Gartentrend Mähroboter - das sagt der Experte!

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Sie surren bedächtig über Rasenflächen, wenn nötig viele Stunden lang am Stück – ganz gewissenhaft kürzen sie das Grün im Vorgarten: Mähroboter. Eine neue Erfindung sind die mehr oder weniger kleinen fahrenden Kästen nicht. Trotzdem sind die Geräte erst kürzlich vermehrt auf der Bild- oder eher Rasenfläche aufgetaucht. Erste Modelle kamen aber in der Tat schon Ende der 90er Jahre auf den Markt. Damals von Husqvarna produziert, waren die mähenden Geräte 2005 bereits auf Platz zwei in der Kategorie der Roboter im Haushalt angekommen. 

Der wachsende Markt für solche Geräte blieb Herstellern klassischer und noch von menschlicher Kraft betriebener Rasenmäher freilich nicht verborgen. Inzwischen liegt der jährlich erzielte Umsatz mit Mährobotern in den Märkten Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich im klar dreistelligen Millionenbereich.

Dabei sind die Geräte mittlerweile durchaus erschwinglich; die preiswerteren Modelle beginnen bei etwas mehr als 400 Euro aufwärts. Wie üblich bei technischen Gerätschaften ist dann nach oben aber kaum eine Grenze gesetzt. Roboter mit künstlicher Intelligenz und weiterem Schnickschnack, etwa einem automatischen U-Turn, leiern zukünftigen Besitzern an die 10.000 Euro aus der Tasche.

Mähroboter: Wie geht das?

Man kann eigentlich nicht davon sprechen, dass Mähroboter den Rasen schneiden – viel mehr ist richtig, dass der Roboter das Grün beständig kurz hält. Denn der Roboter ist ständig unterwegs, sieht man mal von Ladepausen oder akutem Regenwetter ab. Die Fortbewegung passiert bei den allermeisten Modellen über Räder, die sich getrennt voneinander ansteuern lassen. Weil der Roboter kein menschliches Gehirn hat und eben in den meisten Fällen nicht weiß, wo er vor fünf Minuten schon gemäht hat, nutzt er – ähnlich wie Staubsaugroboter – quasi das Chaosprinzip und ist immer in absolut willkürlicher Richtung unterwegs – mit dem Ziel eben irgendwann einmal alles abgefahren zu haben.

Damit die Geräte aber nicht ausbüxen, ist es bei den meisten Robotern nötig, „die Arbeitsfläche“, also den Rasen, mithilfe von in den Rasen verlegtem Begrenzungsdraht abzustecken. Dieses Kabel wird der Roboter während seiner Tätigkeit dann nicht überfahren. Neue Modelle können die Rasenfläche inzwischen aber auch ohne einen solchen Draht gut abscannen und sich sicher auf dem Grün bewegen.

Immer nötig ist ein so genanntes Suchkabel, das dem Mähroboter den Weg zu seinem „Schlafplatz“ zeigt. Erkennt der Roboter Akku-Ladebedarf, wird er sich an diesem Kabel orientieren. Nicht nötig ist das bei den neuesten Modellen, die komplett über Solarenergie funktionieren.

Mal allgemein – Mähroboter: Hilfreich oder nicht?

Ein Daumen hoch kommt von Harald Nonn. Er ist Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft und spricht in Bezug auf die Roboter von einer „grundsätzlich hilfreichen Arbeitserleichterung.“ Das gelte vor allem für größere Flächen. Ein wichtiger Aspekt, etwa auf Fußballplätzen, sei, dass das Grün ständig gemäht und somit nutzbar sei. Auch der Pflanze selbst tut die Arbeit des Gefährtes gut.

Der Experte sagt: „Häufiges Mähen fördert die Narbendichte und den optischen Aspekt. Knapp eine Düngung kann pro Jahr eingespart werden.“ Üblicherweise raten Rasen-Experten pro Jahr zu drei bis vier Düngungen. Hinzu kommt, dass Schnittgut, weil es entsprechend kurz ist, auf der Fläche verbleiben.

Foto: Ulrike Mai / Pixabay

Ein fauler Lenz

Natürlich gelte aber auch: Wer noch selbst mäht und eben nicht nur vom Sofa zuschaut, der bewegt sich zwingend an der frischen Luft (solange man nicht der Abgaswolke des Diesel-Mähers ausgesetzt ist) und hat Ausgleich für den vielleicht bewegungsarmen Bürojob. Zudem hat er es besser im Auge, wenn Unkräuter einwandern oder der Rasen allgemein erkrankt. Entsprechend, so sagt Harald Nonn, sei die Anschaffung eines Roboters rein für den privaten Bereich immer eine individuelle Entscheidung.

Etwas anders gelagert könnte diese im kommunalen Bereich gelagert sein. Stadtverwaltungen müssen derzeit immer genauer kalkulieren was Arbeitsstunden oder generell Arbeitskräfte angeht. Hier könnten, meint Nunn, Mähroboter eine wirklich sinnvolle Hilfe sein.

Darauf ist zu achten!

In jedem Fall empfiehlt der Experte einige Aspekte nicht zu vernachlässigen. Unbedingt gehöre dazu, dass hohe Sicherheitsstandards gegeben sein müssten. „Starre Messer halte ich für verletzungsträchtiger als pendelnd aufgehängte Messer“, sagt Harald Nonn.

Auch der Fakt, dass ein Kundendienst gut erreichbar sei, sollte vor dem Kauf überprüft werden. Eine leichte Reinigungsmöglichkeit und die günstige Beschaffungsmöglichkeit für eventuelle Ersatzteile rät der Fachmann ebenfalls an.

Kosten-Nutzen-Faktor

Wer seinen (Privat-)Garten bestens pflegen möchte, der sollte nach Ansicht des Experten Nonn wöchentlich mähen. Die Schnitthöhe sollte dabei etwa vier Zentimeter betragen und es muss unbedingt auf scharfe Schnittmesser geachtet werden, damit die Halme quasi nicht gerupft werden. Besonders wichtig ist, dass der Rasen nicht zu tief abgeschnitten wird – für die Pflanzen sind grüne Blätter überlebenswichtig. „Dort wird durch Photosynthese Energie produziert“, sagt Nonn. 

Grundsätzlich sollte eine einmal gewählte Schnitthöhe auch das komplette Jahr über beibehalten werden – die einzige Ausnahme sind dabei große Hitzephasen. Dann sollte die Schnitthöhe um etwa ein bis zwei Zentimeter angehoben werden. Die somit „stärkere gegenseitige Beschattung der Blätter reduziert Wasserverdunstung“, erklärt Nonn.

Außerdem gilt: Je tiefer der Rasen geschnitten wird, desto häufiger muss gemäht werden. Das ist auch der Grund, warum auf Golfplätzen quasi täglich am Rasen herumgestutzt wird. Auf Golfplätzen herrscht zumeist eine Schnittlänge von gerade einmal fünf Millimetern vor – das ist ein Zehntel der Länge von Privatgärten. Eine ähnliche Schnittlänge ist inzwischen auch auf Profi-Fußballplätzen vorgesehen

Was nun, Herr Nonn?

Es bleibt dabei, die fahrenden Roboter sind vor allem für Besitzer großer Rasenflächen von Vorteil. Klar ist aber, dass Mähroboter keinerlei Blumenwiesen oder insektenfreundliche Grünflächen ermöglichen. Was jeder Gartenbesitzer für richtig und wichtig hält, ist also eine individuelle Entscheidung. 

Wie handhabt es der Experte selbst? Er mäht seit 30 Jahren mit einem Akku-betriebenen Handrasenmäher (Sichelmäher). Das Gerät sei relativ leise, verursache relativ geringe Emissionen. „Und es macht Spaß zu mähen“, sagt Nonn. Für den Vorsitzenden der Deutschen Rasengesellschaft ist im eigenen Privatgebrauch demnach klar: „Ein Mähroboter ist derzeit keine Option“. 

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