8K-Fernseher: sinnvolle Investition oder unnötige Anschaffung?

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Was kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland mit der neuen Bildauflösung „High Definition“, inzwischen in der Mundart kurz HD genannt, begann, und dann vor einiger Zeit mit Ultra HD, dem so genannten 4K, erweitert wurde, hat nun eine neue Stufe erreicht. Mittlerweile werden 8K-Geräte zum Kauf angeboten, also Fernseher, die eine nochmal höhere Bildauflösung haben als das vor eineinhalb Jahrzehnten schon als mega-scharf empfundene High Definition. Die zum Verkauf stehenden Fernsehgeräte werden damit nicht nur immer stylischer, besitzen hauchdünne Rahmen, sie können auch immer mehr Bilddetails und Farbtiefen darstellen.

Wie geht denn schärfer als scharf?

Vorneweg: Es ist richtig, dass vor 15 Jahren Bilder von Fußballspielen, die in High Definition gefilmt wurden, schon als mega-scharf galten. Es ist aber auch richtig, dass der Konsument High Definition heute als Standard-Auflösung wahrnimmt und große Augen eher bei Ultra HD, also der vierfachen Auflösung, macht. Das Geheimnis liegt nicht nur in der eigenen Wahrnehmung, sondern auch daran, dass die Fernseher mittlerweile immer größer werden. Größen von mehr als 70 Zoll sind inzwischen gängig und in den modern ausgestatteten Wohnzimmern zu finden – der Bildschirm ist im Vergleich zu Omas alter Röhre also wesentlich größer geworden.

8K-Fernseher liefern nach Herstellerangaben „nichts weniger als das klarste Bild, das du jemals sehen wirst“. Ein 8K-Bild hat vier Mal mehr Pixel als ein 4K-Bild. Gesprochen wird von 7.680 x 4.320 Pixeln, was insgesamt also 33.177.600 Pixeln entspricht. Diese über 33 Millionen Pixel drängen so dicht an dicht, dass es nicht mehr möglich ist, bloße Pixelstrukturen mit dem menschlichen Auge zu erkennen. Benannt werden diese Geräte von den Herstellern teils mit schmückenden Begriffen wie „Ultra HD 8K“ oder „8K Super-Hi-Vision“

In einer Zeit, in der selbst 4K-Fernseher noch keine allzu hohe Marktdurchdringung erreicht haben, stellt sich die Frage, wie sinnvoll der Erwerb eines derart hochauflösenden Geräts ist. Klar ist: Die allermeisten Fernseh- oder Kinoproduktionen werden noch nicht in 8K ausgestrahlt. Ein Beispiel aus dem Sportbereich: Die Deutsche Fußball Bundesliga wird ab Sommer 2021 die Zahl der in 4K produzierten Erstligaspiele von derzeit etwas mehr als 60 pro Saison auf knapp 200 erhöhen. Das heißt aber immer noch: Über 100 Erstligaspiele liegen weiter nur in „normalem HD“ vor. In 8K wird es auf absehbare Zeit keine Produktion geben. Richtig aber ist, dass die hypermodernen 8K-Geräte auch 4K-Aufnahmen aufwerten und besser aussehen lassen.

Foto: Alex Haney / Unsplash

Was sagt der Experte?

Klaus Witte arbeitet als TV-Experte im großen Media-Markt in Berlin-Mitte. Er erklärt, dass die viermal höhere Auflösung als bei einem 4K-TV erst bei Bildschirmdiagonalen ab 85 Zoll beziehungsweise 215 Zentimetern einen deutlichen Unterschied machen würde. Witte weiß aber auch, für welche Zielgruppen der Blick in Richtung der neuartigen 8K-Fernseher momentan besonders Sinn macht. „Eine derartig hohe Auflösung könnte sich beispielweise für Gamer lohnen, denn sowohl die neue Sony PlayStation 5 als auch die neue Microsoft Xbox Series X werden 8K-Inhalte unterstützen.“ Gamer gelten derweil als durchaus zahlungswillig und sehr technikaffin, könnten derzeit in den Augen von Händlern und Herstellern also in der Tat in den Fokus rücken.

„Vorteile haben auch Kunden, die ihren 8K-TV für Fotografie nutzen“, erklärt Witte und nimmt somit die Kreativbranche ins Auge. 

Der Schreck an der Kasse?

Klar muss sein: Ein Schnäppchen sind 8K-Fernseher derzeit noch keineswegs. Während gute 4K-Ultra-HD-Fernseher inzwischen für um die 1000 Euro zu haben sind, muss für die noch schärferen Bilder deutlich mehr bezahlt werden. „Will man in ein qualitativ hochwertiges Modell mit der entsprechenden Bildschirmdiagonale investieren, so sollte man mit einem Kaufpreis im unteren fünfstellen Bereich rechnen“, erklärt Klaus Witte. 

Hersteller wie Sony, LG oder Samsung haben momentan 8K-Fernseher in ihrem Angebot. Witte erklärt, dass die Berliner Kundschaft, mit denen der Media Markt-Mann täglich zu tun hat, für einen Kauf solcher Geräte derzeit bereits durchaus aufgeschlossen sei. Sie würden „durchaus Interesse zeigen.“ Eine Beratung in Bezug auf solche Fernseher werde nachgefragt, teilte Witte mit.

Der Standard

Damit der Kunde verlässliche Informationen bekommt, was sich herstellerübergreifend unter dem Begriff 8K verbirgt, haben sich die großen Hersteller, allen voran Samsung Electronics, TCL, Hisense und Panasonic, zusammen getan, um grundlegende Standards festzulegen. Dafür wurde schon vor wenigen Jahren eine eigene 8K Association gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eben solche Standards ganz genau zu definieren. Inzwischen sind auch weitere große Tech-Unternehmen beigetreten – dazu gehören unter anderem Intel und Xperi, die somit ihr Interesse an Entwicklungen im Bereich der Panelauflösung unterstreichen.

Fazit:

Ein 8K-Fernseher im eigenen Wohnzimmer; heutzutage ein ähnlicher Luxus wie einst ein Bild eines (halbwegs) bekannten Malers. Schön, wenn man es hat, nicht schlimm, wenn nicht. Für die breite Masse dürfte sich jetzt eine Anschaffung solcher Geräte rein für private Zwecke noch nicht lohnen. Zudem gilt, ähnlich wie einst bei HD und 4K: Mit quasi jeder Woche sinken die Preise ein kleines bisschen. Wer geschäftlich mit scharfen Bildern hantiert oder (Profi-)Gamer ist, für den könnten die neuartigen Fernseh-Modelle derweil schon heute eine lohnende Anschaffung sein. 

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