Lecker und nostalgisch: Kochen mit Kindheitshelden

Nerdige Kochbücher mit Bezug auf Popkultur liegen voll im Trend. Aber wieso schon wieder „Star Wars“? Kochen mit Donald Duck ist doch viel spaßiger!
Nerdige Kochbücher mit Bezug auf Popkultur liegen voll im Trend. Aber wieso schon wieder „Star Wars“? Kochen mit Donald Duck ist doch viel spaßiger! © Disney / Egmont Ehapa
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Er ist der wohl berühmteste Pechvogel der Welt – und daher würde ich ihn niemals, niemals (!) an meinen Herd lassen. Die Rede ist von Donald Duck. Und doch macht es mir große Freude, mit ihm zu kochen. Klingt erst einmal rätselhaft, aber lasst es mich erklären: Als großer Filmfan werfe ich natürlich oft ein Auge auf die gefühlt stündlich zunehmende Liste an Kochbüchern, die Motive aus der Popkultur aufgreifen. Aber ich muss sagen: Die meisten davon bestehen bloß aus einer Handvoll simpler Rezepte, die einen anfixen sollen. Der Rest stammt aus der Kategorie „Kochen für Freunde, um sie ordentlich zu beeindrucken“. 

Das mag ja schön und gut sein. Aber, liebe Kochbuchverlage: Nicht an jedem Tag koche ich für Freunde, und selbst wenn ich für Freude koche, gibt es nicht jedes Mal Anlass, sie mit einem „Game of Thrones“-Festbankett oder einem Todesstern aus selbstgemachten Käsemakkaroni in Staunen zu versetzen! Wer hat dazu denn bitte Woche für Woche Zeit?! Manchmal will ich einfach nach einem langen, nervigen Arbeitstag in meine Küche stolpern und mir schnell was in die Pfanne hauen. Oder Freunden eine köstliche, aber nicht abendfüllende Mahlzeit kredenzen, ehe wir ins Kino gehen oder mit dem Spieleabend loslegen. 

Nun gut, dafür brauche ich im Jahr 2020 kein Kochbuch, eine App reicht völlig. Und eigentlich benötige ich nicht einmal das: Simple Rezepte nur für mich beherrsche ich aus dem Kopf. Aber so ein nerdiges Kochbuch versüßt halt den Küchenalltag. Es bringt durch seine Aufmachung und seine wahlweise sinnigen oder völlig hanebüchenen Popkulturbezüge Freude.

Was läge also bei meinem Dilemma näher, als mir ein Kochbuch zu schnappen, das solche Popkulturbezüge aufweist – sich aber nicht in Superlative verliert, sondern relativ leicht umsetzbare Rezepte umfasst? Sowie ein paar lockere Sachen dazwischen. Ein … lustiges Kochbuch, sozusagen? Und genau da kommt Donald Duck ins Spiel: Der Ehapa-Verlag hat seine praktisch unentwegt wachsende Marke „Lustiges Taschenbuch“ nach einer Premium-Reihe, einer Enten- und einer Maus-Edition, Weihnachts- und Adventsbänden, Winter-, Sommer-, Ostern-, und Halloween-Sonderausgaben und vielen weiteren Nebenreihen jetzt zudem um eine Kochbuch-Reihe erweitert. 

Ausgabe eins ist diesen September erschienen und vereint 15 Comics aus Entenhausen (darunter acht deutsche Erstveröffentlichungen) mit jeweils einem dazu passenden Rezept. Die Rezepte richten sich nicht primär an Kinder (laut Verlagsangaben sind schließlich über 50 Prozent der Leserinnen und Leser des „LTB“ über 19 Jahre alt), wollen aber auch keine Meisterköche herausfordern. „Eines haben alle Rezepte gemeinsam: Sie machen Spaß“, hält die Redaktion stattdessen im Vorwort fest.

Donald und Daisy Duck essen Pasta (© Disney / Ehapa)

Von Popcorn und Pizza bis Bœuf Stroganoff

Die Auswahl der Rezepte reicht von „Für ein Entenhausen-Kochbuch naheliegend“ bis „vollkommen unerwartet“. Erfinder Daniel Düsentrieb gibt etwa Ratschläge für unvergessliches Popcorn. Die am Vesuv lebende Hexe Gundel Gaukeley hingegen präsentiert ein Rezept für Pizza Napoletana, zu deren Tricks eine Prise Zucker im Teig und viel Hefe gehören.


Bäuerin Oma Duck, die bereits in unzähligen Comics ihre Verwandten mit Backwaren über Verluste oder Ärgernisse hinweggetröstet hat, wird derweil ein „legendärer Apfelkuchen“ zugeschrieben. Und dass sich Donald Duck als Ziehonkel dreier Neffen „fantastische Frühstücks-Bagels“ erdacht hat, kommt auch hin. Doch wer hätte beim Kauf eines Disney-Comic-Kochbuchs mit einem Rezept für Bœuf Stroganoff gerechnet?

Im Band wird die Erklärung geliefert, dass das Rezept vom neuen russischen Chefkoch des Entenhausener Milliardärs Klaas Klever stammen würde. Auch, wenn der Chefkoch eines großkotzigen Reichen wohl kaum mit Instant-Rindsbouillon kochen würde, während das „Lustige Taschenbuch Kochbuch“ exakt diese küchenhandwerkliche Abkürzung nimmt, ist so ein simples, zugleich wahrhaftig nicht auf den Kindermund zugeschnittenes Rezept eine gern gesehene Überraschung in diesem Band. Selbiges gilt für „Daisys geheimes Pastarezept“, das erstens nun nicht mehr geheim ist, und zweitens aus einer Käse-Mandel-Bärlauch-Soße besteht. Nichts da mit dem Kinderküchenklassiker Bolognese!

Eine Fortsetzung des „LTB Kochbuchs“ wäre also gern gesehen – auch wenn die Fixierung des Ehapa-Verlags auf die Marke „Lustiges Taschenbuch“ so ihre Tücken mit sich bringt. Als Taschenbuch mit simpler Klebebindung ist dieses Entenhausen-Kochbuch nicht dafür geeignet, mal eben aufgeschlagen zu werden, damit man es auf die Küchenarbeitsfläche legen und während des Kochens des Rezept verfolgen kann. Die Seiten schlagen andauernd wieder zu – es sei denn, man hat kein Sammlerherz und malträtiert das Buch.

Vielleicht wäre es doch klüger gewesen, es mit einem richtigen Hardcover-Kochbuch zu versuchen …

Das große Donald Duck Kochbuch (© Disney / Schneider Verlag)

Längst nicht Donald Ducks erstes Kochbuch

Das weckt bei mir Erinnerungen an „Das große Donald Duck Kochbuch“ von 1994! Auf 45 Seiten (so viel also zum Terminus „groß“) bringt es eigentlich Kindern das Arbeiten in der Küche näher und stellt somit das dar, was manche womöglich vom „LTB Kochbuch“ erwarten. So beinhaltet dieser nostalgische Schatz, den ich niemals aus meinem Bücherregal verjagen würde, ein Rezept (!) für ein Gurkensandwich (!!). Das ist wohl auch nur Teil dieses Buchs, damit sich der Verlag auf die Schulter klopfen kann: „Hey, wir versuchen, Kinder an gesundes Essen heranzuführen“.


Doch „Das große Donald Duck Kochbuch“ umfasst auch einige reizvolle Rezepte, die simple Speisen mit etwas Denken außerhalb des Rahmens abwandeln und einen selbst als Erwachsenen dazu anregen, nicht einfach wieder exakt das zu machen, was völlig allein von der Hand geht. Und weil das Buch schon lange vergriffen ist, bin ich an dieser Stelle so freundlich, und verrate euch die zwei wichtigsten Kniffe: So wäre ich nie auf die Idee gekommen, über eine Schinkenpizza einen ganzen Esslöffel Butter zu tröpfeln (!) aber, hey, Donald Duck ist da echt einer schmackhaften (ganz und gar nicht diätkonformen) Sache auf der Spur.

Die gute Oma Duck empfiehlt in diesem Buch derweil, in die Hackmischung für Frikadellen einen Viertelliter Milch zu kippen. Seltsame Sitten, die man in den ländlichen Gefilden Entenhausens pflegt, aber ich hab's ausprobiert, und es sorgt für einen vollmundigen Geschmack und eine ungewöhnliche, aber ansprechende, sämige Konsistenz.


Und das Rezept für „Donald Ducks Hähnchenschenkel“ wird zu guter Letzt auf der nächsten Party gewiss für pseudophilosophischen Gesprächsstoff sorgen. Darf eine vermenschlichte Ente Hühner zubereiten? Ich mein, mir schmeckt's, aber ob das auch für seine Cousins dritten Grades gilt ..?

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