Der Sport und seine Chancen: mit oder wegen Lord Corona

Sportliche Kinder stehen auf einem Hügel und wollen loslegen. Sie tragen Sportkleidung und Equipment, die sie für ihre Sportart brauchen. | Spiele.de
Sportliche Kinder stehen auf einem Hügel und wollen loslegen. Sie tragen Sportkleidung und Equipment, die sie für ihre Sportart brauchen. © AdobeStock
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Erst sollte dieser Artikel einer werden, der belegt, welche Sportarten* möglicherweise gerade Wachstum erfahren, und zwar durch das Virus, dessen Namen – wie Lord Voldemort in Harry Potter – jetzt einfach `mal nicht genannt werden soll. Das wird er nicht. Warum auch? Es gibt genug zu tun, die sportlichen Strukturen 2.0 gerade mit Kreativität und Sportsgeist aufrecht zu halten. Und schließlich stehen gerade Herbst und Winter vor der Tür. Sportmuffel lassen sich mit Finsternis, Regen und Kälte per se nicht so gern aus dem warmen Wohnzimmer locken. Und bei allem Verständnis für virtuelle Wettkämpfe, von ambitionierten Sportlern, die durch das Virus entstanden: Allein und mit Social Distancing ist eben weniger zusammen. Es bestimmt gerade die Regeln, wie gesamtgesellschaftlich gespielt wird, hält uns in Atem und als neuer – voher noch nicht dagewesener Lord – verbreitet er Angst. 

Ein halbes Jahr, nachdem der Lockdown uns nahezu weltweit wirtschaftlich und sportlich zum Stillstand gebracht hatte, möchte ich mit diesem Artikel beim erneuten Aufflackern einfach erreichen, dass wir uns durch den guten Sportsgeist weiterhin verbunden und gestärkt fühlen können. Als ich heute Früh meinen freitäglichen Wirbelsäulenkurs im Fitnessstudio gegeben habe und meine Teilnehmer bei der Abschlussumarmung mit sich selbst – ja das gibt es und ist nicht nur zur Schulterdehnung gut – habe ich beschlossen, dass dieser einer wird, der zeigt, welche positive Macht Sport hat: 

In diesem Fall bewirkte er nach 55 MInuten Gesundheitstraining ein breites Grinsen in den Gesichtern von zehn Kursteilnehmern – und Wärme im Herzen der Kursleiterin. Man stelle sich vor: elf Mal Bewegung, Leidenschaft und Endorphine – einfach, weil sich elf Personen in einem auf den Lord zugeschnittenen Raum mit genügend Abstand, offenen Fenstern und selbst mitgebrachten Matten, einfach zu Musik, Innenkehr und Krafteinsatz bewegt haben. Bleiben wir also in der Vorstellung, Sport wäre vielfältig hätte zauberhafte Kräfte und die Wirkung ließe sich mit einer Bevölkerung von 83 Millionen Menschen eines Landes potenzieren. Das Virus hieße jetzt einfach `mal Lord. Sport hieße Patronus : ein mächtiges Schutztier in der Gestalt von hellem Licht, mit dem Harry Potter mehrere Hundert Dementoren vertreibt – und damit auch nachweislich den Lord schwächt. Wo kann man diesen Schutzzauber üben?

Was ist in der Bundesrepublik sportlich gerade möglich?

Jeder von uns hat in der Hand, wie viel Phantasie er für die Bedeutung von Sport aufbringt. Die Bundesrepublik beschreibt das natürlich nüchterner. Auf der stets aktualisierten Seite der Webseite der Bundesregierung zu Schutzmaßnahmen heißt es: Der Sportbetrieb, insbesondere von Sportvereinen, wurde in den vergangenen Monaten schrittweise wieder aufgenommen. Die konkreten Schritte und aktuellen Verordnungen zum Sport regeln die Länder. Grundlage dabei sind unter anderem die Leitplanken des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) sowie die sportartspezifischen Übergangsregeln der Spitzenverbände."

Senioren dehnen sich

Sportliche Regelungen sind Ländersache – Beispiel Nordrhein-Westfalen (NRW)

Jedes Bundesland hat eigene Auflagen. Das Land NRW hat neben der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen (CoronaSchVO NRW/Aktualisierung am 14. Oktober 2020) wichtige Fragen und Antworten so gebündelt:

  1. Regelungen im Breiten- und Freizeitsport

Der Sport- und Trainingsbetrieb auf und in öffentlichen oder privaten Sportanlagen sowie im öffentlichen Raum ist unter Auflagen möglich. Dazu gehören geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern – auch in Dusch-, Wasch- und Umkleideräumen. Beim Sport in geschlossenen Räumen ist zudem eine gute Durchlüftung sicherzustellen.

 2. Regeln für Kontaktsport

Kontaktsportarten, und zwar sowohl im Training oder im Wettbewerb, dürfen ohne Mindestabstand und ohne zahlenmäßige Beschränkung ausgeübt werden, wenn die Rückverfolgbarkeit sichergestellt ist. 

Sportunterricht

3. Welche Regeln gelten für den Sportunterricht?

Auch im Sportunterricht dürfen Kontaktsportarten ausgeübt werden. Schwimmunterricht ist ebenfalls möglich. (Anm. der Redaktion: Mir Schreiben vom 8. Oktober 2020 haben die Schulen in NRW weitere Ausführungen zum Sportunterricht erhalten. Darin heißt es unter anderem: Wissenschaftler und Experten raten dazu, Sportarten und Bewegungsformen, die zu hoher körperlicher Belastung bei gleichzeitig engem Körperkontakt führen, in Sporthallen nicht zu betreiben. Kontaktintensive Übungs- und Wettkampfformen wie Fußball (...) sollen demnach nicht durchgeführt werden. (...) Technische und taktische Elemente dieser Sportarten können jedoch wie bisher thematisiert werden." So können sie beispielsweise Toreschießen üben.

4. Unter welchen Voraussetzungen sind sportliche Wettbewerbe möglich?

Vorausgesetzt wird die Einhaltung von Vorkehrungen zur Hygiene, zum Infektionsschutz, zur Steuerung des Zutritts und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern. Für den Berufssport gelten Sonderregelungen, die Profiligen sowie Wettbewerbe von Berufsreitenden (...) zulassen.  

Zurück ins Fitnessstudio

Neben der CoronaSchVO NRW gibt es hierzulande auch noch die Anlage Hygiene- und Infektionsschutzstandards . Das ist für Betreiber von Fitnessstudios, wie für andere sportunabhänige Sektoren, längst ein Standardwerk. Stefanie Muckermann ist geschäftsführende Gesellschafterin des Fitnessstudiso MYGYM Lady in Gladbeck, aktuell als Kreisstadt Risikogebiet im Land. Sie spricht von einer angespannten Situation, denn sie weiß, dass sich die Sorge um potenzielle Ansteckung eben auch auf den Besuch des Fitnessstudios ausbreitet. Konkret kämen deswegen einige Mitglieder momentan auch nicht mehr. Muckermann: „Zehn bis 20 Prozent der Mitglider kommen aufgrund der aktuellen Situation nicht mehr ins Studio. Erstaunlich ist auch, dass einige Ehemänner ihren Frauen verbieten, nicht mehr ins Studio zu gehen, weil sie Sorge haben, dass sie ihnen das Virus nach Hause bringt." Erfreulich sei hingegen diese Entwicklung: „Andere Mitglieder, die sich zu Beginn der Öffnung** der Studios nicht getraut haben zu kommen, lassen sich jetzt wieder blicken. Das sind Frauen zwischen 50 und 60 Jahren, deren Motto ist: ,Ich kann mich ja nicht ewig verstecken`," verrät sie. Das Desinfektionsmittelpensum habe sich mit den Verordnungen natürlich vervielfacht. Über eine Hygieneschutzabgabe habe sie im Gegensatz zu anderen Betreibern und Branchen noch nicht nachgedacht. Nachdem Lockdown sei sie vor allem über diese Entwicklung froh: „Dass Fitnessstudios sich nicht als Hotspots*** herausgestellt haben freut mich sehr. Besonders, da mehrfach wissenschaftlich bewiesen ist, dass Training mit einem überschwelligen Trainingsreiz das Immunsystem stärkt und darüber hinaus noch viele weitere Vorteile für die Gesundheit micht sich bringt!"

Fazit

Abstand halten, Hygiene beachten, beim Reinkommen die Hygienemaske tragen: Das sind die Regeln – auch im Sport . Im MYGYM Lady-Fitnessstudio müssen die Teilnehmerinnen zusätzlich zur gültigen Coronaschutzverordnung ihre eigenen Matten mitbringen. Sicherheit ist letztendlich ein subjektives Gefühl. So wie das eben mit Gefühlen ist. Und Sport verschafft uns eben auch das Gegenteil von Angst: Wohlbefinden, Lebensfreude und Freiheit. Und das Gute ist, dass man dafür keine Zauberkräfte benötigt. Es gilt hier nur die Formel für die eigene Fürsorge: Tun. 

Just do it: Sport

*Anm. der Redaktion: Der Deutsche Tennisbund erhält einmal jährlich in dieser Jahreszeit verlässliche Zahlen aller Tennisvereine der Rebublik, unter anderem auch mit Mitgliedszahlen. Verlässliche Zahlen, die überhaupt Rückschlüsse einen etwaigen Tennis-Trends durch seine Art per se mehr Abstand als bei anderen Sportarten, draußen und in großen Hallen, erst im Oktober 2021.

**Anm. der Redatkion: Die Fitnessstudios durften nach dem Lockdown in NRW am 11. Mai 2020 wieder öffnen. 

***Anm. der Redaktion: In vielen Ländern blieben die Fitnessstudios wegen der Corona-Pandemie monatelang geschlossen. Die Angst vor Infektionsherden ließ viele Sportler daheim bleiben. Die daraus womöglich resultierenden Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen veranlasste die Forscherin Lise Helsingen und ihrem Team der Universität Oslo zu einer Studie über das Infektionsrisiko in Fitnessstudios. Die Ergebnisse sind im MedRXiv veröffentlicht. 

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