Sprachgebrauch hängen geblieben – auch wenn sich nicht mehr zurückverfolgen lässt, wann das Gericht erfunden wurde. Die älteste bekannte Erwähnung in einem Kochbuch reicht gerade einmal bis 1949 zurück, schon sieben Jahre später wurde es in der Schweiz zu einem äußerst populären Standard der Hotel- und Restaurantküchen. Der Legende nach wurde es Jahrzehnte zuvor aus der Not heraus erdacht, als in einem Lokal weit mehr Gäste als erwartet aufgeschlagen sind, so dass die Vorräte eigentlich nicht gereicht hätten. Woraufhin (je nach Quelle der Legende) die Köchin / der Koch des Gasthauses beschloss, die hungrigen, nach Schweinscarré gierenden Mäuler zu stopfen, indem die Speise durch Zusatz von Käse und Schinken deftiger und sättigender gestaltet wurde.

Sandwich

Sandwich

Belegte Brote ziehen sich durch die Menschheitsgeschichte, doch das Sandwich, wie wir es kennen, geht auf einen Adeligen zurück: John Montagu, seines Zeichens der 4. Earl of Sandwich. Der britische Diplomat lebte von 1718–1792 und war passionierter Kartenspieler. Er war ein derart leidenschaftlicher Spieler, dass er oft stundenlang ohne Pause spielte und daher keine Zeit zum Essen fand. Eines Tages, der Legende nach um 1760 herum, bat er sein Personal daher, seine belegten Brote so zuzubereiten, dass er zu sich nehmen kann, ohne fettige Finger zu bekommen und daher das Spiel unterbrechen zu müssen. Die Weißbrot-Doppelschnitte mit Belag dazwischen war erfunden – anfangs schlicht mit etwas Rindfleisch und ein wenig Butter belegt. Eine schlichte Speise für einen Adeligen, die aber John Montagus Vorlieben entsprach – der soll nämlich vergleichsweise niedrige Anspüche gehabt haben, angeblich auch, weil er sich phasenweise aufgrund von Spielschulden gar nicht allzu Exquisites hätte leisten können.

Montagus offizieller Biograf widersprach diesem Bericht und behauptete, der Earl hätte das Sandwich erfunden, um trotz seiner vielen Arbeit bei Kräften bleiben zu können. Doch egal, ob es nun beim Spielen oder beim Arbeiten erfunden wurde: Das Sandwich verbreitete sich schnell in London, anfangs als Speise für abendliche Herrengesellschaften, bis sie auch bei Damenempfängen gereicht wurden, in die englische Teekultur Einzug fanden und letztlich den Rest der Welt eroberten. 

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