So vermeidest du Mikroplastik

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Die Welt hat so einige Probleme – eines davon heißt Mikroplastik. Mikroplastik ist ein Überbleibsel des 1907 vom Belgier Leo Baekeland erfundenen Stoffes Plastik und ist mittlerweile nahezu überall zu finden - auch dort, wo es eigentlich gar nicht hingehört. 

Plastik ist eine Mischung der Stoffe Phenol und Formaldehyd. Der – für die Industrie – so wesentliche Vorteil: Plastik ist in der Herstellung unfassbar günstig. Es ist so billig, dass es aus finanzieller Sicht sinnvoller ist, neues Plastik zu produzieren, als altes zu recyceln. Genau das ist ein großes Problem: Eine klassische Plastiktüte, wie sie teils noch in Supermärkten in den Obst- und Gemüseabteilungen angeboten wird, braucht bis zu 20 Jahre, um zu verroten – stabileres Plastik, etwa die Verpackung von Frischfleisch, sogar fast 100 Jahre.

So entstand auch das Problem mit dem Mikroplastik – hierunter versteht man kleine Plastikteile, kleiner als fünf Millimeter. Mikroplastik entsteht entweder durch den Zerfall größerer Plastikteile oder wird mittlerweile sogar von der Industrie in genau dieser Form gefertigt. Es gibt ausreichend Zahlen, die belegen, warum Mikroplastik ein echtes Problem ist: Jedes Jahr, so berichten Forscher, gelangen 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, etwa die Hälfte davon in die Meere. Im Mittelmeer wurden allein pro Quadratmeter 1,9 Millionen Partikel des Stoffes gefunden. Der Stoff wurde inzwischen sogar in ganz tiefen Meeresregionen und in der Antarktis nachgewiesen.

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Lösungsansatz

Vorweg: Eine umfängliche Lösung zu finden, die Mikroplastik schnell und großflächig verhindert, ist schwer. Das zeigt sich zum Beispiel an einer anderen Zahl: Alleine durch den Abrieb von Reifen, und hierzu zählen nicht nur Auto- oder LKW-Reifen, sondern (zu geringerem Teil) auch Reifen von Rollstühlen oder Fahrrädern, gelangen in Deutschland jährlich etwas mehr als 100.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Organisationen, die sich für die Natur und gegen Mikroplastik einsetzen, konzentrieren sich daher auf die wesentlichsten Punkte.

Foto: stock.adobe.com - Christian Stoll

Das ist einmal die Kosmetik – und darunter ist letztlich nicht nur Schminke zu verstehen. Der Stoff wird längst auch in Duschgel, Shampoo und Seife eingesetzt. Warum? Creme wird durch den Zusatz geschmeidiger, im Peeling dient es als Schleifmittel. In ersten Ländern – etwa England oder Kanada – sind solche Zusätze bereits verboten. In Deutschland ist der Verbraucher gefragt. Kosmetische Produkte, die Mikroplastik enthalten, erkennt man, in dem man die Inhaltsstoffe überprüft. Zu den gängigen Mikroplastik-Arten in Kosmetika zählen:

  • Acrylate Copolymer (AC) oder Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)
  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane

Dann doch lieber nackt?

Kosmetik ist aber nur ein Teil des Problems. Wer diesen Text liest, hat mit hoher Sicherheit Mikroplastik am Körper. Der Großteil unserer Kleidung besteht aus solchen Stoffen. Polyester, Nylon oder Polyacryl enthalten Mikroplastik und gemäß Studien enthalten etwa 60 Prozent aller Kleidungsteile alleine schon Polyester. Problematisch sind hier die Waschgänge, denn bei jedem Waschen geraten kleine Plastikteile ins Abwasser. Alleine aus Waschmaschinen in Europa sollen laut Forschern jährlich 13.000 Tonnen Mikrofasern in die Meere geraten.

Nun kann man natürlich auf diese Stoffe in Kleidung komplett verzichten und vermehrt Baumwoll-Stücke (oder andere Naturfasern) kaufen. Doch wer nicht seinen kompletten Schrank ausmisten möchte, der kann zumindest für Schadensbegrenzung sorgen: Um Abrieb in der Waschmaschine zu reduzieren, ist es sinnvoll, Wäsche auch nach Fasern zu sortieren. Abriebreduzierend wirkt auch, wenn man auf Weichspüler verzichtet. Gefordert wird längst übrigens auch, dass Waschmaschinen mit Mirkoplastik-Filtern versehen werden. Hier ist nun die Industrie gefragt – bis dato sind zumindest schon spezielle Waschbeutel entwickelt worden, die die kleinen Teilchen herausfiltern können. Hilfreich ist zudem, die Waschtemperatur zu reduzieren. Als Faustregel gilt: Je heißer gewaschen wird, desto mehr Mikroplastik löst sich.

Lebe Plastikfrei

Die große Plastiklawine lässt sich vermutlich nicht stoppen. Was getan werden kann? Auch hier geht es um Schadensbegrenzung. Die Maxime ist eindeutig: So wenig Plastik kaufen wie möglich. Auf der Suche nach einer Babyflasche? Die gibt es auch aus Glas – so wie früher in den 70ern. Nudeln oder Cornflakes müssen nicht in der Plastikpackung gekauft werden – immer mehr Innenstädte beherbergen mittlerweile sogar Unverpackt-Läden. 

Foto: stock.adobe.com - blachkovsky

Frischhaltefolie lässt sich prima durch Bienenwachstücher ersetzen, die mittlerweile in immer mehr gut sortierten Haushaltswarengeschäften zu finden sind. Geschenkpapier ist oft beschichtet und enthält somit Plastik. Man kann ein Zeichen setzen, in dem man Geschenke einfach in Zeitungspapier verpackt. Küchenrollen, die nicht nur Holzfaser enthalten, sondern oft auch in Plastik verpackt sind, lassen sich schlicht durch Küchentücher aus Stoff ersetzen. Pfannen sind inzwischen oft beschichtet – und enthalten somit auch wieder Mikroplastik. Mach es wie Oma und brate in der Eisenpfanne!

Hallo Politik

Ansätze gibt es also zu Hauf. Die ehrliche Wahrheit ist aber auch: Private Haushalte allein können das umfassende Problem gar nicht mehr lösen – der Staat ist gefordert. Da geht es zum Beispiel um das Nachrüsten von Kläranlagen mit entsprechenden Filtern, auch Straßenabwasserschächte und Gullis müssten nachgerüstet werden. Die Industrie müsste ihr Abwasser vor dem Ableiten in Flüsse auf Mikroplastik filtern – all das aber muss per Gesetz vom Gesetzgeber angestoßen werden. Doch auch hier kann jeder Bürger vor Ort seinen Teil dazu beitragen: Eine Mail oder ein Gespräch mit jedem einzelnen Bundestagsabgeordneten hilft.

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