Verrückt wie nie: Herren-Modetrends im Herbst 2020

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So viel Geld wie nie zuvor geben private Haushalte heutzutage für Bekleidung aus: 64,4 Milliarden Euro setzte die Kleidungs-Industrie alleine im vergangenen Jahr um; das waren rund zehn Milliarden Euro mehr als etwa im Jahr 2009, als die Branche unter der damaligen Finanzkrise litt. Kleidung ist gefragt; und das längst nicht nur in der Damenwelt. Auch Herrenmode ist seit vielen Jahren ein gut laufendes Geschäft. Jahr für Jahr ist es die Aufgabe der großen Designer, sich neu zu erfinden, ohne den klassischen eigenen Stil zu verlassen. Manch ein Branchenexperte spricht aktuell aber davon, dass einige Designer in diesem Jahr wirklich sämtliche Regeln über Bord geworfen haben und nun (endlich?) das erlaubt ist, was noch vor zwölf Monaten schier undenkbar schien. Die Herbst-Mode 2020 ist wilder, verrückter, zugleich aber – und das macht es gewissermaßen noch spannender – auch einer Rückbesinnung auf Traditionelles unterzogen worden. Genau das macht den Herbstlook derzeit einmalig.

Im Herbst 2020 findet sich in der Mode einerseits wieder, was auch in der Gesellschaft zu sehen ist: Eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und die Natur. Es gibt eine absolut hervorstechende Trendfarbe; das sind Stoffe in Camel. Dabei handelt es sich um einen besonders sanften Braunton, der in der Mitte zwischen hellem Beige und dem dunkleren Cognacbraun liegt. Kombiniert werden sollen diese Stücke gerne auch mit helleren und dunkleren Brauntönen. Eignen würde sich das sowohl für den Look im Office, als auch für die Runde nach Feierabend.

Die erdigen Töne werden aber auch durch die Farbe „Weinrot“ ergänzt, erklärt eine Sprecherin der Modekette H&M auf Anfrage von spiele.de. Welche Kleidungsstücke Mann trägt, ist dabei laut des Unternehmens nicht sehr viel anders als in den Jahren zuvor. Populär seien Klassiker wie Mäntel und Strick, aber auch Overshirts, Shakets, Cargohosen und Streetwear.

Das Cord-Comeback

Die Materialien betreffend erlebt Cord derzeit ein absolutes Comeback. Übrigens bei Weitem nicht nur bei den Hosen, sondern teils – etwas gewöhnungsbedürftig – auch bei Jacken und eben Mänteln. Auch Leder ist in diesem Herbst/Winter ein echter Eyecatcher. Die großen Designer haben ihre Models für den Laufsteg teils komplett in Leder gepackt – für den normalen Alltags-Look dürfte das aber etwas zu viel des Guten sein, weshalb immer öfter ein ganz bewusster und sehr deutlicher Akzent in Leder empfohlen wird.

Auch in der Auswahl der Stoffe zeigt sich in der Modebranche quasi eine Rückbesinnung auf Natürliches, denn neben Leder gehört auch Lammfell zu einem echten Trend im Herbst/Winter 2020. Die Jacken sind oftmals zwar kürzer, aber dafür innen reichlich mit Lammfell ausgefüttert und so gestaltet, dass eben dieses Fell an den Ärmeln oder am Kragen sehr deutlich zu sehen sind.

s_karau / stock.adobe.com

Der modebewusste Mann trage im Herbst 2020 also einen Mix aus Neuem und aus bestehenden Klassikern. Laut H&M seien insbesondere Mäntel solche Klassiker, „die über viele Jahre hinweg getragen werden können“. Und entsprechend beliebt seien sie deshalb auch derzeit wieder in den Stores. Zu den weiteren Best-Sellern würden neben Overshirts und Cargohosen aber auch Basic-Loungeware-Klamotten gehören. Da wir uns derzeit bekanntlich mehr daheim aufhalten als üblich, stehen Kuschelpullis und die lockere Jogging-Hose für den Sofatag hoch im Trend. 

Karo? Na klaro!

In Sachen Mustern erlebt schon seit einiger Zeit das Karo ein echtes Revival. In den zurückliegenden Jahren setzten die Designer vor allem auf sehr klare Karo-Muster, 2020 wird es deutlich wilder. Immer mehr große und auch mehrfarbige Karomuster erobern die Stores und die Fußgängerzonen. Inzwischen ist es kein Problem mehr, ganz verschiedene Karomuster und -farben direkt miteinander zu kombinieren. Man(n) kann quasi nichts falsch machen. Immer häufiger sind übrigens auch klassische Business-Anzüge (leicht) kariert. Hier sieht die Modebranche offenbar einen beginnenden Trend.

Das gilt auch für ein ganz neues Herren-Accessoire, das zur Zeit vor allem in den deutschen Metropolen immer mehr auftaucht. Denn jetzt trägt auch Mann immer öfter eine Tasche, wenngleich es sich dabei um eine Gürteltasche handelt. Dabei ist durchaus Mut erwünscht, denn der Mann von heute sollte sich durchaus trauen, in eine Tasche mit einem frechen Spruch oder einer aufmerksamkeitserregenden Optik zu investieren. Gürteltaschen für Männer sind quasi das derzeit heißeste Accessoire in den Stores. Getragen werden die Taschen entweder klassisch oberhalb des Gürtels oder aber quer vor dem Körper.

Roman / stock.adobe.com

Eine Nummer drüber

Darauf, dass ein Anzug perfekt sitzen muss, wird übrigens immer weniger Wert gelegt. So mancher Designer kehrt den Spieß sogar um – so entstand der derzeit auf dem Vormarsch befindliche „Oversized-Look“. Wer sich diesem Trend hingeben will, muss aber konsequent sein – das heißt: Neben zu großer Hoser und einem ebenfalls zu großen Sakko sollte dann auch das Hemd oder das Shirt mindestens eine Nummer drüber sein. Um den Look zu unterstreichen finden sich hier wieder gewagte Farbkombinationen und Muster oder eben wilde Karo-Looks.

Etwas anderes scheint in diesem Herbst und dem nahenden Winter eher rückläufig zu sein: Die klassischen Kapuzenpullis sind immer seltener in den Kleiderläden zu sehen. Sie werden durch Sweatshirts abgelöst, die ebenfalls mit coolen Sprüchen oder zumindest großen Lettern auffallen – und besonders häufig in natürlichen Tönen angeboten werden.

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