Vom SimRacer zum Rennsportprofi: Kevin Rohrscheidt im Interview

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Der 28-jährige Stuttgarter Kevin Rohrscheidt hat seinen Traum wahr werden lassen. Aus dem Motorsportfan wurde ein professioneller Rennfahrer.

Wie bist du zum Rennsport gekommen?

Für den GT Academy-Wettbewerb haben Nissan und Playstation die schnellsten PS-Spieler weltweit gesucht. Unter 100.000 Spielern habe ich das Deutschlandfinale erreicht. Dort wiederum habe ich es 2013 unter die Top 12 geschafft. Wir wurden dann in die Endrunde nach Silverstone eingeladen. Dem Gewinner winkte ein Einjahresvertrag als Nissan-Werks-Rennfahrer. Die Endauswahl fand unter den Augen des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Nick Heidfeld statt und wurde im Rahmen der Vorberichterstattung zur F1 auf RTL ausgestrahlt. Ich habe es auf den siebten Platz geschafft und durfte meine allererste Erfahrung in einem Rennwagen auf der Strecke in Silverstone machen.

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Das hat mich so begeistert, dass ich getreu dem Rennfahrermotto „Keep on Pushing“ meinen Blog KEEPONRACING gestartet habe. Hier sollten meine Geschichten auf dem Weg vom Motosportfan zum Rennfahrer als Motivation und Inspiration für andere Rennsportfans dienen. Nachdem ich an mehreren Virtual-to-Real-Racing-Wettbewerben und außergewöhnlichen Nachwuchssichtungen – beispielsweise in Schnee und Regen auf dem Hockenheimring – teilgenommen hatte, durfte ich mit 26 Jahren meine erste volle Rennsaison in Angriff nehmen. Mit Hilfe meines Partners HUCON Powertrain GmbH, konnte ich meine erste Saison im DMV BMW 318ti Cup bestreiten. Von da an habe ich mich Jahr für Jahr nach oben in die GT4-Kategorie gearbeitet.

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Wie hast du SimRacing entdeckt und was hat dich daran fasziniert?

Spektakuläre Rennfahrzeuge mit einzigartigen Lackierungen, legendäre Rennstrecken und die ganze Atmosphäre an einem Rennwochenende haben mich schon immer angezogen und fasziniert. Da mein Vater in Hockenheim geboren und praktisch an der Rennstrecke aufgewachsen ist, war auch ich schon früh als Fan gemeinsam mit ihm vor Ort, um dort spektakuläre Rennen zu erleben. Gleichzeitig hatte ich viel Spaß mit den immer besser werdenden Rennspielen und Rennsimulationen. 

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Der Weg in Richtung SimRacing war also ganz natürlich für mich. Vor etwa zehn Jahren habe ich mir dann ein gebrauchtes Lenkrad gekauft und an meinem heimischen Schreibtisch montiert. So konnte ich für die GT Academy in Gran Turismo trainieren. Wenige Jahre später kam dann der erste Gaming-PC und mit Rennspielen wie Assetto Corsa ging es weiter. Rennsimulationen, Entwickler und insbesondere die SimRacing-Community voller Gleichgesinnter haben mich immer begeistert. Und was ich durchs SimRacing gelernt habe war meine Chance und mein Weg in den realen Motorsport.

Kannst du SimRacing in 3 Sätzen erklären?

SimRacing bezieht sich auf Rennsimulationen, die Rennfahrzeuge und Rennstrecken sowie insbesondere das Fahrverhalten mit einem sehr hohen Anspruch an Realismus umsetzen. Im Gegensatz zu anderen Rennspielen, ist der fahrdynamische Grenzbereich der Fahrzeuge in Simulationen schmal und nur mit mehr Training und Geduld verbunden. Die Fahrzeuge sind zwar nicht echt, aber die spannenden Zweikämpfe und Renn-Manöver sind es allemal.

Für wen ist SimRacing? Eher für Hardcore Fans oder auch für Sportinteressierte?

SimRacing ist für jedermann! Egal, ob mit Gamepad oder Lenkrad, mit oder ohne Fahrhilfen, Rennspielefan oder Motorsportneuling – moderne Rennsimulationen bieten passende Einstellungen und Inhalte für eine breit gefächerte Zielgruppe. SimRacing trainiert Konzentration, Reaktionsschnelligkeit und technisches Grundverständnis. Daher kann es der Einstieg in den Motorsport sein. SimRacing ist vergleichsweise kostengünstig und kann auch von Menschen mit körperlichen Einschränkungen problemlos ausgeübt werden. Dieser Meinung ist auch der Deutsche Motorsportbund, der SimRacing als Motorsportdisziplin anerkannt hat. 

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Wie hat dich SimRacing in deinem Alltag geprägt?

Sehr! Viele SimRacer wie ich träumen davon, Rennfahrer zu werden. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, einen solchen Traum ohne Kartsport-Erfahrung oder große Budgets zu realisieren, inspiriere und motiviere ich andere Motorsportfans und SimRacing-Enthusiasten auf KEEPONRACING.DE und SimRacing-Unlimited.com. Ich lasse sie an meinen Weg vom SimRacer zum echten Rennfahrer teilhaben. Darüber hinaus teste ich die neuesten Rennsimulationen und SimRacing-Produkte für SimRacing-Unlimited.com. So versorge ich die Leser mit den aktuellen News aus der E-Sports-Racing-Welt. 

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Über die letzten zwölf Jahre hinweg durfte ich an einzigartigen Events teilnehmen. Dazu gehören ein Kartrennen durch die Kölner Innenstadt im Rahmen der gamescom, eine Rennspiele-Session im Kino am Nürburgring oder ein Besuch im geheimen Peugeot-Designstudio in Paris mit Gran Turismo-Legende Kazunori Yamauchi. 

Mittlerweile habe ich gemeinsam mit dem RN Vision STS Racing Team ein eigenes SimRacing-Team gegründet, mit einem Fahrerkollegen die neue SimRacing-Rig-Marke SIM-FORCE ONE auf den Markt gebracht und vor Kurzem meine erste SimRacing-Veranstaltung im Xperion in Köln als Co-Host kommentiert.

Wie nah ist SimRacing am echten Rennsport? Wo siehst du die größten Unterschiede oder Gemeinsamkeiten?

Ich sehe SimRacing ganz klar als Tool für Rennfahrer und Rennteams, um sich auf reale Test- und Renneinsätze vorzubereiten und neue Setups abzustimmen. Für Motorsport- und Rennspielefans bedeutet das umgekehrt, dass sie im Vergleich zum realen Rennsport mit einem deutlich geringeren Investitionsaufwand Hard- und Software erwerben, aber dieselben Bewegungsabläufe, Fahrtechniken und Arbeitsweisen wie ein echter Profi üben können. 

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Gewichtstransfer, Reifenmanagement und Fahrzeugkontrolle im Grenzbereich spielen virtuell wie real eine gleichermaßen entscheidende Rolle. Viele Grundprinzipien sind aus dem SimRacing in den realen Motorsport sowie umgekehrt transferierbar. Lando Norris und Max Verstappen sind bereits seit ihrer Jugend im SimRacing aktiv und haben dort ihre Fertigkeiten schulen können. 

Der größte Unterschied ist neben den realen Konsequenzen im Schadensfall der physische Aspekt des Motorsports. Besonders die G-Kräfte, die auf den Körper im realen Fahrzeug einwirken. Während man am Rennsimulator eine schnelle Kurvenpassage von Beginn an mit Vollgas durchfährt, tastet man sich im echten Auto von unten an das Limit heran, um kein zu großes Risiko einzugehen.

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Was braucht man, um mit SimRacing zu beginnen?

Den günstigen Einstieg ins SimRacing bietet ein Bundle-Paket z,B. von Logitech oder Thrustmaster (ca. 300-400 €). Hier sind Lenkrad und Pedale enthalten, sodass man direkt am Schreibtisch und Plug-and-Play an der PlayStation, Xbox oder dem PC loslegen kann. Ich habe mir damals das Set sogar gebraucht gekauft und ein Jahr später einen gebrauchten PlaySeat SimRacing-Sitz dazu geholt.

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Teures Equipment macht einen Fahrer nicht zwingend schneller. Da ich aber vor allem für echte Renneinsätze trainiere, ist mir ein möglichst realistisches Fahrgefühl sehr wichtig. Deshalb habe ich über die letzten Jahre mein persönliches SimRacing-Setup Schritt für Schritt weiterentwickelt.

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